Wochenkommentar

Mittwoch, 15. August 2018

Wichtige Klarstellung

Die Todesstrafe muss global geächtet werden

Wie selbstverständlich in vielen Ländern der Erde noch die Todesstrafe verhängt wird, häufig um damit unliebsame politische Gegner ein für allemal los zu werden, darf keinen aufrechten Menschen ruhen lassen. Von China, dem Iran oder Nordkorea erfahren wir nicht einmal genaue Zahlen; fest steht aber auf jeden Fall, dass dort Menschen Jahr für Jahr geradezu in Scharen dem Henker übergeben werden – ein Skandal. Dass auch die USA als demokratisches Vorzeigeland an der Todesstrafe festhalten, ist ein fast noch größerer Skandal.

Lange, viel zu lange hat auch die katholische Kirche eine unklare Position gegenüber der Todessstrafe vertreten. Der Weltkatechismus von 1993 hatte sie noch nicht ganz ausgeschlossen, sondern lediglich als „inhumane Maßnahme, die die Menschenwürde verletzt“ bezeichnet. Papst Johannes Paul II., der sich damals schon eine klarere Formulierung gewünscht hätte, hatte sich – kaum zu glauben! – nicht durchsetzen können. So konnte sich vor allem der eine oder andere kleine oder große katholisch geprägte Diktator immer noch darauf berufen, dass es kein klares Verbot der Kirche gab. Damit ist jetzt Schluss. Papst Franziskus, der sich öfter deutlich gegen die Todesstrafe gewandt hatte, hat eine Änderung im Katechismus vornehmen lassen, so dass sich jetzt kein Katholik, sei er nun „normaler“ Gläubiger oder Staatsmann, mehr auf die Kirche stützen kann, wenn er Hinrichtungen befürwortet.

Eine Frage, die aus katholischer Sicht immer eine große Rolle spielt: Ist das eine Änderung der offiziellen Lehre? Nach Ansicht des Präfekten der Glaubenskongregation, Luis Ladaria, der darin nur eine „konsequente Weiterentwicklung“ sieht, nicht. Das mag der eine oder andere anders sehen, ist aber letztlich ein Streit um des Kaisers Bart; entscheidend ist das Ergebnis. Was wir längst brauchen, ist eine massive internationale Kampagne, die die Todesstrafe und ihre Verfechter an den Pranger stellt und ächtet. Es muss bis in den letzten Winkel dieser Erde getragen werden, dass es einen Verstoß gegen die Menschenwürde darstellt, sich an die Stelle Gottes zu setzen und jemanden – möglicherweise sogar zu Unrecht – zum Tode zu verurteilen. Würde der Vatikan sich an die Spitze dieser Bewegung stellen, dann würde das die Wirksamkeit deutlich steigern. (Gerd Felder)

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