Wochenkommentar

Mittwoch, 09. Oktober 2019

„Synodaler Weg“ vor Dilemma

Katholische Kirche als Institution übernimmt Verantwortung

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Tatsache ist: Die deutschen Bischöfe haben sich entschlossen, gemeinsam einen „Synodalen Weg“ zu beschreiten – als erste und bisher einzige Ortskirche auf der Welt. Zugleich aber treten die Meinungsverschiedenheiten unter den Oberhirten offen zu Tage, nachdem Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) und Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg) gegen das von der Mehrheit befürwortete Statut gestimmt haben. Die Möglichkeit, dass mindestens einer der beiden Bischöfe im Laufe des Prozesses aus dem „Synodalen Weg“ aussteigen könnte, ist real gegeben. Keine Stoppschilder aus Rom? Das bleibt nur zu hoffen. Doch dem Dilemma, dass er einerseits konkrete Ergebnisse liefern und greifbare Reformen beschließen muss, andererseits aber keinen deutschen Sonderweg einschlagen darf und für weltkirchlich relevante Themen wie Zölibat und Weihe von Frauen keine Entscheidungskompetenz besitzt, wird der Prozess nicht entgehen können.      
Positiv ist, dass die Bischöfe sich künftig von den viel zu niedrigen „Anerkennungsleistungen“ für Missbrauchsopfer verabschieden und ihnen endlich beachtliche finanzielle Entschädigungen zahlen wollen. Die bisherige Position war schon lange nicht mehr zu halten und wurde als buchstäblich billige Ausflucht empfunden. Klar ist: Das erlittene Leid ist durch keine Geldzahlung, egal in welcher Höhe, aufzuwiegen. Aber es ist hochbedeutsam, dass die Kirche als Institution Verantwortung übernimmt und sich zu einem Schmerzensgeld durchringt, das ihr wirklich weh tut.
Darüber hinaus bleibt anzumerken, dass die Bischöfe trotz der großen aktuellen Probleme noch die Kraft gefunden haben, ein neues Missionspapier zu veröffentlichen. Gerade in solch schwierigen Zeiten ist es ein wichtiges Signal, dass sie am Missionsauftrag Jesu, seine Botschaft bis an die Grenzen der Erde zu tragen, festhalten. Dass Mission dabei ganz anders aussehen muss als früher und die heutige Weltsituation, die Lebenswelten und die prägenden kulturellen Entwicklungen begreifen und berücksichtigen muss, macht das neue Dokument in erfreulicher Weise klar. Die Botschaft lautet: Evangelisierung ist heutzutage wichtiger denn je zuvor, weltweit wie in Deutschland selbst, gerade auch im Rahmen des „Synodalen Weges“.

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