Wochenkommentar

Freitag, 26. Januar 2018

Wehret den Anfängen

Thema „Flüchtlinge“ wird zu Hetze und politischer Verführung missbraucht

Erst ließ Hitler seine willigen Helfer gröhlen „Deutsche kauft nicht bei Juden“ und „Die Juden sind unser Unglück“. Am Ende wurden sechs Millionen  Menschen ermordet, weil sie Juden waren. Seitdem sind plus/minus 80 Jahre vergangen, und schon gefallen sich manche Zeitgenossen in einem neuen (alten) Antisemitismus, der ja nichts anderes ist als Menschenverachtung. Auch anderswo, zum Beispiel in Frankreich, werden Juden bedroht und attackiert. Bei uns aber tönt Antisemitismus aus einer politischen Partei, der AfD, und damit neuerdings aus dem Bundestag.

Es ist gut, dass angesichts dieser Entwicklung eine große Mehrheit der Abgeordneten eine Antisemitismus-Resolution gefasst und einen Antisemitismus-Beauftragten gefordert hat. Aber ein solcher Beauftragter kann nur etwas bewirken, wenn die Menschen – Politiker und Bürger – aus Überzeugung und aus Verantwortung sich offen gegen dieses dumpfe Denken und Reden stellen, das an die finstersten Zeiten der deutschen Geschichte erinnert. Über den staatlich organisierten Massenmord darf es keine Witzchen und keine Pöbeleien geben.

Hitler und seine Nazis wollten ein „rein arisches deutsches Volk“ (obwohl Hitler selbst keineswegs den Arier-Typ verkörpert hat). Heute hören wir von Abgeordneten der „Alternative für Deutschland“ (AfD): „Wir wollen, dass Deutschland auch in 20 Jahren noch deutsch ist“. Mit dieser Begründung machen sie Stimmung pauschal gegen Flüchtlinge, vor allem und ausdrücklich gegen Muslime. Hier paart sich die Stimmungsmache gegen Juden mit einem Kampf gegen Muslime: Menschen werden  verachtet und hasserfüllt abgelehnt, weil sie einer anderen Religion angehören oder weil sie „Fremde“ und vielleicht irgendwie „anders“ sind. So werden Probleme, auch sehr ernste Probleme, die es in dem vielschichtigen Thema „Flüchtlinge“ zweifellos gibt, zur Hetze und  zur politischen Verführung missbraucht. Weder einschlägigen Politikern noch anderen „Antis“ geht es um Sachlichkeit.

„Wehret den Anfängen“. Aus unserer jüngeren Vergangenheit, wissen gerade wir Deutsche, wie richtig und wichtig diese Warnung ist – egal ob es um Hetze gegen Juden oder gegen Muslime geht. Denn wir kennen die Folgen. (Rudolf Bauer)

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