Im Gespräch

Dienstag, 09. Juni 2020

Teil unseres Lebens

Hilfswerke und Verbände starten ersten bundesweiten Digitaltag

Die Digitalisierung bestimmt zunehmend auch das Leben der Kinder. (Foto: actionpress)

Viele Menschen fürchten negative Folgen der Digitalisierung. Ein Aktionstag soll Risiken und Chancen des Wandels aufgreifen. Wegen der Corona-Krise findet er auch vorwiegend im digitalen Raum statt.
Verschieben oder gar ausfallen lassen war keine Option: Darüber waren sich die 28 Organisationen einig, die gemeinsam die Initiative „Digital für alle“ bilden. Sie ist Trägerin des ersten bundesweiten Digitaltags am 19. Juni. Die Corona-Krise zeige, wie wichtig digitale Teilhabe sei, sagt Projektleiterin Anna-Lena Hosenfeld. Daher findet der Aktionstag online statt – mit über 400 Livestreams, Webinaren, Online-Tutorials und virtuellen Führungen.
Die Veranstalter kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft. Darunter sind etwa der Deutsche Caritasverband, die Diakonie, der Deutsche Kulturrat sowie die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Zuletzt hat sich der Deutsche Bibliotheksverband angeschlossen – und will Menschen, die zu Hause keinen Computer haben, von Büchereien aus die Teilnahme ermöglichen. Manch einer könne so erste Schritte in den digitalen Raum wagen, sagt Hosenfeld: „In der jetzigen Krise merken viele Menschen, wie sehr uns digitale Möglichkeiten im Alltag eine Hilfe sind.“
Die Projektleiterin hofft, dass darin mittelfristig auch eine Chance liegt. Bislang seien positive Gestaltungsmöglichkeiten oft zu wenig im Blick. „Digitale Technologien können neue Wege eröffnen“, betont Hosenfeld. So könnten Apps etwa Menschen, die Hilfe suchen, mit denen vernetzen, die unterstützen wollen. „Es gibt Netzwerke von Dorfgemeinschaften oder Initiativen, die Umweltdaten erheben und für die Allgemeinheit aufbereiten. Diese Projekte können die ganze Gesellschaft weiterbringen.“
Dass ein so breites Bündnis den Digitaltag trägt, liegt nach Ansicht von Hosenfeld daran, dass das Thema die ganze Gesellschaft durchdringt und betrifft. Viele Menschen fürchten indes die Auswirkungen der Digitalisierung. In einer Umfrage des Bündnisses vom Frühjahr wurde am häufigsten die Sorge um Daten genannt. Auch soziale Auswirkungen, etwa Angst vor Jobverlust oder verzerrten Debatten durch „Fake News“, spielen eine Rolle. Fast jeder Dritte hat demnach das Gefühl, der Entwicklung nicht mehr folgen zu können.
„Es gibt ein Gefühl der Überwältigung“, resümiert Johannes Landstorfer, Koordinator Digitale Agenda beim Deutschen Caritasverband. Bei Beratungsstellen meldeten sich mitunter Menschen, die zwei Jahre lang krank gewesen seien – und sich danach im Alltag kaum noch zurechtfänden, weil die Digitalisierung so schnell so viel verändert habe. „Das ist fatal“, mahnt Landstorfer. „Die Bevölkerung muss an entscheidenden Transformationen mitwirken.“
Ziel des Digitaltags ist es laut Hosenfeld, unterschiedliche Aspekte zu beleuchten und zu diskutieren. Landstorfer erklärt, dass am Ende neue Perspektiven für den Alltag entstehen könnten. Dabei sei „weder das Ziel noch sinnvoll, dass alles digital stattfindet“, betont er. „Es ist ein Bestandteil unseres Lebens, aber kein Ersatz für das Analoge.“

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