Kirche und Welt

Mittwoch, 18. März 2020

Ostern ohne Besucher

Der Petersplatz in Rom wird dieses Jahr wahrscheinlich leer bleiben

Papstsegen ohne Gläubige? Der Vatikan überlegt, die Zeremonie in einer anderen Form stattf nden zu lassen. Foto: KNA

Erstmals seit langem werden die Kar- und Osterfeiertage im Vatikan wohl ohne Besucher abgehalten. Die Gottesdienste sollen allerdings trotzdem stattfinden – auch der traditionelle Papstsegen soll die Gläubigen erreichen.

Wie es aussieht, finden die großen Zeremonien der Kar- und Ostertage ohne den sonst so regen Zulauf der Gläubigen statt. Das höchste Fest der Christenheit ohne öffentlichen Gottesdienst mit dem Papst: Das gab es nicht seit dem Ende der Christenverfolgung.

Der Vatikan kündigte den Schritt in zwei nicht ganz kohärenten Mitteilungen an – Zeichen einer Unsicherheit im Umgang mit der Corona-Krise, wie sie schon in der Frage von Kirchenschließungen spürbar war. Zuerst verlautbarte die Präfektur des Päpstlichen Hause,s wegen der Pandemie fänden die Liturgien der Kar- und Ostertage „ohne die physische Präsenz von Gläubigen“ statt. Etwas abmildernd erklärte das Presseamt darauf, man prüfe derzeit „Modalitäten der Durchführung und Teilnahme, die die Sicherheitsmaßnahmen
zur Verhinderung einer Verbreitung des Coronavirus respektieren“.

Wie die Zeremonien, an denen üblicherweise Zehntausende teilnehmen, angesichts der gegenwärtigen Ausgangssperre aussehen könnten, vermochte der Vatikan nicht darzulegen. Vatikansprecher Matteo Bruni betonte aber, sämtliche päpstlichen Feiern würden gehalten. In jedem Fall gebe es Live-Übertragungen via Radio und Fernsehen und im Internet.

Den anschließenden Segen Urbi et Orbi nutzt der Papst traditionell, um auf Konflikte rund um den Globus hinzuweisen. Vielleicht verlegen die Zeremoniare die große Geste in eine Kapelle des Apostolischen Palasts. Zu surreal wirkte es, wenn das Oberhaupt der 1,3 Milliarden Katholiken den Segen für Rom und den Weltkreis über einem menschenleeren Petersplatz spendete.

Unterdessen hat Papst Franziskus in Erinnerung an die Pest von 1522 eine Fußwallfahrt zu einem Kreuz in Rom unternommen, um dort für ein Ende der weltweiten Corona-Pandemie zu beten. Das mittelalterliche Kruzifix wurde im Pestjahr 1522 durch die Stadt getragen. Der Überlieferung nach endete die Seuche, als das Kreuz nach 16-tägigen Prozessionen Sankt Peter erreichte.

Franziskus betete um ein Ende der Pandemie und um Heilung für die Kranken. Außerdem gedachte er der Toten. In sein Gebet schloss er auch Hinterbliebene
und die Mitarbeiter des Gesundheitswesens ein; diese stellten mit ihrer Arbeit „das Funktionieren der Gesellschaft“ sicher.

Wo gibt es online und im Fernsehen Gottesdienste? Alle Informationen zum Coronavirus veröffentlicht die Bischofskonferenz unter: www.dbk.de

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