Kirche und Welt

Donnerstag, 23. März 2017

Umdenken und neue Wege gehen

Erzbistum München und Freising wagt sich an neue Leitungsmodelle

Priestermangel und ein sich veränderndes Kirchenverständnis: Kardinal Reinhard Marx will neue Wege in der Leitung von Pfarreien erproben. Foto: actionpress

„Auch ein Bischof muss lernen“, sagt Kardinal Reinhard Marx. Und so wagt der Erzbischof von München und Freising nun ein Pilotprojekt mit neuen Leitungsmodellen für Pfarreien, das er vor Jahren noch abgelehnt hat.

Manchen geht es zu schnell, anderen zu langsam, aber die Wege zur Pastoral der Zukunft im Erzbistum München und Freising mögen eben gut durchdacht sein. Als Reinhard Marx vor acht Jahren Erzbischof wurde, überzeugte ihn die Idee eines Laien als Leiter einer Pfarrei, wie das vereinzelt schon erprobt wurde, nicht. Da setzte er noch auf den Klerikerstand allein. Am 20. März räumte er in München ein, seine Sicht „erweitert“ zu haben. Auch ein Bischof wisse eben nicht alles – „der muss auch lernen“. Nun also wagt sich das Erzbistum erstmals an ein ganz besonders Pilotprojekt.

Ab Herbst dieses Jahres sollen in den drei Regionen (Süd, Nord und Stadt München) jeweils ein Team aus haupt- und ehrenamtlichen Laien einen Pfarrverband leiten. Die zuständigen Weihbischöfe seien aufgerufen, vorab die passende Gemeinde zu suchen und dann mit den Betroffenen zu sprechen und ein Team zusammenzustellen. Natürlich werde das Vorhaben begleitet, immer wieder reflektiert und am Ende werde sich zeigen, ob dieser Weg weiter beschritten werden könne.

Seit Jahren sinkt die Zahl der Priester und pastoralen Mitarbeiter, während Pfarrverbände immer größer werden. Um noch von Ortskirche sprechen zu können, müssen neue Formen gefunden werden, ist der Kardinal überzeugt. „Gemeinsam Kirche sein“ hieß das von der Deutschen Bischofskonferenz 2015 veröffentlichte Papier, das laut Marx „breite Resonanz“ gefunden hat. Überall haben sie schließlich ähnliche Probleme.

Das Kirchenrecht lässt übrigens in Sachen Gemeindeleitung, die in erster Linie einem Priester zukommt, durchaus Interpretationsraum. Selbst das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) spricht vom „Priestertum aller Gläubigen“. „Haben wir das schon durchdacht?“, wirft der Kardinal als Gedanken in die Runde. Und dann ist da das Problem mit den Priestern selber: So zeigte eine Seelsorgerstudie, dass viele sich ausgebrannt fühlten von den Verwaltungsaufgaben. Auch seien nicht alle in der Lage, pastorale Einheiten zu leiten. Von der Idee, aus jedem Priester müsse am Ende ein Pfarrer werden, gelte es sich zu verabschieden. Das Priesterbild müsse weiter gefasst werden.

Für die administrative Entlastung der Kleriker hat das Erzbistum gesorgt. An die zehn sogenannte Verwaltungsleiter sind mittlerweile im Einsatz, und sie werden es auch weiter sein, egal wie das Pilotprojekt sich bewähren wird, ist zu hören. Einen Mangel an der Bereitschaft in der Kirche mitzuarbeiten sieht Marx nicht. Nur sollte eben, egal ob Laie oder Priester, ein jeder nach seinen Charismen eingesetzt werden. Bei den Laien komme hinzu, wie auch der Leiter des Projekts „Pastoral planen und gestalten“, Robert Lappy, zu verstehen gibt, dass sie aufgrund von Beruf und Familie nur ein bestimmtes Zeitbudget einbringen könnten.

Der Kardinal spricht von „ressourcen-orientierter Seelsorge“ und von einem „großen Umbruch, den wir in der Geschichte der Kirche erleben“. Doch nach Trübsal blasen ist ihm nicht. Die Leute sollten nicht Vergangenem nachtrauern, sondern in den Pfarreien ausloten, was jeder imstande ist, für den christlichen Glauben und das Gemeindeleben beizutragen. Darin ste-cke eine große Chance. 1200 seelsorgliche Stellen sieht der Personalplan vor, die zu 90 Prozent besetzt seien, kann der für das Ressort Personal zuständige Klaus Peter Franzl berichten. Neben 569 aktiven Priestern gehören dazu noch Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferenten.

Für die Seelsorge der Zukunft wird noch an vielen Schrauben zu drehen sein. Der Kardinal hält allerdings nichts davon, von jetzt auf gleich zu einem neuen Leitungsmodell zu wechseln. Schritt für Schritt, lautet seine Devise. Zugleich würde es sich lohnen, mal den Begriff „Leitung“ zu überdenken; was damit eigentlich gemeint sei. Priesterrat und Bischofsrat hat Marx für das jetzige Pilotprojekt auf seiner Seite. Jetzt geht es darum, auch noch die Gemeinden mitzunehmen. (Barbara Just)

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