Geistliches Leben

Freitag, 26. Mai 2017

Von Jesus hoffen und glauben lernen

Gott wird auch uns in seine Herrlichkeit aufnehmen – Gedanken zum Johannes-Evangelium 17, 1–11a von Pastoralreferentin Luise Gruender

Dass Jesu Gebetsleben sehr beeindruckend war, berichtet die Bibel an mehreren Stellen: Im Markus-Evangelium erfahren wir, dass Jesus morgens noch vor Tagesanbruch aufstand, um an einer einsamen Stelle zu beten. Das Lukas-Evangelium berichtet, dass Jesus manchmal die ganze Nacht über im Gebet zu Gott blieb. Und so bekommen offenbar auch die Jünger bald den Wunsch, von Jesus beten zu lernen.

Der vorliegende Text beinhaltet das Gebet Jesu, das er nach dem Ende seiner Abschiedsreden an die Jünger gebetet hat. Dieses Gebet ist nicht nur deshalb besonders, weil es das längste Gebet Jesu ist, das in der Bibel ausführlich beschrieben wird. In diesem Gebet betet Jesus als „Hoherpriester“ stellvertretend für die Menschen in der ganzen Welt.

Wir können Jesu Herzensanliegen und sein Lebensziel erfahren. Alles steht ganz im Einklang mit dem Willen Gottes. Jesus betet für die Verherrlichung Gottes. Dabei hat er ein klares Bewusstsein für die Zeit, in der er leiden und sterben soll. Diese Stunde ist nun gekommen. Schon bald würde er verhaftet und vor den Hohen Rat gestellt werden, woraufhin unsägliches Leiden beginnen würde. Niemand leidet gerne. Meistens versuche ich dem Leiden auszuweichen – Jesus aber versucht genau das nicht: Er betet nicht dafür, dass Gott die Stunde des Leidens verschieben oder ganz wegnehmen möge. Vielmehr spricht er: „Vater, die Stunde ist da: Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche.“ Das griechische Wort für „verherrlichen“ bedeutet ehren, verklären oder offenbaren. Jesus betet dafür, dass Gott ihn offenbaren würde, indem er nach Gottes Plan sterben würde, damit er Gott dadurch verherrlicht. So lehrt uns Jesus auch im Vaterunser zu beten: „Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt“ (Mt 6,9).

Richtig, ja, als Christ habe ich den Wunsch, Gott zu verherrlichen. Aber wie oft kann ich nicht wirklich nach diesem Wunsch leben, weil ich gleichzeitig auch eigene ichbezogene Wünsche und Interessen habe, die dem Interesse Gottes entgegenstehen. Deshalb kann ich hier von Jesus lernen, Vers 2 macht mir Mut: Durch Jesu Tod kommt ein gewaltiger Segen zu uns Menschen, weil Jesus von Gott die Macht bekommen hat, den Menschen das ewige Leben zu geben, egal wie intelligent, wie reich oder wie einflussreich sie in der Gesellschaft sind.

Aber was ist dieses ewige Leben? Es ist eben nicht einfach eine Fortsetzung des Lebens hier. Mit einem neuen, kräftigen und herrlichen Leib werde ich in die himmlische Stadt ziehen, deren fantastische Schönheit in den letzten beiden Kapiteln der Bibel beschrieben wird. Aber das wohl Großartigste am ewigen Leben ist, dass ich dann den wahren Gott und Jesus immer tiefer erkennen werde. Diese Erkenntnis ist höher als der höchste Berg und weiter als das Universum, so dass ich täglich neu über Gott begeistert sein und spontan seine Herrlichkeit preisen werde.

In Vers 4 legt Jesus vor Gott Bericht ab über sein Leben auf der Erde. Wie viele Berichte habe ich schon in meinem Leben geschrieben: als Kind in der Schule, als Student an der Uni oder als Angestellter am Arbeitsplatz. Aber der mit Abstand wichtigste Bericht ist der, den ich am Ende meines Lebens vor Gott ablegen muss. Was werde ich einmal Gott über mein Leben berichten? Jesus konnte am Ende seines Lebens auf der Erde sagen, dass er Gott verherrlicht und das Werk vollendet hatte, das Gott ihm gab. So ist es gut, wenn auch ich diesen Wunsch habe. Jesu Gebet zeigt mir, dass ich Gott vor allem dadurch verherrlichen soll, dass ich die Aufgabe, die er mir gegeben hat, tue und vollende. Jesus konnte sich für Gottes Werk hingeben und es vollenden, weil er wusste, dass Gott ihm nach allem Leid die Herrlichkeit geben würde. Diese Hoffnung brauche ich auch.

Jesus betet für seine Jünger und hilft ihnen so, Gott und auch ihn zu erkennen. Dafür gab Jesus den Jüngern die Worte, die er vom Vater empfing. Denn Gottes Wort hat die Kraft, mich für die unsichtbare, geistliche Wirklichkeit zu öffnen, so dass ich Gott und Jesus als Gottes Sohn erkennen kann. Das braucht Zeit und geht nicht von heute auf morgen, aber es klappt: Das Evangelium berichtet, dass die Jünger die Worte Jesu annahmen und sich zu großartigen geistlichen Persönlichkeiten veränderten, die Gottes Herz und sein Werk tief verstehen und bis heute unzählige Menschen zum Glauben führen konnten. Wie sehr wünsche ich mir das auch für mich selbst!


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