Aus dem Bistum

Mittwoch, 20. September 2017

St. Ulrich ist kein Gotteshaus mehr

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann profanierte frühere Kirche in Haßloch

Zahlreiche Gläubige nahmen Abschied von ihrer einsturzgefährdeten Kirche. Gottesdienste finden im Gemeindesaal statt. Foto: Wittkampf/Privat

„Es gibt sicherlich schönere Anlässe für einen Bischof.“ Diese Aussage des Speyerer Oberhirten schwebte gleichsam über der gesamten Zeremonie anlässlich der Profanierung der Kirche St. Ulrich in Haßloch am 16. September. Zahlreiche Gläubige waren gekommen, um von ihrem vertrauten Gotteshaus Abschied zu nehmen. St. Ulrich, im Jahr 1957 erbaut und 1958 von Bischof Isidor Markus Emanuel geweiht, ist seit drei Jahren geschlossen, da herabstürzende Deckenteile die Nutzung als Gottesdienstraum unmöglich gemacht hatten.

Eine Sanierung, auch im Zusammenhang mit weiteren Erneuerungsmaßnahmen, hätte Kosten von mindestens 1,5 Millionen Euro verursacht, eine Ausgabe, welche die Verantwortlichen in Haßloch wie in Speyer nicht tätigen wollten.

Die Außerdienststellung des sakralen Gebäudes konnte also gar nicht im Innenraum der Kirche stattfinden, da absolutes Betretungsverbot herrscht. So versammelte sich die „Trauergemeinde“ denn auf dem Vorplatz, wo Michael Kopf, der Pfarreiratsvorsitzende, die Ereignisse in und um St. Ulrich in den letzten Jahren noch einmal Revue passieren ließ und dabei betonte, dass es sich die Räte wahrlich nicht leichtgemacht hätten bei dieser Entscheidung.

Pfarrer Thomas Pfundstein, der Auszüge aus dem entsprechenden Bischofsdekret verlas, war es ein besonderes Anliegen, denjenigen zu danken, die sich in all den zurückliegenden Jahren mit hohem Engagement für St. Ulrich eingesetzt haben. Gleichzeitig richtete er den Blick in die Zukunft und erinnerte an den Salomon-Tempel in Jerusalem, der mehrfach zerstört wurde. „Aber Gott war nicht an das Gebäude gebunden“, so der Pfarrer.

Ein Blechbläserensemble begleitete die Gemeinde anschließend auf ihrem Gang zum benachbarten Pfarrheim, wobei Lektionar und Hostienschale aus der jetzt geschlossenen Kirche mitgeführt wurden. Das Gemeindehaus verfügt über einen großen, unterteilbaren Saal, der für den jetzigen Anlass mit den nahezu 200 Gläubigen ausreichend Sitzplätze bot. Hier feierte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann in Konzelebration mit Pfarrer Thomas Pfundstein und unterstützt von Diakon Hartmut von Ehr die heilige Messe. Nach der Predigt, in der sich der Bischof  seinerseits herzlich bedankte für die vielen guten Gaben, die zahlreiche einfache Menschen in den Anfangsjahren für die Pfarrei St. Ulrich beigesteuert hätten, segnete er den Altar und verlieh somit „offiziell“ dem Gemeindesaal den Charakter eines Gottesdienstraumes.

Was passiert nun aber mit dem geschlossenen Kirchenbau? Auf diese Frage antwortete Pfarrer Pfundstein: „Wir wissen es nicht. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, darf also nicht wesentlich verändert, geschweige denn abgerissen werden. Ein Verkauf ist also schwierig. Ich werde im Oktober nochmals mit dem Haßlocher Bürgermeister sprechen; aber vorläufig heißt es erst einmal abzuwarten.“ Pfundstein ist es besonders wichtig, dass mit dem Gemeindesaal ein funktioneller Gottesdienstraum zur Verfügung steht, der auch angenommen wird. Die Hauptkirche St. Gallus sei im Übrigen ausreichend und in einer vertretbaren Entfernung gut zu erreichen.

Hier noch einige Stimmen von älteren Gemeindemitgliedern zur Profanierung „ihrer“ St. Ulrich-Kirche eingeholt: „Ich bin ganz zufrieden mit der Lösung im Pfarrheim; dort ist es im Winterhalbjahr deutlich wärmer als in der großen Kirche.“ – „Wir trauern sehr. Die baulichen Schäden halten wir für nicht so gravierend, dass diese Schließung gerechtfertigt wäre.“ – Wir wohnen ziemlich auf der Grenze zu St. Gallus. Da haben wir es natürlich leichter. Sicher schmerzt uns diese Profanierung, haben wir doch hier in St. Ulrich unsere Erstkommunion, unsere Hochzeit und die Taufe unsere Kinder gefeiert. Aber wir haben Verständnis für die Entscheidung; denn beide Gebäude weiterhin zu unterhalten, kann man in der heutigen Zeit nicht mehr verantworten.“ (FJW)

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