Kultur

Mittwoch, 26. Juli 2017

Vor 175 Jahren starb Clemens Brentano

Ein großer Dichter, der sich selbst als „Pontifex minimus“ gesehen hat

Clemens Brentano gilt als ein Hauptvertreter der Heidelberger Romantik. Foto: actionpress

Geografisch ist Clemens Brentano kaum festzulegen. Genauso schwer lassen sich Werk und Charakter des Dichters einordnen. Er war Mitherausgeber der Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“, Chronist des Leidens der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick und Schöpfer von Lyrik, die schlechthin Inbegriff der Romantik wurde. Vor 175 Jahren, am 28. Juli 1842, endete ein Dichterleben, das sich nur als rastlos bezeichnenlässt.

1778 kommt Clemens in Koblenz-Ehrenbreitstein als drittes von zwölf Kindern des italienischen Kaufmanns Pietro Antonio Brentano und seiner Frau Maximiliane zur Welt. Er ist ein schwieriges, überaus fantasiebegabtes Kind. Nach vier freudlosen Jahren bei seiner Tante beginnt für den Zwölfjährigen eine Odyssee zwischen dem Rheinland, Thüringen, Baden und dem Elternhaus in Frankfurt.

Im väterlichen Kontor beweist er sein literarisches Talent, indem er Geschäftsbriefe und Rechnungen in Verse kleidet, was wenig Beifall findet.

Brentano ist 18 Jahre alt, als der Vater stirbt; dank des beträchtlichen Erbes bleiben den Kindern finanzielle Sorgen erspart. Doch Clemens gibt ihm die Schuld am Tod seiner Mutter, die mit gerade mal 37 Jahren verstarb. 1803 heiratet er die Jenaer Dichterin Sophie Mereau Sie stirbt drei Jahre später. Brentano schließt sich mehr und mehr dem konservativen Münchner Kreis um Joseph Görres an, während seine Schwester Bettine eine engagierte Vertreterin des „Vormärz“ werden sollte. 1811 heiratete sie Clemens’ Freund Achim von Arnim, mit dem er das „Wunderhorn“ (1805 bis 1808) herausgegeben hatte.

1816 zeichnet sich eine Wende in Brentanos Leben ab. Er besinnt sich auf seinen katholischen Glauben; 1817 legt er die Generalbeichte ab und schwört – zumindest nominell – der weltlichen Schriftstellerei ab.

Dahinter steht aber wiederum eine Frau. Brentano umwirbt die Dichterin Luise Hensel, die auf sein Wirken katholisch wird. 1818 begibt er sich  ins westfälische Dülmen, um sechs Jahre lang die Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick (1774 bis 1824) aufzuzeichnen. Beim Verfahren zu deren Seligsprechung 2004 stellte sich jedoch heraus, dass Brentano Fakten und Anmerkungen vermischt hat – er war nun mal Dichter.

In München begegnet er der Baseler Malerin Emilie Linder. Die Freundschaft mit ihr währt bis zu seinem Tod Ein Großteil seines Werks wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht. Brentano selbst hatte eine sehr eigene Meinung von seinen Talenten.

„Ich habe überhaupt auf der Welt noch nichts getan, als dass ich schon oft sich fremde Menschen zusammengeführt habe, die sich viel geworden“, schreibt er an den Maler Philipp Otto Runge. „Damit bescheide ich mich als der geringste Brückenbauer, Pontifex minimus.“ (S. Kleyboldt, kna)

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