Aus dem Bistum

Donnerstag, 24. August 2017

Papier soll bis Herbst 2019 fertiggestellt sein

Die meisten Pfarreien im Bistum Speyer stehen mitten im Entstehungsprozess des pastoralen Konzepts

Die Pfarrei Pax Christi in Speyer beschäftigt sich derzeit mit der Pfarreianalyse. Der Arbeitskreis pastorales Konzept traf sich am vergangenen Wochenende zu einem Klausurtag, um die Ergebnisse der Analyse zu sichten und zu bewerten. Foto: Weber/Privat

Seit dem 1. Januar 2016 ist es in Kraft, das neue Seelsorgekonzept „Gemeindepastoral 2015“ für das Bistum Speyer, in dessen Folge die 346 Pfarreien in der Pfalz und Saarpfalz in insgesamt 70 größeren Pfarreien zusammengeschlossen wurden. Verbunden mit dem Reformprozesses ist die Neuausrichtung der seelsorglichen Arbeit in den Pfarreien. Eine wichtige Grundlage hierfür bildet das pastorale Konzept, das jede Pfarrei erarbeitet, um ihre pastoralen Schwerpunkte für die kommenden Jahre festzulegen.

Die Erstellung des Konzeptes erfolgt nach dem Dreischritt „Sehen-Urteilen-Handeln“. „Das bedeutet zunächst einmal, dass das Pastoralteam gemeinsam mit den Ehrenamtlichen eine Analyse vornimmt und die Menschen mit ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten wahrnimmt“, betont Dr. Thomas Kiefer, Leiter der Abteilung „Seelsorge in Pfarrei und Lebensräumen“ im Bischöflichen Ordinariat. Diese seien in einer Stadt anders als auf dem Land. Anschließend müssten sich die Verantwortlichen darüber klar werden, welche Vision sie von ihrer Kirche vor Ort haben und grobe pastorale Schwerpunkte setzen. Im letzten Schritt gehe es darum, klare Ziele festzulegen, konkrete Maßnahmen zu planen und diese nach und nach umzusetzen.

Nach Angaben von Thomas Kiefer befinden sich 17 Pfarreien in der Startphase; 21 beschäftigen sich mit der Pfarreianalyse, neun haben sie abgeschlossen, neun setzen sich mit ihrer Vision von Kirche auseinander, und eine Pfarrei hat ihr Konzept gerade abgegeben. In der Projektpfarrei Kaiserslautern wurde das Papier überarbeitet und vor wenigen Tagen eingereicht, so dass dort der Prozess nahezu beendet ist. In den drei weiteren Projektpfarreien Homburg, Queidersbach und Germersheim sowie in der Pfarrei Heilige Petrus und Paulus in Ludwigshafen ist das pastorale Konzept bereits in Kraft gesetzt. Aus den acht restlichen Pfarreien gibt es entweder bislang keine Rückmeldung oder sie haben sich noch nicht mit dem Konzept beschäftigt.

Hilfestellung und Orientierung während des Prozesses gibt die Arbeitshilfe „Wir erstellen ein pastorales Konzept“, die die Entstehung eines solchen Papiers detailliert beschreibt. Darüber hinaus bietet die Diözese sämtlichen 70 Pfarreien eine Begleitung durch die Gemeindeberatung an. Laut Thomas Kiefer haben bislang 57 eine solche Unterstützung angenommen. Auch in den vier Projektpfarreien Homburg, Kaiserslautern, Queidersbach und Germersheim ist die Gemeindeberatung aktiv gewesen. Acht Pfarreien nehmen keine Hilfe in Anspruch; eine Pfarrei hat ihr pastorales Konzept bereits ohne Unterstützung fertiggestellt.

„Das pastorale Konzept ist im Hinblick auf die seelsorgliche Arbeit für die Menschen, die in der Pfarrei leben und sich engagieren, aber auch für die Diözese eine Stütze“, stellt Kiefer klar. Diese Ansicht teilen nach Einschätzung des Theologen etwa ein Drittel der Pfarreien. Für sie biete das pastorale Konzept die Chance, sich besser zu „sortieren und zu orientieren“. Ein Drittel beschäftige sich damit, weil es vorgeschrieben sei, entdecke aber auch, „dass es Gewinn abwirft“. Und ein weiteres Drittel könne sich mit dieser Art des Arbeitens nicht richtig anfreunden. „Sie gilt es, besonders zu begleiten und ihnen die Chancen aufzuzeigen. Etwa durch die Gemeindeberatung.“

 

Gemeindeberatung begleitet Prozess

Andreas Welte ist einer von elf Gemeindeberatern, die den Pfarreien – falls gewünscht – bei der Erstellung des pastoralen Konzeptes unter die Arme greifen. Er und seine Kollegen haben die Diözese aufgeteilt, und zwar in West und Ost. Welte kümmert sich mit einigen seiner Mitstreiter um das östliche Gebiet, zu dem unter anderem die Vorder- und Südpfalz gehören. Im Schnitt ist jeder Gemeindeberater Ansprechpartner für acht bis zehn Pfarreien. Dabei sind immer zwei Personen für eine Pfarrei zuständig.

Zu Beginn eines solchen Prozesses bestünden in den Pfarreien häufig Vorbehalte, da die Haupt- und Ehrenamtlichen sich ohnehin mit vielen Aufgaben konfrontiert sehen, weiß Welte. „Und nun sollen sie auch noch ihre pastoralen Schwerpunkte in ein Konzept fassen.“ Deshalb sei es zunächst einmal wichtig, für Veränderungen bereit zu sein. „Das bedeutet auch, Dinge aufzugeben, um Kapazitäten für etwas Neues frei zu haben“, stellt Welte klar. Allerdings hieße das nicht, das Alte zu verteufeln, sondern sich zu fragen, wo es Sinn mache, es zu bewahren und wo nicht. „Am Ende muss das pastorale Konzept vom Pfarreirat inhaltlich, spirituell und von Herzen getragen werden, sonst verschwindet es in der Schublande“, ist der 50-Jährige überzeugt. Dabei sei es notwendig, das Papier immer wieder den Realitäten anzupassen.

Was die Begleitung der Gemeindeberatung im Hinblick auf die Erstellung des pastoralen Konzeptes angeht, so erfolgt diese in mehreren Schritten. Zu Beginn gestalten die Berater einen Abend zum Thema und erläutern den Beteiligten, wie eine Begleitung aussehen kann. Danach folgt die Gründung eines Teams für die Pfarreianalyse. In einem ersten Treffen dieses Gremiums erläutern die Gemeindeberater das Prozedere einer solchen Erhebung und stellen geeignete Hilfsmittel wie etwa die Sinusstudie vor. Nach circa sechs Monaten folgt ein Klausurtag mit dem Pfarreirat, bei dem die Analyse vorgestellt und bewertet wird. Schließlich steht die Erstellung des Konzeptes an. Nach einem weiteren halben Jahr wird dem Pfarreirat der Rohentwurf des pastoralen Konzeptes präsentiert. „Während der Entwicklungsphase des Papiers haben die Beteiligten die Möglichkeit, sich bei einem weiteren Klausurtag zu vergewissern, ob der eingeschlagene Weg auch in spiritueller Hinsicht der richtige ist“, bekräftigt Andreas Welte. Schließlich erstellt der Pfarreirat gemeinsam mit dem Pastoralteam die Endfassung des Konzeptes. Letztmals ist die Gemeindeberatung beim Feedback-Gespräch zwischen den Verantwortlichen der Pfarrei und Vertretern der Hauptabteilung Seelsorge mit im Boot.

Andreas Welte kann immer wieder beobachten, dass während des Prozesses die einzelnen Mitglieder im Pfarreirat  in erster Linie auf ihre Heimatgemeinden schauen und deren Interessen im Blick haben. Das sei durchaus legitim. Dabei dürfe jedoch nicht das Ganze außer Acht gelassen werden. „Es ist ein Ringen um die beste Lösung für alle.“ Die Umsetzung des pastoralen Konzeptes in den Gemeinden sollte nach den Gegebenheiten vor Ort geschehen. Als Beispiel nennt Welte die Caritas. „Caritativ tätig zu sein, kann ganz unterschiedlich aussehen: von der Suppenküche über die Kleidersammlung bis zum Hausbesuch. Will heißen: Jede Gemeinde entscheidet, wie sie diesen von der Pfarrei festgelegten pastoralen Schwerpunkt dann konkret mit Leben füllt.“

Nach seiner Fertigstellung wandert das pastorale Konzept in die verschiedenen Hauptabteilungen des Bischöflichen Ordinariates, darunter in die Fachbereiche Finanzen, Immobilien, Seelsorge, Personal und Caritas. Von dort gelangt es, ergänzt mit Hinweisen und Anregungen von Seiten der Hauptabteilungen, ins Seelsorgeamt, wo sämtliche Anmerkungen gebündelt werden.

