Kultur

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Späte Ehrung für den österreichischen Kaiser Karl I.

Bernhard Adamy schreibt Kaiserhymne über den Monarchen – Uraufführung am 20. Oktober

Dr. Bernhard Adamy, Verfasser der Kaiserhymne, vor der Kulisse des Speyerer Doms. Foto: Kraus

Wer war der selige Karl? Allzu bekannt ist er nicht. Auch die Erklärung „Karl I. war der letzte österreichische Kaiser und König von Ungarn“, hilft manchen nicht viel weiter.

Dr. Bernhard Adamy, Germanist, Historiker, Autor und Lyriker gibt zu, anfangs auch nicht allzu viel über Kaiser Karl  gewusst zu haben. Doch das hat sich geändert. Adamy, der in Speyer und Maintal lebt, ist Oblate des Benediktinerstifts Göttweig in der Wachau in Österreich. Von dem befreundeten Pater Dr. Ildefons Fux wurde er gefragt, ob er sich vorstellen könne, eine Kaiser-Hymne über Karl I. zu schreiben. „Ich habe zwar viele Gedichte, aber noch nie eine politische Hymne geschrieben. Aber ich habe mich darauf eingelassen“, erzählt Adamy.

Kaiserhymnen, auch Volkshymnen genannt, gibt es in Österreich seit 1797, erklärt Adamy.  Die erste Hymne hat Lorenz Leopold Haschka geschrieben. Joseph Haydn hat dazu die Melodie komponiert. Sie ist heute noch wohlbekannt, denn auf sie wird die deutsche Nationalhymne gesungen. Die erste Kaiserhymne wurde zu Ehren von Kaiser Franz II. geschrieben. Sie beginnt mit den Worten: „Gott erhalte Franz, den Kaiser, unsern guten Kaiser Franz!“. Sie wurde am 12. Februar 1797 anlässlich des Geburtstages des Kaisers in allen Wiener Theatern aufgeführt. Auch für seine Nachfolger Kaiser Ferdinand (1835 bis 1848) und Kaiser Franz Joseph (1848 bis 1916), wurde auf dieselbe Melodie je eine Kaiserhymne geschrieben. Nur für Karl hat das nie jemand getan – bis Bernhard Adamy sich seiner annahm.

„Seine Regentschaft war wohl viel zu kurz“, mutmaßt Adamy. 1916, mitten in den Wirren des Ersten Weltkrieges, folgte er seinem Großonkel Kaiser Franz-Joseph auf den Thron. Dieser hatte 68 Jahre lang das Zepter in der Hand gehabt. Karl ist nie zum Kaiser von Österreich gekrönt worden, lediglich zum König von Ungarn. „Er war Kaiser de jure, aber eben ohne Krönungszeremonie“, erklärt Adamy. Seine Regentschaftblieb glücklos. Er setzte sich immer wieder für den Frieden ein, scheiterte aber, weil er mit aller Kraft an der Monarchie festhielt. Er war gegen den Nationalismus und weigerte sich abzudanken. Am 11. November 1918 wurde er gezwungen, auf „jeden Anteil an den Staatsgeschäften“ zu verzichten, und Österreich wurde eine Republik. Karl wanderte mit seiner Familie in die Schweiz aus. 1921 versuchte er, die Monarchie in Ungarn zu restaurieren und wurde daraufhin von den Aliierten nach Madeira verbannt, wo er im Alter von 34 Jahren an einer Lungenentzündung starb.

Bald nach seinem Tod regten der Bischof von Madeira und der spätere österreichische Bundespräsident Wilhelm Miklas den Seligsprechungsprozess für den „frommen Mann“ und „Märtyrerkaiser für den Frieden seiner Völker“ an. Am 3. Oktober 2004 wurde Kaiser Karl von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Sein Gedenktag ist der 21. Oktober, der Tag, an dem er seine Frau Zita heiratete. „Dadurch wuchs das Interesse an seiner Person wieder“, erklärt Adamy. Österreichische Traditionsverbände gedachten seiner, vor einigen Jahren wurde eine Festmesse im Wiener Stephansdom gefeiert.

Nun, am 20. Oktober, rund 100 Jahre nach Karls Entmachtung und am Vorabend des Gedenktages für den seligen Karl, findet wieder eine Festmesse statt, bei der die neue Kaiserhymne aus Adamys Feder uraufgeführt werden soll. Entstanden ist sie auf seinen ausgedehnten Spaziergängen durch den Pfälzer Wald. Sie enthält sogar eine Strophe in der der Speyerer Dom vorkommt. „Dort ruht Rudolf von Habsburg, der erste Deutsche König des Heiligen Römischen Reiches und großer Ahnherr des Hauses Habsburg, der 1291 in Speyer gestorben ist“, erklärt Adamy und spannt den Bogen zu Karl, dem letzten Kaiser aus dem Geschlecht der Habsburger. (chr.kr)

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