Silbermöwe

Freitag, 19. August 2011

Priester im Dienst der Weltkirche

Der Pfälzer Pirmin Spiegel leistet „Basisarbeit“ in der Kirche Brasiliens

Pfarrer Pirmin Spiegel ist in Großfischlingen in der Pfalz aufgewachsen und studierte von 1979 bis 1984 Theologie und Philosophie, wirkte nach seiner Weihe als Priester in Kaiserslautern. Im Jahr 1990 ging er als Seelsorger in den Sertao, den Nordosten Brasiliens. Die von ihm mitbegründete Landwirtschaftsschule in Capinzal do Norte wurde zum Modell für viele weitere im Land. Sein Wirken in der Ausbildung von so genannten Laienmissionaren, insbesondere von 2000 bis 2003, fand breite Wertschätzung bei Laien, Priestern und Bischöfen. Anfang 2004 kehrte er ins Bistum Speyer zurück, wurde Seelsorger in der Pfarreiengemeinschaft Blieskastel-Lautzkirchen. Im Jahr 2010 baten die brasilianischen Bischöfe das Bistum Speyer, Pfarrer Spiegel erneut für einen Dienst in der Ausbildung von Laienmissionaren in dem südamerikanischen Land freizustellen. Foto: rn

Der Pfälzer Priester Pirmin Spiegel ist seit einem Jahr für eine Tätigkeit in Brasilien freigestellt. Hier hatte er bereits von 1990 bis 2004 gearbeitet. Vor wenigen Wochen konnte er im Rahmen eines Heimaturlaubs sein 25-jähriges Priesterjubiläum feiern. Der „pilger“ hat mit Pfarrer Spiegel über seine Arbeit und seine Motivation dazu gesprochen. Stütz- und  Ausgangspunkt für seine Tätigkeit, die mit Reisen im ganzen Land verbunden sind, ist São Luís im Nordosten Brasiliens und Hauptstadt des Bundeslandes Maranhao.

Im Freistellungs- und Sendungsschreiben seiner Heimatdiözese Speyer stehe als Aufgabe die „Ausbildung und Begleitung von Laienmissionaren für die Dauer von fünf Jahren“, erläutert Pfarrer Spiegel, dessen Rat auch beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat sehr geschätzt wird. Den Begriff „Mission“ hält er für „erklärungsbedürftig“. Es gehe da nicht um alte Vorstellungsmuster von kirchlicher Missionstätigkeit, die nach wie vor die öffentliche Meinung prägten und mit Beherrschung, Missbrauch und Zwang zu tun hätten. Auch nicht darum, dass sich die ganze Welt nach dem Modell westlicher Konsumgesellschaften zu entwickeln habe. Es gehe um keine Art von Bevormundung. Pirmin Spiegel: „Im Gegenteil, es ist von großer Bedeutung, ernst zu nehmen, was Menschen wertvoll und heilig ist. Es ist wichtig, sich ihrer Lebenswelt, Kultur, ihren realen Bedürfnissen und existentiellen Fragen und Nöten wertschätzend zu stellen. Es geht um die Dinge des konkreten Lebens.“ 

 

Lebensstil und Glaube

Und Pfarrer Spiegel fragt: „Können wir einen Beitrag leisten zum Aufatmen der Menschen? Soziale Ungleichheiten und zu wenig Aufmerksamkeit für unseren Planeten hängen zusammen und haben mit unserem Lebensstil und Glauben zu tun.“ Es gehe darum, Menschen dafür neugierig zu machen, ihre Potentiale und ihren Glauben innerhalb der Gemeinden und zugunsten des Lebens und der Schöpfung einzusetzen, ihre Möglichkeiten zu entdecken, zu teilen und mitzuteilen, um so zu einem lebendigeren Miteinander zu kommen, zu einem persönlichen und gesellschaftlichen Wachsen in der Nachfolge Jesu. „Diese Prozesse anzuregen und zu begleiten, ist Inhalt meiner Tätigkeit in Brasilien.“

 

Option für die Armen

Die „Option für die Armen“ ist für Pirmin Spiegel keine „Sache von ges­tern“. Er verweist auf das Schlussdokument von Aparecida, der fünften Generalversammlung der Bischöfe von Lateinamerika und der Karibik im Jahr 2007: „Alles, was mit Christus zu tun hat, hat mit den Armen zu tun, und alles, was mit den Armen zu tun hat, ruft nach Jesus Christus.“ Pfarrer Spiegel formuliert die Schlussfolgerung so und hat dabei auch die Kirchen des Nordens im Blick: „Wenn wir dieses Zitat aus dem Schlussdokument von Aparecida ergänzen und sagen: Alles, was nichts mit den Armen zu tun hat, hat auch nichts mit Jesus Christus zu tun, dann geht es dabei um die Verbindung von Gottes- und Nächstenliebe, wobei der Nächste im Gleichnis vom barmherzigen Samariter als der benannt wird, der unter die Räuber fiel. Dieses Nachdenken gibt einen wichtigen Beitrag zur Definition pastoraler Prioritäten; er gehört wohl zu den wichtigsten Impulsen der lateinamerikanischen Kirche und kann als Korrektiv einer jeden Pastoral gelten.“

 

Wie entsteht missionarische Kirche?

