Im Gespräch

Mittwoch, 26. August 2020

Synodaler Weg geht weiter

Katharina Goldinger: Themen auch in Corona-Zeiten wichtig

Katharina Goldinger ist diözesane Ansrechpartnerin für den Synodalen Weg. Speyerer Delegierte in Ludwigshafen sind Bischof Wiesemann, Weihbischof Georgens, Theo Wieder (Katholikenrat) und Pfarrer Volker Sehy (Priesterrat). (Foto: pilger-Archiv)

Das Reformprojekt Synodaler Weg soll am 4. September mit fünf Regionalkonferenzen fortgesetzt werden. Eine davon findet im Ludwigshafener Heinrich Pesch Haus statt. Wir haben mit Katharina Goldinger, der diözesanen Ansprechpartnerin für den Synodalen Weg, darüber gesprochen.

Frau Goldinger, machen die regionalen Veranstaltungen in Corona-Zeiten Sinn? Werden sie überhaupt wahrgenommen?

Der einfache Weg wäre eine Absage gewesen. Ihn nicht zu gehen, sondern ein alternatives Format an den Start zu bringen, sagt auch etwas über die Wichtigkeit der Themen aus. Ich erwarte nicht, dass die öffentliche Aufmerksamkeit ebenso groß ist, wie sie es rund um eine beschlussfähige Synodalversammlung gewesen wäre. Trotzdem gefällt mir das Experiment: Darin steckt einiges vom vielbeschworenen Mut, den wir mehr denn je brauchen. Ich plädiere sehr für Experimente – auch mit der Option des Scheiterns. Zudem machen die Regionalkonferenzen die Corona-Zeit selbst zum Thema.

Ihre Wahrnehmung: Ist der Synodale Weg im Bistum Speyer und den Pfarreien ein Thema?

Tatsächlich spricht der strukturelle Charakter eher Menschen an, die mit ähnlichen Strukturen und entsprechenden Verfahrensweisen vertraut sind. Das sind etwa die Verbände. Unabhängig von Strukturen sind die diskutierten Inhalte aber bei nahezu allen haupt- und ehrenamtlich Engagierten ein Thema: Wie kann Macht und Gewaltenteilung in Kirche gedacht werden? Welche Relevanz entfaltet katholische Sexualmoral im Alltag der Glaubenden? Ist ein Pflichtzölibat zeitgemäße Ausdrucksform priesterlichen Lebens? Ist eine Öffnung aller Ämter auch für Frauen nicht längst überfällig? Wie geht Kirche mit eigener Schuld um? Nicht zuletzt: Wie erzählt Kirche auf angemessene Weise im 21. Jahrhundert von der faszinierenden und befreienden Gegenwart Gottes? – Der Synodale Weg kann nicht losgelöst von der MHG-Studie gesehen werden. Er ist Folge und ein Teil der dringend notwendigen Aufarbeitung von Missbrauch im Bereich der Kirche. Über Ebenen und Kirchenbilder hinweg erlebe ich die Einsicht, dass es mit Erhalt alleine nicht getan ist. Zumal der Erhalt längst ein Kampf ums Überleben ist, wie es zuletzt die Kirchenaustrittszahlen zeigten.

Wie ist der Synodale Weg mit dem Visionsprozess im Bistum Speyer verzahnt?


Jeder Mensch kennt Segensorte, auch wenn er sie noch nie so nannte. Es sind Orte, die gut tun und damit – christlich gesprochen – ein Stück vom Reich Gottes sind. Hier ist Gott längst schon, ob wir ihn hier vermuten oder nicht. Kirche richtet damit ihre Navigation neu aus und fragt: Wo kommt Gott uns entgegen und wo sollten wir ihm die Tür aufhalten? Das macht sie mit dem Synodalen Weg auch. Während der Synodale Weg bei der Kirchenstrukturfrage ansetzt, setzt der Visionsprozess bei persönlichen Erfahrungen an. Er ist näher: Mehr „Gott in der Pfalz entdecken“ als „Gott in der Welt entdecken“. Insofern ergänzen sich beide Prozesse und bilden verschiedene Ebenen von Kirche ab.

Was erwarten Sie von den regionalen Veranstaltungen zum Synodalen Weg, speziell von der in Ludwigshafen. Sehen Sie das Treffen im Schatten der Vatikanischen Instruktion zu Gemeindereformen?

Ich erwarte in erster Linie angeregte und anregende Diskussionen. Um Gemeindereformen wird es insofern gehen, als die Texte des Forums zur Frauenfrage diskutiert werden und damit auch die Frage nach Voraussetzungen für Leitungsaufgaben. Die Instruktion zielt auf eine Pastoral, die missionarisch ausgerichtet ist. Das Grundanliegen einer offenen, den Menschen zugewandten Kirche, die die Gegenwart Gottes immer schon voraussetzt, teile ich absolut. Was die Frage nach der Umsetzung angeht: Die Argumente müssen überzeugen. Was Gleichberechtigung betrifft oder auch die Frage von Macht und Gewaltenteilung, teile ich die Argumente derer, die auf Veränderung drängen: Frauen können und sollten alle Aufgaben übernehmen können, die auch Männer übernehmen. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und im Übrigen auch eine nach dem Gottesbild: Was wäre das für ein Gott, der Talente in Menschen hineingelegt und zugleich verbietet, sie zu nutzen? Es gibt eine Tradition starker Frauen in der Kirche, die gerne auch als wichtige Traditionslinie verstanden und weiterentwickelt werden darf. Ähnlich verhält es sich im Hinblick auf Pfarreileitung: Ich halte das Argument der Qualifikation im Sinne des Ausschöpfens von (gottgegebenen) Talenten für stichhaltig. Wer leiten kann, der sollte das tun dürfen. Die Gemeinschaft der Glaubenden profitiert davon. Dem missionarischen Anliegen kann das nur gut tun.

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