Kultur

Mittwoch, 26. August 2015

„Was lesen Sie denn da?“

Bücherlesen im öffentlichen Raum macht neugierig

Was Menschen in ihrer Freizeit lesen, interessiert einige Zeitgenossen. Nur wenige trauen sich aber, danach zu fragen. Foto: Pictures news/Fotolia.de

Ist es neugierig, kontaktfreudig oder einfach nur indiskret und peinlich, einen Leser am Strand, im Schwimmbad oder im Zug auf das dicke Buch anzusprechen? Neugierige Baden-Württemberger schlagen dabei gehemmte Saarländer.

„Was lesen Sie denn da?“ – Immerhin 16,6 Prozent der Baden-Württemberger finden diese Frage gar nicht peinlich und erkundigen sich nach dem Inhalt des gelesenen Buches. In feiner Zurückhaltung üben sich dagegen die Saarländer mit mageren 4,7 Prozent, der Bundesdurchschnitt liegt bei 13,5 Prozent. Das ergab eine Umfrage unter 5000 Deutschen im Auftrag von „Vorsicht Buch!“, einer Kampagne der deutschen Buchbranche.

Muss man sich um das Saarland Sorgen machen? „Ganz und gar nicht“, meint Brigitte Gode, Inhaberin der Buchhandlung Gollenstein in der saarländischen Kur- und Barockstadt Blieskastel. „Man muss den Saarländern nur laut vorlesen, dann steigen sie ein! Am Welttag des Buches haben wir in der Stadt Schüler vorlesen lassen: Jeder blieb stehen und fing ein Gespräch an!“

Prinzipiell neugierig auf den Lesestoff der anderen sind eine ganze Menge der Befragten. 57,5 Prozent versuchen wenigstens, den Buchtitel zu erspähen. Frauen sind mit 62,4 Prozent dabei deutlich neugieriger als Männer, die es auf einen Durchschnitt von 52,3 Prozent bringen. Die Teenager sind beim heimlichen Erspähen Spitzenreiter mit 70,5 Prozent, die über 60-Jährigen sind mit einem Anteil von 48,2 Prozent gelassener geworden.

Wie ist denn das Buch? Ist es wirklich so gut? Am Urteil der Lesenden interessiert sind viele der Befragten. Doch, so zeigt sich, wünschen ist hier stärker als tun: Fragen, ob das Buch denn gut ist, würden gerne 24,6 Prozent aller Befragten. Es tatsächlich tun, das machen dann aber nur 16,5 Prozent. Am direktesten sind dabei die Rheinland-Pfälzer: Hier schreiten 20,5 Prozent der Befragten zur Tat und sprechen den Lesenden an. Die zurückhaltenden Thüringer oder die Hamburger können sich da eine Scheibe Kontaktfreudigkeit abschneiden. In der Hansestadt ist man mit 9,7 Prozent nämlich nur ein kleines bisschen weniger zurückgenommen als beim Schlusslicht aus der Mitte Deutschlands mit 9,6 Prozent der Befragten. (red)

 

Die Initiative „Vorsicht Buch!“

„Vorsicht Buch!“ ist eine bundesweite Initiative der deutschen Buchbranche, die im März 2013 auf der Leipziger Buchmesse startete. Verantwortlich für die Kampagne ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. Ziel von „Vorsicht Buch!“ ist es, Menschen für Bücher zu begeistern und den Buchhandel vor Ort zu stärken.
www.vorsichtbuch.de

 

 

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