Wochenkommentar

Mittwoch, 25. Juli 2018

Sozialer Sprengstoff

Bei Wohnungsbaupolitik wurde ein wichtiges Thema verschlafen

Es ist ein Thema, das viele Jahre lang skandalös wenig beachtet worden ist: Die Frage, wie wir wohnen können und wollen, ist zu dem sozialen Sprengstoff schlechthin geworden. Die Immobilienpreise und Mieten in Großstädten und Ballungszentren explodieren, preiswerte Wohnungen werden landauf – landab zum ganz raren Gut. Bundesweit sind die inserierten Kaufpreise seit 2004 für neue Eigentumswohnungen um sage und schreibe 52,7 Prozent gestiegen, in den kreisfreien Städten sogar um 73,2 Prozent. Manche eiskalte Geschäftemacher und skrupellose Großinvestoren verdienen sich mit fragwürdigen Methoden auf dem Immobilienmarkt eine goldene Nase.

Die steigende Zuwanderung in den letzten Jahren ist nicht die Ursache für diese Entwicklung, hat sie aber drastisch vor Augen geführt. So haben etwa größere Familien mit schmalem Geldbeutel, egal welcher Herkunft, fast keine Chancen, bezahlbare Wohnungen zu finden. Eine völlig verfehlte Wohnungsbaupolitik im Bund, im Land und in den Städten hat zu einer dramatischen Verknappung am Markt geführt. Außerdem zeigen übertriebene Grundsteuern, hohe Gebühren und unverhältnismäßige Betriebskosten, dass Bund, Länder und Gemeinden der Versuchung nicht widerstehen können, Bauherren und Mietern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dass die Nebenkosten oft noch viel stärker steigen als die Netto-Mieten, findet viel zu wenig Beachtung.

Eine Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Der Trend dürfte sich, vor allem in Metropolen wie Berlin, München, Hamburg, Köln oder Düsseldorf, noch verschärfen. Der Traum vom Eigenheim oder der halbwegs akzeptablen Mietwohnung droht für viele unerfüllbar zu bleiben. Die deprimierende Erkenntnis lautet: Momentan können gar nicht so viele Wohnungen gebaut werden wie eigentlich nötig wären. Auch die Kirche ist, da häufig Eigentümer von Land und Immobilien, gefordert. Gerade sie muss sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein, sobald sie als Vermieter oder Bauherr auftritt. Fazit: Wenn sich die Lage insgesamt ein wenig entschärfen soll, muss der ländliche Raum künftig wieder attraktiver, und beim Bauen müssen die bürokratischen Hürden gesenkt werden. Sozialer Wohnungsbau in möglichst großem Stil ist wichtiger denn je. (Gerd Felder)      

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren