Kirche und Welt

Donnerstag, 24. September 2015

Schwierige Reise: Papst auf Kuba und in den USA

Opposition Kubas beklagt, dass es kein Treffen mit dem Kirchenoberhaupt gab

Papst Franziskus wurde in Kuba von viel Beifall begleitet – hier auf dem Platz der Revolution in Havanna. Foto: actionpress

Das offizielle Kuba jubelt, das inoffizielle ist bitter enttäuscht: Nach dem viertägigen Besuch von Papst Franziskus könnte die Stimmungslage auf der kommunistisch regierten Karibikinsel kaum unterschiedlicher sein. (Nach Redaktionsschluss reiste Papst Franziskus in die USA weiter; Berichterstattung folgt.)

Es ist eine Stellungnahme, wie sie vor vier Tagen in dieser Form noch undenkbar schien. Kubas christliche Oppositionspartei MCL geht nicht nur auf Distanz zu Papst Franziskus; sie nimmt ihn mit in die Verantwortung für die Sicherheit von Regimekritiker. Der Papst müsse all jene schützen und umarmen, die in Kuba verfolgt, verprügelt, beleidigt und verhaftet würden, weil sie für Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit aller Kubaner einständen, heißt es in einer am 21. September verbreiteten Erklärung.

Und die überwiegend katholischen MCL-Funktionäre, die sich bislang mit Franziskus in einem Boot wähnten, griffen auch das derzeit zentrale Wort des Papstes auf: Versöhnung. Diese sei aber nur mit Reue, Gerechtigkeit und Befreiung möglich. Zu einem Dialog müssten alle Seiten bereit sein; dazu stehe die MCL zur Verfügung.

Wer die christlich-katholischen Wurzeln der Oppositionspartei berücksichtigt, liest zwischen den Zeilen Frust und Enttäuschung. Warum es zu keinem Treffen zwischen der Opposition und dem Papst gekommen ist, darüber wird nun kräftig spekuliert. Vatikansprecher Frederico Lombardi wiederholte immer wieder, eine solche persönliche Zusammenkunft sei gar nicht vorgesehen gewesen. Stattdessen habe es allgemeine Einladungen für Vertreter der Opposition gegeben.

Kubas Durchschnittsbürger haben davon nicht viel mitbekommen. Die Staatsmedien berichten linientreu – die Opposition und alle Aufregung um sie wird komplett ausgeblendet. „Ein Besuch, der für immer in Erinnerung bleiben wird“, schreibt das Parteiorgan „Granma“. Gottesdienstbesucher und Passanten äußern sich positiv: „Der Papst kommt als Freund Kubas. Er steht auf unserer Seite“, sagte eine Kubanerin mit Tränen in den Augen und einem Che-Guevara-T-Shirt – und sie meint damit Kubas Kampf für ein Ende des US-Handelsembargos.

Auf den Straßen begegneten die Kubaner Franziskus höflich und freundlich, aber nicht so euphorisch begeistert wie bei seiner jüngsten Südamerika-Reise nach Ecuador, Bolivien und Paraguay. Es war eher ein Abtasten, ein Beschnuppern und ein aufmerksames Zuhören, vor allem wenn der Papst frei sprach und vom Redemanuskript abwich. Die international bekannte kubanische Bloggerin Yoani Sanchez gehörte zu jenen Regierungskritikern, die genau hinhörten und die Zwischentöne aufmerksam verfolgten. Deshalb fiel ihr Urteil auch nicht so enttäuscht aus wie das der Hardliner unter den Kritikern. Sie twitterte vielsagend: „Dialog – wenn sie uns denn lassen.“

In den Geschichtsbüchern werden Bilder bleiben: die Fotos vom Treffen mit Raul und Fidel Castro; der argentinische Papst unter dem riesigen Abbild des argentinischen Revolutionärs Che Guevara. Und ein frommer Wunsch des Papstes, den er der heiligen Jungfrau von Cobre anvertraute: dass sie das kubanische Volk eine. Wie sehr dieses Volk gespalten ist, das hat Franziskus nun aus erster Hand bei seinem ersten persönlichen Besuch selbst erfahren. Auch er wird diese Reise sicher nicht vergessen. (Tobias Käufer – kna)

Medien stelllen heraus: „Papst will Versöhnung“  

Zum Abschluss der Kuba-Reise von Papst Franziskus versuchen sich die Medien in Lateinamerika an einer ersten Analyse der historischen Visite auf der Karibikinsel. Kubas offizielles Parteiorgan „Granma“ schreibt: „Eine Reise, um sich immer an sie zu erinnern.“ In den nichtstaatlichen kubakritischen Blogs liegt der Tenor auf dem Versöhnungsaufruf des Papstes für die kubanische Gesellschaft: „Franziskus bittet die Jungfrau, dass sie das kubanische Volk eine“, heißt es im Portal „14ymedio“. In Mexiko schreibt „La Jornada“: „Der Papst betet für die Versöhnung des kubanischen Volkes und erinnert gleichzeitig an die vielen Millionen Flüchtlinge. Das ist gut so“, unterstreicht die Zeitung. (red)

Siehe hierzu auch den Beitrag unter: Wochenkommentar

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