Im Gespräch

Dienstag, 21. Mai 2019

Wie weiter nach Maria 2.0?

Frauenbischof Franz-Josef Bode mit Kritik und viel Verständnis

Aus der Mitte der Kirche hinaus: An zahlreichen Orten – auch über Deutschland hinaus – beteiligten sich Frauen an der Protestaktion. Foto: KNA

Eine Woche lang bewegte die Initiative Maria 2.0 nicht nur die Frauen in der katholischen Kirche. Die Resonanz war groß. Doch was hat es gebracht?

Erst fing es klein an – mit einer Handvoll katholischer Frauen in Münster. Denen es nicht mehr reicht, im Kirchenchor zu singen, Fürbitten im Gottesdienst vorzulesen, Kinder auf die Kommunion vorzubereiten und im Pfarrgemeinderat mit zu diskutieren. Und bei denen der Umgang mit dem Missbrauchsskandal das Fass zum Überlaufen brachte.

Sie wollen mehr: Eine weiblichere Kirche – bis hin zur Priesterweihe, an die immer noch die entscheidenden Ämter und Befugnisse geknüpft sind. Zumindest die Weihe zur Diakonin sollte aus ihrer Sicht möglich sein. Und um diesen schon länger bekannten Forderungen Nachdruck zu verleihen, starteten sie die Aktion Maria 2.0. Verbunden mit einem „Kirchenstreik“, auch wenn viele das Wort nicht mögen: Eine Woche lang wollten sie kein Gotteshaus betreten, alle Ehrenämter ruhen lassen und stattdessen Gebetswachen, Maiandachten und alternative Gottesdienste vor der Kirchentür veranstalten.

Große Resonanz

Als „ehrenamtliche Initiative ohne Geld und Personal“ hätten sie keinen Gesamtüberblick über die exakte Beteiligung, berichtete Mit-Initiatorin Lisa Kötter der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Doch sie wüssten von mehr als 1.000 Gruppen in Deutschland „mit mehreren Zehntausend Leuten mindestens“, die mitgemacht hätten. Rückmeldungen gebe es zudem aus halb Europa, Nord- und Südamerika und aus Australien.

Sie sei „überwältigt“ von der Resonanz, sagte Maria Flachsbarth, die Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB), der KNA. Maria 2.0 habe gezeigt, dass die Forderungen nicht nur von „ein paar verrückten Aktivistinnen an der Spitze der Frauenverbände“ getragen würden, sondern „von der breiten Mehrheit der Frauen an der Basis, die das aktive Gemeindeleben vor Ort entscheidend tragen und prägen“.

Natürlich gibt es auch Kritik – und das nicht zu knapp. Vor allem die Berufung auf Maria und der Boykott der Gottesdienste stoßen vielen auf. Vom „Verrat am Kern des Glaubens“ ist die Rede und vom „Missbrauch der Gottesmutter“. Die Schongauer Lehrerin Johanna Stöhr, die als Alternative die Aktion Maria 1.0 ins Leben rief, erklärte: „Maria braucht kein Update.“ Wer als Frau nach Weiheämtern strebe, sei „auf dem Holzweg“.

Und die Bischöfe? Der Gottesdienst-Streik stößt auch bei ihnen auf wenig Gegenliebe, wie der für Frauenfragen zuständige Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode im KNA-Interview betonte: „Die Eucharistie kann kein Instrument eines solchen Protests sein.“ Ein Boykott könne sogar die differenzierte Auseinandersetzung gefährden. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kritisierte die Aktion indirekt, als er bei einer Predigt im Marienwallfahrtsort Bödingen sagte: „Hier begegnen wir einer Maria, die nicht verwendet wird zur Durchsetzung kirchenpolitischer Überlegungen.“

Bischöfe: Kritik und Verständnis

Bischof Bode zeigte neben der Kritik aber auch viel Verständnis für den Frust und die Anliegen der Frauen: „Es wird zu Spaltungen kommen, wenn fundierte Reformforderungen nicht ernst genommen werden und wir in den Veränderungen der Welt nicht auch zu neuen Antworten kommen.“
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte im rbb: „Ich nehme diese Frauen sehr ernst mit dem, was sie einbringen wollen.“ Der Würzburger Bischof Franz Jung und Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr forderten eine neue Debatte über die Weihe von Frauen, die bisher ausgeschlossen ist. Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer dagegen sieht dauerhaft keine Möglichkeit der Weihe: „Es führt uns keinen Millimeter weiter, wenn wir uns die Geschichte der Kirche zurechtbasteln, um uns dann am Ende etwa ein Frauenpriestertum zu genehmigen“.

Auch der Freiburger Kirchenrechtler Georg Bier sieht beim Priesteramt keinerlei Spielraum. Papst und Lehramt hätten hier „das letzte Wort gesprochen“, sagte er der KNA. Bei der Frage nach Diakoninnen sei dies anders – was mehrere deutsche Bischöfe ähnlich formulieren. Eine mögliche Änderung könne aber alleine vom Papst ausgehen.

„Protestwelle keine Eintagsfliege“

Und wie geht es jetzt weiter? Die Protestwelle sei „keine Eintagsfliege“, erklärte die Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Mechthild Heil. Und mahnte gleichzeitig: „Wenn wir nicht bald sichtbare und spürbare Veränderungen haben, läuft die Amtskirche Gefahr, dass die Frauen ihr scharenweise den Rücken kehren.“

Sie setzt – genau wie KDFB-Präsidentin Flachsbarth und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) – auf den sogenannten Synodalen Weg, den die Bischofskonferenz beschlossen hat und ab Herbst gemeinsam mit katholischen Laien und Verbänden gehen will.

Ebenso wie etliche seiner Amtsbrüder sieht auch Hamburgs Erzbischof Stefan Heße in Maria 2.0 einen „Impuls für den Dialog“. Er wirbt ausdrücklich für eine Beteiligung der Initiative am Synodalen Weg. Auch die Amazonas-Synode im Herbst könne die Kirche in der Frage nach dem Zugang zum Priesteramt voranbringen, hofft Flachsbarth. Zugleich ruft sie die deutschen Bischöfe auf, die Reformdiskussionen auf Bundesebene auch als Impuls in die weltkirchliche Debatte einzubringen.

Die Initiatorinnen aus Münster freuen sich nach der turbulenten Woche erst einmal auf ein wenig Zeit zum Ausruhen. Doch nicht zu lange, so Mit-Initiatorin Kötter. Konkret plant man unter anderem eine Konferenz mit anderen Gruppen aus aller Welt, die sich für Veränderungen in der Kirche einsetzen. (Gottfried Bohl, kna)

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