Geistliches Leben

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Weltweite Weihnacht

Die Geburt Jesu Christi hat globale und kosmische Dimensionen - Gedanken zum Matthäus-Evangelium 2, 1–12 von Pastoralreferent Martin Wolf

In der alten Weihnachtskrippe meiner Großeltern waren die Heiligen Drei Könige die prächtigsten Figuren. Gekleidet in farbige Umhänge, mit goldenen Kronen auf dem Kopf. In keiner Weihnachtskrippe, die ich kenne, fehlen sie. In der Bibel dagegen sind sie eher Randgestalten. In der Weihnachtsgeschichte des Lukas etwa kommen sie gar nicht vor. Einzig Matthäus erwähnt sie in seinem Weihnachtsevangelium. Doch auch dort erscheinen sie ganz anders, als sie in der Krippe meiner Großeltern dargestellt sind.

Von drei Königen ist da keine Rede, vielmehr von namenlosen Sterndeutern aus dem Osten. Von Menschen also, die nachts die Sterne beobachten, um daraus etwas für die Zukunft abzuleiten. Astrologen würden wir heute sagen. Was vielen heute als Unfug und Pseudowissenschaft gilt, war zur Zeit Jesu eine anerkannte Wissenschaft und Sterndeuter waren angesehene Gelehrte.

Die Geburt eines neuen Königs der Juden wollen diese Weisen aus dem heutigen Persien oder Jordanien also am Himmel entdeckt haben und machen sich darum auf den langen Weg nach Judäa. Erst in der späteren Frömmigkeit haben diese unbekannten Sterndeuter ihre Karriere gemacht. Schon bald wurden sie von den Gläubigen als Könige verehrt. Dass es sie wirklich gegeben hat, erscheint freilich eher unwahrscheinlich. Die Weihnachtsgeschichten der Bibel berichten ja keine gesicherten historischen Ereignisse. Sie sind vielmehr Geschichten, die auf einen tieferen Sinn hinweisen wollen.

Durch die Sterndeuter wird die scheinbar so heimelige Weihnachtsgeschichte gewissermaßen weit. Weltweit sogar. Ihr Auftauchen erzählt fast beiläufig davon, dass das Ereignis nicht nur für eine kleine Familie am Rande der damaligen Welt Bedeutung hat. Dass es vielmehr weit über Judäa hinaus strahlt. Weltweit sogar. Dafür stehen nicht zuletzt die Namen, die man den Weisen später gegeben hat und die aus drei verschiedenen Sprachen stammen sollen: Caspar, Melchior und Balthasar. Sie stehen gleichsam stellvertretend für die damals bekannte Welt. Mehr noch: Indem sie einem Stern folgen, bekommt dieses Ereignis sogar eine kosmische Dimension.

So ist es gut möglich, dass sich hinter der Geschichte von den Sterndeutern eine uralte Vorstellung verbirgt. Dass nämlich mit der Geburt eines Menschen, und zwar eines jeden Menschen, auch ein neuer Stern am Himmel erscheint. Ein Stern, der ihm sein Leben lang leuchtet und mit seinem Tod wieder erlischt. Es ist ein Motiv, das auch heute noch gelegentlich in Geburts- oder Todesanzeigen begegnet. Naturwissenschaftlich ist das natürlich blanker Unsinn, und dennoch bleibt es ein wunderbares Bild. In dieser Vorstellung müsste der besonders hell strahlende Stern die Weisen also auf die Geburt eines besonders wichtigen Menschen hingewiesen haben.

Was sie am Ziel ihrer Reise antreffen, ist freilich alles andere als besonders. Eine Kleinfamilie in einem Haus, heißt es bei Matthäus. Doch trotz der wenig spektakulären Umstände holen die Männer nun unfassbar wertvolle Geschenke hervor, die sie dem neugeborenen Kind mitgebracht haben. Gold, das wertvollste Material der damaligen Zeit. Weihrauch, der beim Gottesdienst als Zeichen der Hingabe an Gott dient. Und die Myrrhe, ein aromatisches Baumharz, das unter anderem für die Einbalsamierung von Verstorbenen verwendet wird. Es sind symbolische Geschenke, in denen sich das spätere Lebensschicksal Jesu andeutet.

In der Vorstellung eines persönlichen Sterns, der jedem Menschen leuchtet, schwingt aber noch etwas anderes mit. Der Gedanke, dass jeder Mensch nicht nur auf der Erde verwurzelt ist, sondern auch eine Verbindung zum Himmel hat, die niemals ganz abreißen wird. Ein ziemlich tröstlicher Gedanke, wenn es das Leben gerade nicht so gut mit uns meint.

Und es ist die Botschaft, die auch von Weihnachten ausgeht. Dass Himmel und Erde zusammenkommen. Weil Gott sich in Jesus, dessen Geburt wir jetzt wieder feiern, menschlich gemacht hat. Und weil er uns damit so nahe gekommen ist, wie man es sich näher gar nicht vorstellen kann.

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