Geistliches Leben

Donnerstag, 21. April 2016

Veränderung gehört zum Glauben

In Gottes Gegenwart sind wir verwurzelt und gehalten – Gedanken zum Johannes-Evangelium 14,23–29 von Pastoralreferentin Annette Schulze

„Sie suchen die Veränderung? Dann kommen Sie zu uns.“ Was oft in Stellenanzeigen formuliert wird, hat in unserer Zeit insgesamt eine große Bedeutung. Das Change-Management befasst sich mit der anstehenden Anpassung an neue Strukturen in Unternehmen. In einer solchen Phase steckt auch das Bistum Speyer gerade: Vieles hat sich verändert, und vieles muss und wird sich noch verändern. Dabei hätten wir gern, dass möglichst vieles bleibt, wie es war. Das Vertraute gibt uns Halt. Veränderungen verunsichern uns und machen uns Angst.

Der Begriff des Festhaltens aus dem Johannes-Evangelium kommt uns da entgegen.  Jesus spricht davon, dass wir ihn lieben und an seinem Wort festhalten sollen – damit er mit dem Vater bei uns wohnen kann. Jesus zu lieben – bei diesem typisch johanneischen Anspruch geht es darum, seine Worte zu bewahren, zu beobachten, zu meditieren. Sein Wort als Orientierungshilfe zu verstehen, nicht jeden Buchstaben wörtlich zu nehmen. Jesus zu lieben, das könnte auch heißen, seine Schritte im Leben und Sterben und Auferstehen anzunehmen für meinen Weg.

In unserem Leben spielt die Sehnsucht nach Geborgenheit eine große Rolle. Wir tragen den Wunsch in uns, in einem Zuhause ankommen zu dürfen, wo wir sein dürfen, wie wir sind. Psalm 23 beschreibt diesen Wunsch in Bildern vom Unterwegssein und Ankommen. Die Schafe sind unterwegs zu neuen Weideplätzen, neuen Orte zum Leben. In sich tragen sie die Sehnsucht, anzukommen. Das Volk Israel hat die Jahre in der Wüste sicher auch als eine solche „Zeit auf dem Weg“ erfahren, in der die Hoffnung auf ein Zuhause fast verloren gegangen ist. Im Psalm kommt die Beterin, der Beter am Ende zur Ruhe: Da deckt Gott den Tisch und lädt ein zum Mahl und zum Bleiben in der Gegenwart Gottes. Die Bibel in gerechter Sprache übersetzt: „Ja, du bist bei mir, dein Stab und deine Stütze – sie lassen mich aufatmen“.

Wenn Gottes Gegenwart uns aufatmen lässt, Wirklichkeit ist in unserem Leben, muss sich unser Herz nicht beunruhigen. Der Heilige Geist, der Beistand, den Gott uns sendet, wird uns an alles erinnern, was Jesus gesagt hat. Auch hier geht es Jesus nicht darum, dass wir uns an jedes Wort, jeden Satz erinnern, sondern darum, dass wir das Wesentliche seiner Botschaft im Herzen tragen.

Jesus spricht in den Abschiedsreden etwas von dem an, was von ihm bleibt: Er nennt als sein Erbe den Frieden. Frieden verbinden wir mit unserem „Zuhause“: einem Ort, an dem wir sein und bleiben dürfen. Niemand vertreibt uns, niemand will uns anders, als wir nun einmal sind. Wir brauchen keine Angst zu haben – nicht vor dem Einschlafen und erschreckenden Träumen, nicht vor dem Aufwachen und einer noch schrecklicheren Wirklichkeit. Frieden – das heißt, ich darf sein – in Geborgenheit, Sicherheit, Freiheit. Ich darf sagen, was ich denke und fühle. Ich darf leben, und meine Kinder dürfen  es mit mir.

Leben in Frieden gehört zu den großen Verheißungen unseres Glaubens, die wir als wahr erleben können, wenn sie in uns zur Erfüllung kommen. Nach Johannes gibt es einen Unterschied zwischen dem „Jetzt“, in dem wir hören, was Jesus uns sagt – und dem „Dann“, wenn er wiederkommt. Aber der Unterschied liegt nicht in der An- oder Abwesenheit Gottes. Gott ist uns nicht fern – nur können wir ihn nicht immer als nah oder mit unseren Sinnen „spürbar“ erfahren. Gott hat uns seinen Namen genannt – hat uns in Jesus sein Gesicht gezeigt und das Wesentliche seiner Botschaft vermittelt. Auch wenn wir dieses Wesentliche auf unterschiedliche Weise erfahren und benennen, es hat mit Leben zu tun, mit Liebe, mit Frieden.

Als Menschen, die miteinander an Jesus Christus glauben, verbindet uns diese Botschaft. Gott ist ein Gott mit uns – und Jesus ist das Wunder der Gegenwart Gottes in uns. Diese Gegenwart ist hier und jetzt lebendig – als ein Funke in der Nacht, als eine Hoffnung in der Not, als eine Hand auf unserer Schulter – und als das Vertrauen, dass wir nicht allein auf dem Weg sind.

Jeder unserer Schritte beinhaltet Veränderung, Wachstum, und insofern leben wir mit unserm Glauben ganz modern: „Wenn Sie die Veränderung suchen, kommen Sie zu uns!“ Vielleicht wäre das nicht der erste Slogan, mit dem Sie für unseren Glauben werben wollten, aber es ist ein Gedanke, der zum Wesentlichen gehört, das Gottes Geist uns lehrt: Wenn wir die Gegenwart Gottes in uns tragen, sind und bleiben wir in seiner Liebe. Veränderungen brauchen uns da nicht zu beunruhigen. Wir können sie getrost gemeinsam angehen – Veränderungen in unserem Bistum, in unserer Gesellschaft und in unserem persönlichen Leben.

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