Ein „Kronzeuge“ für die Ausrichtung seiner Arbeit und Wichtigkeit der nicht ordinierten Dienste in und für die Kirche ist für Pirmin Spiegel der verstorbene Kardinal Aloisio Lorscheider. Er zitiert ihn: „Die künftige kirchliche Sorge und Richtung gilt einer dienstbereiten und missionarischen Kirche. Zentrale Bedeutung werden Laien haben, die an der Basis leben, im täglichen Kontakt mit Menschen sind und an diesen Orten prägend wirken.“ Die Ausbildung und Begleitung solcher Laienmissionare sei Inhalt seiner Arbeit, so der Pfälzer Priester.

 

Christus in den Armen dienen

Das Schlussdokument von Aperecida ist für Pirmin Spiegel eine wichtige Quelle, auch wenn es darum geht, den Begriff „missionarisch“ im Lichte der Gegenwart zu definieren: Missionarisch heißt dabei: Ihr sollt meine Zeugen sein – eine andere mögliche Welt anzukünden und zu bezeugen, die weder geprägt ist vom Konsumieren noch vom Anhäufen. Der Missionar, die Missionarin versteht sich als Jünger und Jüngerin Jesu Christi, gesendet mittels der kirchlichen Gemeinschaft, um o.g. Liebe zu bezeugen, um das Gottesreich anzukündigen und sich einzusetzen für das gemeinsame Wohl und die Würde des Menschseins. Dabei betrachtet der Jünger und Missionar „in den Leidensantlitzen unserer Geschwister das Antlitz Chris­ti, der uns auffordert, ihm in ihnen zu dienen“. 

 

Inmitten der Menschen

Was bedeutet das für die konkrete Arbeit von Pfarrer Spiegel? „Von diesem sozialen Ort her laden Volksmissionen zu einer Umkehr und Veränderung ein. Sie ereignen sich inmitten der Menschen und gehen von deren legitimen Hoffnungen, Sehnsüchten und Lebenskämpfen aus, immer orientiert an der Mission und Verkündigung Jesu. So laden die Volksmissionen zu einem engagierten und bewussten Leben ein in der Nachfolge Jesu. Sie erarbeiten unter großer Teilnahme Ziele und Prioritäten, die immer mit der persönlichen Sinn- und Lebensoption, mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit, den kirchlichen Gemeinden und der Schöpfung zu tun haben.“

Manche der älteren Katholiken erinnern sich noch an die „Volksmissionen“ in vergangenen Jahrzehnten. In Brasilien spielen diese zumindest von der Begrifflichkeit her im Kontext „Missionarisch Kirche sein“ eine wichtige Rolle. 

 

Erfahrungen aus dem Mato Grosso

Pfarrer Spiegel erläutert, den Ansatz so: „In den vergangenen Jahren hat sich eine Methodologie entwickelt, die hilft, Wege einzuschlagen, um in großen Versammlungen und in einem Klima großer Aufmerksamkeit, die gewünschten Ziele in Angriff zu nehmen.“ Er erinnert an die Adveniat-Aktion, die im November 2010 in Speyer eröffnet wurde, und unter dem Leitwort stand „Ihr werdet meine Zeugen sein“. Sie habe das Engagement der Laien ins Zentrum gestellt. „Das ist eng verbunden mit der Arbeit der Volksmissionen.“

Zum Beispiel die Prälatur São Félix do Araguaia, im Bundesstaat Mato Grosso. Hier hat Pfarrer Spiegel die jährliche Diözesanversammlung begleitet. Die Prälatur grenzt an das Amazonasgebiet, ist 150000 Quadratkilometer groß (60 Mal größer als das Saarland) und hat weniger als 150000 Menschen, die dort leben. Die Regenzeit macht in jedem Jahr die Wege und Straßen schwer passierbar. 

 

Prophetische Kirche

Die Prälatur im Mato Grosso stehe für eine prophetische Kirche mit einer klaren Option für die Armen. Ihr Einsatz strahle weit über Brasilien hinaus, so Pirmin Spiegel. „Sie vereint Einsatz und Mystik, Leben und Glaube, Freu­de und Martyrium, die Radikalität des Kreuzes mit einer Solidarität und Barmherzigkeit. Viele gaben ihr Leben und ihren Tod zugunsten des Lebens und einer größeren Liebe. Die Kirche in São Félix do Araguaia lebt das Lob des ‚Vater Unsers‘ und gleichzeitig die Forderung des ‚unseres Brotes‘ zum täglichen Leben. 

Das gemeinsam erarbeitete Ziel in der Diözesanversammlung zeige die Richtung der Pastoral in der Prälatur an: „Das Evangelium verkünden und leben, mit Freude, Einfachheit und Leidenschaft, als Propheten und Zeugen des Gottesreiches.“  

 

Weiterhin ein Herzensanliegen

Die von ihm mitbegründete Familien-Landwirtschaftsschule in Capinzal do Norte ist für Pirmin Spiegel immer noch „Herzenssache“. „Und gerade deswegen muss sie personell und finanziell (von Deutschland) unabhängiger werden. Diese Herausforderung gilt allen 20 Familien-Landwirtschaftsschulen im Bundesstaat Maranhão“, betont der Pfälzer Priester. Als die ersten dieser Schulen vor etwa 20 Jahren gegründet wurden, war die wirtschaftliche, politische und soziale ‚Welt‘ eine andere. Jetzt steht nach 20 Jahren erfolgreicher und wertvoller Arbeit eine grundsätzliche Auswertung an. (Norbert Rönn)

Hinweis: Wer die Arbeit von Pfarrer Spiegel unterstützen möchte, kann dies über die 
Aktion Silbermöwe
Kontonr.
 36340
bei der LIGA-Bank, Filiale Speyer
Bankleitzahl 75090300

unter dem Stichwort: „Pirmin Spiegel, Brasilien
tun. 

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Norbert Rönn
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