Im Gespräch

Mittwoch, 27. Januar 2016

Schweden statt Deutschland?

Franziskus setzt Schwerpunkt zum Reformationsgedenken in Lund

Historischer Ort – der Dom von Lund in Schweden. Foto: Piter1977/iStock

Viele Christen in Deutschland hoffen auf einen Besuch des Papstes 2017. Anlass: der 500. Jahrestag der Reformation. Die überraschende Ankündigung eines ökumenischen Besuchs in Schweden könnte dafür ein Dämpfer sein.

Papst Franziskus reist zum 31. Oktober ins schwedische Lund. Was lange nur ein Gerücht war, wurde am 25. Januar vom Vatikan und dem Lutherischen Weltbund (LWB) in Rom gemeinsam bestätigt. Denn der Papstbesuch gilt in diesem Fall weniger dem katholischen Erzbistum Stockholm. Im Mittelpunkt stehen vielmehr der Lutherische Weltbund, der bald den 70. Jahrestag seiner in Lund vollzogenen Gründung 1947 begeht, sowie die gemeinsame Feier des Reformationsgedenkens mit den Lutheranern.

Franziskus, der amtierende LWB-Präsident Bischof Munib Younan sowie Generalsekretär Martin Junge feiern in der nur 800 Plätze fassenden Domkirche von Lund gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst, der sich nach der kürzlich vorgestellten ökumenischen „Common Prayer“-Liturgie richten wird. Zudem soll dort eine gemeinsame Konferenz katholischer und lutherischer Kirchenleiter stattfinden.

Unklar ist, ob es daneben auch eine katholische Papstmesse in Schweden geben wird: Schwedische Medien spekulierten, ob die nahe der Kleinstadt Lund gelegene Millionenstadt Malmö dafür infrage käme. Auch der LWB plant wegen der beengten Platzverhältnisse in Lund hier eine größere Feierlichkeit.

„Wir arbeiten noch am Programm“, sagte Kaisamari Hintikka, Vize-Generalsekretärin für ökumenische Beziehungen des LWB, am 25. Januar der Katholischen Nachrichten-Agentur. Dem LWB sei wichtig, dass die Reformation im Lauf ihrer Geschichte zu einer „Weltbürgerin“ geworden sei. „Auch wenn Wittenberg weiter eine wichtige Rolle spielt, ist die Reformation mittlerweile um die Welt gereist.“ Daher lege der LBW einen Schwerpunkt der Feierlichkeiten auf Lund sowie auf Windhuk in Namibia, wo 2017 unter dem Motto „Befreit durch Gottes Gnade“ die Generalversammlung des LWB stattfinden soll.

Der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, Kurienkardinal Kurt Koch, sagte, es werde in Lund nicht darum gehen, „in einer pragmatischen Weise“ zu gedenken, sondern „in einem tiefen Sinn des Glaubens an den gekreuzigten und auferstandenen Christus“. Möglich sei dies, weil sich Lutheraner und Katholiken auf die Frage nach Gott und einen „christozentrischen Zugang“ konzentrierten.

LWB-Generalsekretär Junge erklärte, der Weltbund nähere sich dem Gedenken an die Reformation im „Geiste der ökumenischen Zuverlässigkeit“ an. Er sei überzeugt, dass die gemeinsame Arbeit für eine Versöhnung zwischen Lutheranern und Katholiken zugleich Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung in der Welt fördere.

Die schwedische Erzbischöfin Antje Jackelen, die ursprünglich aus Westfalen stammt und von 2007 bis 2014 selbst Bischöfin von Lund war, nannte den Papstbesuch einen Fortschritt in der kirchlichen Arbeit. „In einer Zeit großer globaler Herausforderungen haben wir einen gemeinsamen Auftrag, das Evangelium in Wort und Tat zu verkünden.“ Der katholische Bischof von Stockholm, Anders Arborelius, brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass das Treffen dem gemeinsamen Zeugnis der Christen in der säkularisierten Welt diene.

Für den deutschen Kontext stellt der Besuch des Papstes indes eine deutliche Schwerpunktverlagerung bei der Vorbereitung des Reformationsgedenkens dar. Die in Lund gefeierte Liturgie dürfte nun konstitutiv für die Ausgestaltung ökumenischer Gottesdienste im Jubiläumsjahr 2017 werden.

Der deutsche LWB-Vizepräsident Frank Otfried July sprach von einem „wegweisenden Zeichen“ des Papstes. Er betonte, mit dem vom LWB und dem päpstlichen Einheitsrat vorgelegten Gottesdienstmaterial solle „an jedem Ort der Welt ein solcher Gottesdienst wie in Lund gefeiert werden – ob parallel am 31. Oktober 2016 oder an einem anderen Tag“.

Der VELKD-Catholica-Beauftragte Karl-Hinrich Manzke erklärte, der Besuch unterstreiche, „dass die evangelisch-katholische Ökumene ein Herzensanliegen für Papst Franziskus ist“. Die Begegnung mit dem Lutherischen Weltbund werde „Energie bringen für die weitere ökumenische Annäherung  über 2017 hinaus“.     (Benjamin Lassiwe)

 

Stichwort: Lutherischer Weltbund

Der Lutherische Weltbund (LWB) repräsentiert mit rund 72 Millionen Menschen nach Katholiken und Orthodoxen die drittgrößte christliche Gruppierung. Dem 1947 im schwedischen Lund gegründeten LWB gehören derzeit 145 Kirchen in 98 Ländern an. Neben dem Zusammenschluss der lutherischen Kirchen gibt es den Weltbund der reformierten Kirchen, die sich auf  Calvin und Zwingli berufen.
Seine Zentrale hat der LWB in Genf, wo auch der Ökumenische Rat der Kirchen sitzt. Präsident ist seit 2010 der jordanische Bischof Munib Younan (65), Generalsekretär der in Chile geborene lutherische Pfarrer Martin Junge (55). Oberstes Entscheidungsgremium des LWB ist die Vollversammlung, die meist alle sechs Jahre stattfindet. Zwischen den Vollversammlungen leitet ein Rat den LWB.

Die Lutheraner sehen die Heilige Schrift als alleinige Quelle und Norm an. Der vom Reformator Martin Luther verfasste Katechismus gilt als zutreffende Auslegung des Wortes Gottes. Seit der Vollversammlung 1990 im brasilianischen Curitiba definiert sich der LWB als Gemeinschaft von Kirchen, die sich zum dreieinigen Gott bekennen, die in der Verkündigung des Wortes Gottes übereinstimmen und in Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verbunden sind.

Seit 1967 besteht ein theologischer Dialog zwischen römisch-katholischer Kirche und LWB. 2013 verabschiedete die „Internationale Lutherisch/Römisch-katholische Kommission für die Einheit“ ein Dokument mit dem Titel „Vom Konflikt zur Gemeinschaft – Gemeinsames lutherisch-katholisches Reformationsgedenken im Jahr 2017“.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren