Kultur

Freitag, 27. Oktober 2017

Vielfältiges Brauchtum

Mal besinnlich, mal heiter – Im Herbst haben Feiertage Hochkonjunktur

In keinem anderen Monat ist das Gedenken der Verstorbenen ein so großes Thema wie im November. Foto: Pixabay

Mit dem Ende des bisweilen goldenen Oktobers sei der Sommer nun aber wirklich vorbei, klagen manche dieser Tage. Dabei stehen einige Feiertage vor der Tür – mit buntem Brauchtum oder der Einladung zum Innehalten. „Feiern und frei haben – das finden erstmal alle gut", sagt der evangelische Theologe Julian Sengelmann. Sein Buch „Feiertag!“ nimmt den Leser mit auf eine Reise durch das Kirchenjahr. Streitigkeiten darüber, ob man etwa am Wochenende einkaufen dürfe, berührten eine Kernfrage, sagte Sengelmann im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA. Feiertage machten deutlich, „dass alles seine Zeit hat“. Sie ermöglichten Momente der Reflexion, des Innehaltens und der Muße.

Um so erfreulicher, dass es in diesem Jahr einen zusätzlichen freien Tag gibt: Der Reformationstag (31. Oktober) ist zum Gedenken an 500 Jahre Reformation ein bundesweiter Feiertag. Einzelne Bundesländer erwägen, den Tag als festen Feiertag einzurichten. In diesem Jahr sind in der Lutherstadt Wittenberg ein Festgottesdienst und Festakt geplant. Auch andere Städte laden zu Veranstaltungen.

Auf den außergewöhnlichen Feiertag folgt in manchen Bundesländern ein weiterer: Allerheiligen am 1. November. Der Tag war ursprünglich dem Gedenken an alle Heiligen der katholischen Kirche gewidmet, heute wird in erster Linie der Verstorbenen gedacht. Obwohl es ein stiller Feiertag ist –Tanzveranstaltungen und Jahrmärkte sind also verboten – gibt es um Allerheiligen nicht den gleichen Streit wie um den Karfreitag.

Im süddeutschen Sprachraum werden an Allerheiligen Strietzel verteilt. Auch Halloween geht ursprünglich auf diesen Tag zurück: Das Wort „Halloween“ leitet sich ab von „All Hallows Eve“, also dem Vorabend von Allerheiligen. In Deutschland stößt das Fest auf wenig Gegenliebe: Es gilt als kommerzialisiertes „Kürbisfest“ oder als Konkurrenz zum Karneval – der als „fünfte Jahreszeit“ seinerseits am 11. November beginnt.

Das Totengedenken stand in der katholischen Kirche zunächst an Allerseelen (2. November) im Zentrum. Die evangelische Kirche nimmt sich dafür Zeit am „Ewigkeitssonntag“ beziehungsweise „Totensonntag“, der in diesem Jahr auf den 26. November fällt. Er ist bundesweit besonders geschützt. Die katholische Kirche wiederum feiert am selben Tag – immer am letzten Sonntag vor dem ersten Advent – das Hochfest Christkönig. Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs sollte es die Herrschaft Jesu im Gegensatz zu weltlicher Macht betonen. Am Buß- und Bettag (22. November) laden die Protestanten vor dem Ende des Kirchenjahrs noch einmal zum Innehalten ein.

Doch nicht nur das Gedenken prägt den November. Am Martinstag, dem 11. November, zieht eine Lichtgestalt zu Pferde durch viele Orte. Für Martinszüge werden Laternen gebastelt und Lieder einstudiert, Familien treffen sich zum Verspeisen einer Martinsgans. In ganz Europa hat sich Brauchtum um den Tag entwickelt, der an die Legende erinnert, nach der Martin seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte.

Der Nikolaustag liegt dann bereits im Advent. Er geht auf den Bischof Nikolaus von Myra zurück, der als Nothelfer und Schutzpatron der Schüler gilt. Gemeinsam mit dem später beim Brauchtum hinzugestoßenen Knecht Ruprecht belohnt der heutige Nikolaus die braven Kinder und ermahnt diejenigen, die allzu frech waren.

In der Adventszeit werden zwei weitere Tage beliebter: Am Barbaratag, 4. Dezember, werden in einigen Regionen Kirschzweige in eine Vase gestellt, deren Blüten an Weihnachten blühen sollen. Einige deutsche Gemeinden feiern das Luciafest am 13. Dezember, das besonders in Schweden fester Bestandteil des Brauchtums ist. (Paula Konersmann, kna)

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