Im Gespräch

Mittwoch, 04. November 2015

„Was ist, wenn wir nicht helfen?“

Kirchen wollen Regierungen in der Flüchtlingskrise unterstützen

Die Menschen haben oft eine wochen- oder sogar monatelange Flucht vor Krieg und Gewalt hinter sich. Viele sind traumatisiert. Foto: actionpress

Der nicht abreißende Strom der Flüchtlinge vor allem aus den Kriegs- und Krisengebieten des Mittleren Ostens fordert die Kirchen in Europa heraus. So hat der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Erzbischof Georges Pontier von Marseille, die EU-Staaten für ihren Mangel an Solidarität in der Flüchtlingskrise kritisiert. Europa müsse sich auf faires, mutiges und konkretes Handeln einigen, um die Migranten würdig zu empfangen, sagte er in seiner Eröffnungsrede bei der Herbstversammlung der französischen Bischöfe in Lourdes. 118 Bischöfe tagen noch bis 8. November in dem südfranzösischen Wallfahrtsort. Als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz nimmt der Speyerer Weihbischof Otto Georgens an dem Treffen teil.

Wende im Kopf notwendig
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat eine anwaltschaftliche Haltung gegenüber Flüchtlingen gefordert. „Was wird aus ihnen, wenn wir ihnen nicht helfen?“, fragte der Erzbischof von München und Freising bei einem Gottesdienst am Allerheiligensonntag. Solange man stattdessen, auch in der politischen Welt, nur frage: „Was wird aus uns, wenn wir den Schwachen helfen, wenn wir den Notleidenden beistehen?“, habe man „diese Wende im Kopf“ nicht verstanden.

Kirchen wollen Mut machen
Kirchenführer aus 20 Ländern und 35 Bischöfe haben den Regierungen Unterstützung bei der Suche nach langfristigen Lösungen der Flüchtlingskrise angeboten. Zugleich forderten sie die Parteien auf, die humanitäre Krise nicht für politische Ambitionen zu missbrauchen oder Vorteile daraus zu ziehen. Die Ängste in der Bevölkerung dürften nicht die Gestaltung der Politik bestimmen, heißt es in einem am 30. Oktober in München veröffentlichten gemeinsamen Papier. Zu dem Treffen hatten unter anderen der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eingeladen.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm nannte die Kirchen einen wichtigen internationalen Akteur der Zivilgesellschaft. „Wir wollen in unseren Ländern Mut machen, auch in Zukunft solidarisch mit Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror zu sein.“ ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit lobte Kanzlerin Angela Merkel. Diese habe eine klare und verantwortungsvolle Führung bewiesen, als sie Menschen auf der Flucht Schutz geboten habe. Gerade in diesen Tagen brauche es politisch Verantwortliche, die ihr Handeln auf Menschenwürde gründeten.

In ihrem Papier räumen die Kirchen ein, dass die Integration der Neuankömmlinge harte Arbeit bedeute. Christen aber seien ein Volk der Hoffnung, „und wir können die Ankunft von Flüchtlingen in unserer Mitte als einen potenziellen Segen ansehen“. Im Geiste der Solidarität, Zusammenarbeit und Gemeinsamkeit müsse Europa nicht nur diese Notsituation bewältigen, sondern die damit verbundenen Herausforderungen schultern. So gehe es darum, die Menschen in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen Bildung zu geben.

Erinnerung an „C“ im Namen
Im Zusammenhang mit dem  Spitzengespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit CSU-Chef Horst Seehofer und dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel zur Flüchtlingskrise hatten sich Politiker und Kirchenvertreter zu Wort gemeldet. So appellierte der frühere CDU-Sozialminister Norbert Blüm in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ an die Union, sie solle sich auf ihre christlichen Wurzeln besinnen. „Für die CDU stellt sich – ob gewollt oder nicht – die Flüchtlingsfrage als ihre Gewissensfrage: Wie hältst du es mit dem C im Parteinamen?“ (red)

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