Kirche und Welt

Mittwoch, 04. März 2020

Reformfreudiger Vermittler

Die Deutsche Bischofskonferenz wählt Georg Bätzing zu ihrem neuen Vorsitzenden

Zwei, die sich schätzen: der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und sein Vorgänger Kardinal Reinhard Marx. (Foto: kna)

Er will die auseinanderdriftenden Flügel wieder stärker ins Gespräch bringen: Der Limburger Bischof Georg Bätzing kann zuhören und vermitteln. Das hat er in seinem Bistum Limburg bewiesen.

Während vor den Türen des Sitzungssaales die Journalisten rätseln, wer neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz wird und Eilmeldungen die Personalie vorab vermelden, läuft der Stabwechsel im Saal völlig unspektakulär ab: „Man nimmt seine Tasche, der Kardinal ist einen Stuhl weiter nach rechts gerückt, der Vorsitzende nimmt Platz und versucht, die Tagesordnung in der Sitzung weiter zu verfolgen.“ So beschreibt es der Limburger Bischof Georg Bätzing, den die Bischöfe am Dienstag bei ihrer Frühjahrstagung in Mainz als Nachfolger von Kardinal Reinhard Marx an ihre Spitze wählten. Bei seinem ersten Auftritt bemühte sich der 58-Jährige, nicht seine Person, sondern die Themen der Konferenz in den Mittelpunkt zu rücken. Als Erstes nannte er die Aufarbeitung des Missbrauchs und die Konsequenzen aus der sogenannten MHG-Studie. Dann bekannte sich Bätzing eindeutig zum Synodalen Weg. „Dafür stehe ich ganz und gar.“ Der Reformprozess sei ein „Einüben eines Miteinanders von Laien und Bischöfen in der deutschen Kirche“. Ziel sei, große Fragen zu klären, damit „das Evangelium in die Breite unserer Gesellschaft hineingetragen werden kann und in einer neuen Weise Kraft entfaltet.“ Bätzing betonte die Rolle der Ökumene – in seinem Bistum, in Frankfurt, wird 2021 der nächste Ökumenische Kirchentag ausgetragen. „Ich bin überzeugt, dass wir als Christinnen und Christen nur gemeinsam, nur konfessionsübergreifend eine Wirkung haben.“ Innerhalb der Bischofskonferenz will der neue Vorsitzende versuchen, die auseinanderdriftenden Flügel wieder stärker ins Gespräch zu bringen. Bätzing räumte ein, „dass es oft an der Möglichkeit des Gesprächs untereinander mit verschiedenen Meinungen und Lagern fehlt. Das wird unsere große Aufgabe sein.“

Bätzing wirkt uneitel, freundlich und zugewandt

Mit dem Limburger Bischof haben sich die Bischöfe inhaltlich für Kontinuität entschieden. Der Stil dürfte sich aber ändern. Bätzing ist ruhiger als Marx, hört zu, vermittelt. Im persönlichen Gespräch wirkt er uneitel, freundlich und zugewandt. So hat er es geschafft, nach der Krise um seinen Vorgänger Bischof Tebartz-van Elst sein Bistum wieder zu befrieden. Passend dazu sein bischöflicher Wahlspruch: „Führe zusammen“, aus einem Pilgergebet zur Heilig-Rock-Wallfahrt aus Bätzings Heimatbistum Trier. An verschiedenen Stellen hat er sich für Reformen ausgesprochen, etwa für eine Lockerung der Zölibatspflicht. Auch zeigt er sich in der Diskussion um die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern gesprächsbereit. Als Kardinal der Weltkirche, Mitglied im Kardinalsrat des Papstes und Erzbischof eines der größten deutschen Bistümer bleibt Bätzings Vorgänger Reinhard Marx auch nach seinem Rückzug von der Spitze der Bischofskonferenz ein wichtiger Akteur auf der kirchlichen Bühne. Er werde sich weiter einbringen, sei auch bereit, seinen Einfluss in Rom geltend zu machen, wenn Vermittlung benötigt werde, kündigte dieser in Mainz an. Mag sein, dass der wortgewaltige Marx frei von den Zwängen des Amtes als Vorsitzender der Bischofskonferenz sich künftig vielleicht noch deutlicher in Debatten einmischen wird. Etwa im Synodalen Weg – wenn dann neben dem Kölner Kardinal Woelki auch der Münchner Kardinal Marx als einfaches Mitglied in der Vollversammlung sitzt.

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