Wochenkommentar

Donnerstag, 24. August 2017

Papst-Machtwort zur rechten Zeit

Das Leben darf nicht zur Verfügungsmasse werden

Es ist ein ungeheuerlicher Vorgang: Ein katholischer Orden, nämlich der belgische Zweig der Gemeinschaft „Brüder der Nächstenliebe“, erlaubt den Ärzten seiner 15 Einrichtungen jetzt aktive Sterbehilfe bei psychiatrischen Patienten. Nur mühsam „gemildert“ wird diese skandalöse Öffnung durch die Einschränkung, das gelte natürlich nur für die Fälle, in denen es „keine vernünftige alternative Behandlung“ gebe. Etwas überraschend, aber völlig zu Recht hat Papst Franziskus daraufhin den Orden aufgefordert, alle Angebote von Sterbehilfe zu unterlassen und schriftlich ein Bekenntnis zur katholischen Lehre abzulegen, nach der menschliches Leben vom Anfang bis zum Ende absolut geschützt werden müsse. Die Reaktion des früheren EU-Ratspräsidenten Hermann van Rompuy darauf lässt einen nur noch staunen, ja erschrecken: Die Zeiten eines päpstlichen Machtwortes („Roma locuta, causa finita“) seien vorbei, so van Rompuy.     

In Sachen aktive Sterbehilfe ist in Belgien offenbar fast nichts unmöglich. Die Gesetzgebung im Nachbarland lässt auf diesem Gebiet so viel zu wie in kaum einem anderen europäischen Land. Seit 2002 kann man aktive Sterbehilfe auch unter Berufung auf unerträgliche psychische Leiden in Anspruch nehmen. Dadurch ist in den Jahren zwischen 2002 und 2013 die Zahl derer, die auf eigenen Wunsch aus dem Leben scheiden wollten, um das 75-fache (!) angestiegen. Vor vier Jahren wurde darüber hinaus unheilbar kranken Kindern und Minderjährigen die Tötung auf Verlangen erlaubt – eine weitere unerträgliche Steigerung.

Dass jetzt sogar ein katholischer Orden dieser in Belgien weit verbreiteten Mentalität, das Leben als Verfügungsmasse zu betrachten, Vorschub leistet, setzt der Entwicklung die Krone auf. Eine Institution, die dafür eintreten sollte, dass das Leben ein Geschenk ist, gibt sich selbst auf, wenn sie – vermeintlich im Namen der Mitmenschlichkeit und der Selbstbestimmung – der Euthanasie weiter den Weg ebnet.  Dem muss die Kirche so entschieden wie möglich entgegenhalten, worin die wahre Menschenwürde besteht:  in der Hilfe beim und nicht zum Sterben. Wenn der Papst  deshalb in einer solch grundsätzlichen Frage ein Machtwort spricht, so ist das kein autoritärer Übergriff,  sondern seine moralische Pflicht. (Gerd Felder)

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