Wochenkommentar

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Sale und Deal und der Advent

Für Weihnachten spielt die Sprache keine Rolle

Warum lesen wir in den Schaufenstern oft „Sale“? Aus dem Englischen wörtlich übersetzt heißt das „Verkauf“, auch „Ausverkauf“. Gemeint ist bei uns wohl eher „Angebot“ oder „Sonderangebot“. Aber warum wird das „nicht so genannt? Warum lesen und hören wir „Deal“, wenn – nach dem Englischen – „Geschäft“, „Vertrag“ oder „Abkommen“ gemeint ist?
Das sind nur wenige Beispiele aus dem immer größer werdenden Angebot der „Verenglischung“ unserer Sprache, vor allem in der Werbung. Die Werbe-Leute scheinen zu meinen, die möglichen Käufer fühlten sich geehrt, wenn sie weltmännisch in englischer Sprache umworben werden. Oder: Können diese Werber nicht mehr richtig Deutsch? Oder: Beherrschen heutzutage etwa tatsächlich alle Käuferinnen und Käufer in Deutschland Englisch? Sollte Deutschland Spitze sein in Englisch, aber nicht in der eigenen Sprache, der so genannten Muttersprache – was nicht wenige Bewerbungsschreiben befürchten lassen?
Nichts gegen Fremdwörter – wenn sie hilfreich sind und verstanden werden. Es geht nicht um „Deutsch-Tümelei“. Aber müssen wir deshalb unsere schöne Sprache vernachlässigen und in dieser Weise verenglischen?
Vielleicht fällt die verenglischte Werbe-Sprache in der Adventszeit besonders unangenehm auf, weil dann die Werbung noch lauter ist als sonst. Denn die Bedeutung der Weihnachtszeit wird heutzutage von vielen an Umsatzzahlen und am wirtschaftlichen Gewinn gemessen. Das Wort „Christmas-shopping“ ist in diesem Zusammenhang verräterisch. Weihnachten? Da war – und ist – doch etwas ganz anderes gemeint. Oder nicht mehr? Für das, was Weihnachten meint, spielt die Sprache jedenfalls keine Rolle. Zum Glück.

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