Wochenkommentar

Mittwoch, 20. Juni 2018

Weltweiter Priestermangel

Katholische Kirche muss bald Lösungen finden

Das sind Zahlen, die die meisten in Deutschland verblüffen dürften: In Europa ist der Priestermangel am geringsten, und die Zahl der Ständigen Diakone ist die weltweit am stärksten wachsende Gruppe der seelsorglichen Berufe. Das Statistische Jahrbuch der Kirche für das Jahr 2016, das der Vatikan jetzt veröffentlicht hat, weist klar aus: Den größten Priestermangel, gemessen an der Zahl der Katholiken pro Priester, gibt es aufgerechnet im katholisch geprägten Südamerika, wo auf einen Priester sage und schreibe 7 200 Katholiken kommen. In Afrika sind es im Vergleich dazu  1:5 000, in Asien 1:2 200 und in Europa „nur“ 1:1.600. Eine große Rolle spielt bei diesen Zahlen, dass es in Europa mit Abstand die kleinsten Bistümer gibt.

Was sagt uns diese Statistik? Zunächst und vor allem führt sie uns deutlich vor Augen, dass wir die Probleme in Europa bei allem Realismus nicht überschätzen dürfen; die Gefahr, dass das passiert, ist gerade  in Deutschland besonders groß. Andererseits heißt das nicht, dass es richtig wäre, den hiesigen Mangel an Priesternachwuchs zu beschönigen oder zu relativieren.  Der Priestermangel ist allerdings ein großes Problem der Gesamtkirche, das nach einer Lösung schreit, viel mehr noch auf anderen Kontinenten als in Europa. In Südamerika machen freikirchliche, täuferische und pfingstlerische Gruppierungen der dort eigentlich so stark verwurzelten katholischen Kirche schwer zu schaffen; diesen Trend hat auch der Papst aus Argentinien bisher nicht umdrehen können. In Afrika, wo die Zahl der Katholiken zuletzt um 23 Prozent (!) gewachsen ist, ist der Zölibat ein Hindernis für mehr Priesterberufungen. Nicht nur in Wohlstands- und Überflussgesellschaften hat die Kirche es also schwer, Nachwuchs zu gewinnen.

Was tun? Die katholische Kirche, die in Jahrhunderten denkt, darf nicht überstürzt handeln, sondern muss die Lage gut und mit Bedacht analysieren und daraus möglichst bald entschiedene Konsequenzen ziehen. Erprobte verheiratete Männer (viri probati) zu Priestern weihen, Frauen zum Diakonat zulassen und engagierte Laien mit wesentlich mehr Aufgaben als bisher betrauen – das könnten Wege sein, die zumindest etwas Abhilfe schaffen könnten. Allzu lange warten kann die Kirche damit nicht mehr. (Gerd Felder)

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