Wochenkommentar

Mittwoch, 22. Juli 2015

Positives Beispiel aus dem Norden

Gott ist auch im säkularen Deutschland keineswegs tot

Auch das gibt es also noch: Während die Kirchenaustrittszahlen bundesweit Rekordwerte erreichen und das Christentum überall auf dem Rückzug zu sein scheint, hat eine Volksinitiative, die sich für einen Gottesbezug in der Verfassung Schleswig-Holsteins einsetzt, 42000 Unterschriften gesammelt. Das ist umso bemerkenswerter, als eigentlich alles schon gelaufen war:  Das Parlament des nördlichsten Bundeslandes hatte es bereits im vergangenen Oktober mit Mehrheit abgelehnt, einen solchen Gottesbezug in die Landesverfassung aufzunehmen. Doch eine ganz große interreligiöse Koalition der beiden Kirchen zusammen mit dem Landesverband jüdischer Gemeinden und der Schura, dem islamischen Dachverband des Bundeslandes, hat jetzt mit großem Einsatz dafür gesorgt, dass diese Entscheidung noch gekippt werden kann.

Das positive Beispiel, das auf das ganze Bundesgebiet ausstrahlt, zeigt: Gott ist in Deutschland noch keineswegs tot. Wenn es wirklich um etwas Grundsätzliches geht, ist es auch im postmodernen, ach so säkularen Deutschland noch möglich, Menschen zu mobilisieren und mit ihnen auf Marktplätzen und in Fußgängerzonen ebenso ernst und respektvoll wie emotional über religiöse Überzeugungen zu debattieren.  Es macht eben doch einen großen Unterschied aus, ob ein Staat und ein Bundesland sich unter den Vorbehalt Gottes  stellen und damit sich selbst und das eigene Können und Tun relativieren oder ob Gott rigoros aus allem staatlichen und politischen Handeln ausgeschlossen wird.   

Was lehrt uns die schleswig-holsteinische Initiative, zu deren Initiatoren die beiden ehemaligen Ministerpräsidenten Björn Engholm (SPD) und Peter Harry Carstensen (CDU) gehörten und für die vom neuen Hamburger Erzbischof Stefan Heße tatkräftig geworben wurde? Wenn es wirklich um etwas geht, ja wenn etwas Wichtiges und vor allem Gott verloren zu gehen droht, lassen sich mehr vom und für den Glauben bewegen, als man oft annimmt. Allerdings muss das Engagement für den Gottesbezug intensiv weitergehen, denn noch ist nichts gewonnen: Lehnt das Parlament ihn ein zweites Mal ab, dann kommt es zum Volksentscheid, bei dem mindestens die Hälfte dafür stimmen müsste. Die eigentliche Bewährungsprobe steht also erst noch bevor. (Gerd Felder)   

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