Aus dem Bistum

Mittwoch, 04. März 2020

Visionsprozess: „Ihre Meinung ist gefragt“

Gruppen können sich mittels „Ortstermin“ beteiligen

Die Materialbox enthält jede MengeHilfsmittel, mit denen ein "Ortstermin" gestaltet werden kann. (Foto: Bistum Speyer)

Felix Goldinger ist begeistert. Täglich erreichen den Geschäftsführer für den Visionsprozess „Segensorte“ im Bistum Speyer Anfragen nach der Materialbox, die Gruppen bei ihren sogenannten „Ortsterminen“ dabei unterstützen, sich aktiv in den Visionsprozess einzubringen.

Mehr als 170 Interessierte haben bislang ihre Teilnahme bekundet – angefangen von Pfarrei- und Verbandsgruppen über Schulklassen, Kindertagesstätten und Katholische öffentliche Büchereien bis zu Familien, Unternehmen und Kollegenkreise aus dem Bischöflichen Ordinariat in Speyer. „Sogar eine evangelische Pfarrei hat sich gemeldet“, freut sich Goldinger.
Vom 1. März bis zum 31. August sind sie und weitere interessierte Gruppen – darunter auch neue Formationen, eingeladen, sich an der Suche nach einer neuen Gestalt von Kirche zu beteiligen (wir berichteten). Dabei sollen sie nicht nur ihre Erfahrungen und Sichtweisen einbringen, sondern auch über den gewohnten Horizont hinausdenken.
„Sämtliche Ergebnisse werden in einer Datenbank gesammelt“, so Goldinger. Daraus würde schließlich ein Statement formuliert, das die Vision von Kirche im Bistum beschreibt und aus dem konkrete Handlungsfelder abgeleitet werden. „Es geht um die Fragen, wofür die Kirche da ist und was die Menschen davon haben, dass es sie im Bistum Speyer gibt.“ Ein Handlungsfeld könne etwa lauten, dass sich die Diözese für den Klimaschutz einsetzt, nennt Goldinger ein Beispiel. Dies habe dann Auswirkungen auf alle Felder, auf denen die Kirche aktiv ist – von der Jugendgruppe bis zum Allgemeinen Geistlichen Rat.
Die Ergebnisse bei den „Ortsterminen“ bilden neben den Erkenntnissen, die bei den insgesamt fünf zentralen „Segensort“-Veranstaltungen gewonnen werden, die Grundlage für die gemeinsame Vision.

Drei Fragen im Mittelpunkt

Bei den „Ortsterminen“ stehen drei Fragen im Mittelpunkt: 1. Was zeichnet „Segensorte“ aus? 2. Wo sind Ihre Lieblingsorte, und was macht diese Orte zu „Segensorten“? 3. Haben sich während Ihres Ortstermins Ideen für Wunsch-„Segensorte“ ergeben, und welche „Segensorte“ würden Sie gerne sofort umsetzen? Diese werden am Ende der Treffen beantwortet, die Ergebnisse in einen Beitragsbogen eingetragen und danach auf der Bistumskarte auf der Homepage des Visionsprozesses eingepflegt, etwa durch das Markieren von Lieblings- und Wunsch-„Segensorten“. „Dabei müssen diese besondere Orte nicht räumlicher Natur sein“, stellt der Pastoralreferent klar. „Auch eine Schulklasse, ein Verband, eine Partnerschaft oder die Feier der Ehejubiläen können ,Segensorte‘ sein.“ Zudem sei es möglich, einen „Segensort“ für die eigenen Bedürfnisse zu nennen, beispielsweise einen Raum für einen Frauentreff.

Materialbox mit Anregungen

Für die Beantwortung der Fragen gibt die Materialbox den Gruppen bei ihren „Ortsterminen“ hilfreiche Anregungen und Methoden an die Hand. Herzstück ist das Materialheft. Es umfasst etwa 80 Seiten und enthält verschiedene Vorschläge, wie ein solches Treffen gestaltet werden kann. „Es muss also nicht komplett durchgearbeitet werden“, stellt Goldinger klar. „Wichtig ist, dass die Beteiligten mit Spaß bei der Sache sind.“ Die Gruppen können die Methoden nach ihren Bedürfnissen mischen. Goldinger rät, eine Aufwärmübung, einen spirituellen Baustein unter der Rubrik Inspiration, eine der „Segensorte“-Übungen und eine Methode aus dem Bereich Auswertung zusammenzustellen. Das Materialheft enthält entsprechende Vorschläge. Es sei aber auch möglich, „etwa eine Aufwärmübung wegzulassen, weil sich die Gruppenmitglieder bereits kennen“, bekräftigt er.
Zum Einstieg könne das Segensgebet zum Visionsprozess gesprochen werden, mit dem die Gruppe „sich bewusst macht, dass Gott ihren Austausch begleitet“. Zur Wahl steht es auch in Mundart auf „Vorrepälzisch“, „Hinnerpälzisch“ und „Saarpälzisch“. Auch sei es möglich, gemeinsam eines der „Segenslieder“ anzustimmen.
Eine zentrale Rolle bei den „Ortsterminen“ spielen die „Segensorte“-Übungen. Dabei stünden sechs zur Auswahl. Die notwendigen Materialien sind in der Box enthalten. Beispielsweise die „Team Unser Segensorte-Karten“, bei denen jede Karte eine biblische Person aus dem Alten oder Neuen Testament darstellt, die für eine bestimmte Eigenschaft steht. Etwa Abraham – der Pionier. Zu Beginn ist jedes Gruppenmitglied aufgerufen, eine Figur auszuwählen, die seiner Einschätzung nach am besten zu ihm selbst passt. Anschließend stellen sich die Teilnehmenden mit „ihrer“ biblischen Figur der Gruppe vor. Diese Aufgabe ist eine von weiteren gruppendynamischen Spielideen und Aufträgen, die auf Inhalte des Visionsprozesses abzielen. Die Auswertung dient schließlich dazu, die Ergebnisse aus der „Segensort“-Übung für den Beitragsbogen zu bündeln.

Kirche hat versagt

Goldinger ist sich durchaus bewusst, dass der ein oder andere Gläubige an der Ernsthaftigkeit des Prozesses zweifelt, wurde er doch in der Vergangenheit immer wieder von „seiner“ Kirche enttäuscht. Sei es etwa aufgrund der Missbrauchsfälle oder des Finanzskandals in Limburg und dem auch damit in vielen Augen einhergehenden mangelnden Reformwillen. „Die Bedenken kann ich verstehen. Denn die Institution hat tatsächlich an verschiedenen Stellen versagt.“ Doch gerade deshalb wolle Bischof Wiesemann eine Veränderung und die Vision für das Bistum mit den Katholiken gemeinsam entwickeln. Dabei gebe es keine Tabus. Auch Themen wie den Diakonat der Frau oder das Zölibat können thematisiert werden. Diese Fragestellungen würden in den Synodalen Weg eingespeist.
Goldinger ist zuversichtlich, dass die gemeinsame Vision des Bistums konkrete Veränderungen zur Folge haben wird, wenn sich möglichst viele Menschen in den Prozess einbringen und die Vision mittragen. Daran anschließen müsse sich ein Personal- und Ressourcenprozess. „Denn der Einsatz von Geld, Personal und Strukturen lassen sich daran bemessen, wie die Vision des Bistums aussieht.“

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