Eine Delegation mit Vertretern aus der Hauptabteilung Seelsorge trifft sich schließlich mit dem Pastoralteam und dem Pfarreirat, um mit ihnen über ihr Konzept in den Dialog zu treten. „Ein solches Gespräch ist wichtig, weil es weiterführende Erkenntnisse bringt, die dann ins Konzept einfließen“, nennt Thomas Kiefer die Vorteile. Danach erfolgt die Überarbeitung bevor es im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes in Kraft tritt.

 

Erstellung des Konzeptes bis 2019

Domkapitular Franz Vogelgesang, der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Ordinariat, ist bislang mit dem Verlauf des Prozesses im gesamten Bistum zufrieden. „Wir haben vereinbart, dass sich die Pfarreien mit der Fertigstellung des pastoralen Konzepts bis zur nächsten Pfarrgremienwahl im Herbst 2019 Zeit lassen können“, unterstreicht Vogelgesang. Denn die einzelnen Gemeinden müssten erst einmal Verständnis füreinander entwickeln und zusammenwachsen. Allerdings sei es gut, wenn sie sich bewusst machten, dass ihnen ein solches Konzept dabei helfe, als Seelsorgeeinheit zusammenzufinden und die pastorale Arbeit in den Blick zu nehmen.

In den Pfarreien, die sich bereits damit beschäftigen, habe es bei der Pfarreianalyse so manche Aha-Erlebnisse gegeben, sagt Vogelgesang, und verweist vor allem auf die Projektpfarreien, „denen oftmals nicht klar gewesen ist, was es auf ihrem Gebiet so alles gibt“.

Was die pastoralen Standards, die im Konzept von „Gemeindepastoral 2015“ festgeschrieben sind, betreffen, so zeigt Vogelgesang durchaus Verständnis, wenn diese nicht allesamt in kurzer Zeit umgesetzt werden können. „Allerdings müssen wir schauen, dass Standards auch Standards bleiben.“ Deshalb brauche es eine Begründung, „warum etwas jetzt so noch nicht geht“. Derzeit würden die Standards nicht abgefragt, um Druck zu vermeiden. Erst bei der Besprechung der Konzepte mit den Verantwortlichen und später bei der Visitation des Bischofs käme dieses Thema zur Sprache. Abgesegnet werde das pastorale Konzept letztendlich von Bischof Wiesemann.

 

Visitationen in den Pfarreien ab 2018

Das pastorale Konzept steht im Mittelpunkt bei den Visitationen von Bischof und Weihbischof in den Pfarreien, die im März 2018 starten. „Dabei werden Grundlage der Treffen der Bearbeitungsstand zum Zeitpunkt des Besuches sein“, unterstreicht Thomas Kiefer. Zwei Tage lang halten sich die Bischöfe in den jeweiligen Pfarreien auf, führen Einzelgespräche mit den Hauptamtlichen des Pastoralteams, tauschen sich mit dem Pfarreirat und den Gemeindeausschüssen aus und besuchen sowohl eine Kindertagesstätte als auch eine soziale Einrichtung. „Auf diese Weise können wir auch feststellen, wo noch Unterstützung notwendig ist“, erläutert Kiefer. Für die Visitationen wurde eigens eine neue Ordnung entwi-ckelt. Bischof und Weihbischof sind in den kommenden fünf Jahren jeweils für Pfarreien in fünf Dekanaten zuständig. Danach werden die Dekanate getauscht. Ziel ist die Weiterentwicklung der Pfarreien und der Diözese.

Von den Visitationen erhofft sich Thomas Kiefer, „dass die Beteiligten miteinander zielorientierte und gute Gespräche führen können, und dass sich die Menschen durch ihre Arbeit gewürdigt fühlen“. (pede)

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