Im Gespräch

Donnerstag, 22. September 2016

Überraschung beim Wahlmarathon

Bischöfe wählen Karl-Heinz Wiesemann an Spitze der Glaubenskommission

Herbstvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz in Fulda: Das Medieninteresse war groß. Foto: KNA

Weißer Rauch stieg nicht auf. Doch das Wahlverfahren zog sich lange hin. Die katholischen Bischöfe haben für die kommenden fünf Jahre die Kommissionen der Bischofskonferenz neu besetzt. Dabei gab es Überraschungen.

Die katholischen Bischöfe Deutschlands haben am 20. September einen Wahlmarathon absolviert. Und dabei für eine Überraschung gesorgt. Turnusgemäß mussten die 14 Kommissionen der Bischofskonferenz neu besetzt werden. Sie bearbeiten zentrale Themen der Kirche in Deutschland. Der jeweilige Vorsitzende repräsentiert die Kirche dann auch inoffiziell in der Öffentlichkeit – ob als Medienbischof, als „Außenminister“ oder Ökumene-Sprecher.

Mit Spannung haben Beobachter vor allem die Wahl zum Chef der prestigeträchtigen Glaubenskommission erwartet, die sich auch mit dogmatischen Fragen befasst. Ein Amt mit Gewicht, zumal Papst Franziskus den Bischofskonferenzen mehr Kompetenzen zubilligen will.

Nachfolger des emeritierten Mainzer Kardinals Karl Lehmann in diesem Amt wurde Bischof Karl-Heinz Wiesemann (56) – und nicht der eher dem konservativen Spektrum zugeordnete Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer (56). Der war von einigen als Favorit gehandelt worden, denn er gehört der Römischen Glaubenskongregation an und ist habilitierter Dogmatiker – und ein Schüler von Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dem Chef der Glaubenskongregation. Und er hat sich als Sachwalter des theologischen Erbes von Papst Benedikt XVI. einen Namen gemacht. Der gebürtige Westfale Wiesemann liebt eher die leiseren Töne. Und er macht in Diskussionen immer wieder deutlich, dass er nicht den Anspruch erhebt, per se die besseren Einsichten zu haben.

Bemerkenswert ist, dass der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (60) auf jeden Kommissionsvorsitz verzichtet. Er bleibt – unter Leitung des Münsteraner Bischofs Felix Genn – stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe.

Manche der Neubesetzungen erweisen sich als pragmatische Entscheidungen. Mit seinen 51 Jahren gehört der Passauer Bischof Stefan Oster zu den Jüngeren in der Bischofskonferenz – und übernimmt den Vorsitz in der Jugendkommission. Seit 1995 gehört er dem auf Jugendarbeit spezialisierten Orden der Salesianer Don Boscos an. Als moderne Kanzel hat der gelernte Zeitungs- und Hörfunkredakteur die sozialen Medien für sich entdeckt. Mehr als 12000 Leute folgen ihm bei Facebook. Seit Mai ist er außerdem unter den Bloggern und packt gesellschaftliche und theologische heiße Eisen an.

Inhaltliche und räumliche Nähe sorgen wohl dafür, dass der Freiburger Erzbischof Stephan Burger (54) nun die wichtige Caritas-Kommission leitet. Der Deutsche Caritasverband, der größte deutsche Wohlfahrtsverband und mit über 590000 Angestellten einer der größten privaten Arbeitgeber in Deutschland, hat seinen Sitz in Freiburg.

Inhaltlich naheliegend war es auch, dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße (50) neben seinem Amt als Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen auch den Vorsitz der Migrationskommission zu übertragen. Die Kommission für Wissenschaft und Kultur leitet künftig der Münsteraner Weihbischof Christoph Hegge (54). Der gerade zum Bischof geweihte Limburger Oberhirte Georg Bätzing (55) ist als Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog für die Kontakte zum Islam zuständig. Für die Beziehungen zum Judentum zeichnet der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr (59) verantwortlich.

Auf Kontinuität setzen die Bischöfe in weiteren Ämtern: „Außenminister“ bleibt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick (66). Er hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Länder des Mittleren Ostens bereist und Netzwerke zwischen verfolgten Christen, westlichen Kirchen sowie Politikern und Wissenschaftlern geknüpft. Für Medienfragen ist weiter der Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst zuständig. Familienbischof bleibt der Berliner Erzbischof Heiner Koch, Sozialbischof der Essener Oberhirte Franz-Josef Overbeck und zuständig für Pastorale Fragen der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Für die Ökumene ist – mit Blick auf das Gedenkjahr zu 500 Jahren Reformation – weiter der Magdeburger Bischof Gerhard Feige zuständig. Zu den neun Mitgliedern dieser Kommission gehört auch Bischof Wiesemann. Der Speyerer Weihbischof Otto Georgens ist Mitglied der Liturgiekommission, der Kommission Weltkirche sowie der Unterkommisson für Entwicklungsfragen (Misereor). (Christoph Arens, kna)

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