Kultur

Mittwoch, 23. Mai 2018

Wormser Dom: Schauplatz großer Ereignisse

Mit einem Festprogramm erinnern die Wormser an das 1000-jährige Bestehen des Wormser Doms

Vor 1000 Jahren weihte Bischof Burchard den Wormser Dom. Foto: Actionpress

Bedächtig steigt Tobias Schäfer die Stufen zum Altarbereich im Ostchor des Wormser Doms hinauf. Sein Blick schweift in die Tiefe des Kirchenschiffs, vorbei am Chorgestühl, an alten Heiligenfiguren, vorbei am abwechslungsreichen Lichtspiel, das die vielfarbigen Fenster der Seitenschiffe in den Raum werfen. Zufrieden sagt er: „Diese unglaubliche Raumwirkung! Je nachdem, zu welcher Tageszeit man hereinschaut, ist das ganz verschieden!“ Schäfer ist Propst und damit Hausherr über den Wormser Dom Sankt Peter. Der 52-Jährige hat 2017 silbernes Priesterjubiläum gefeiert – und feiert nun ein viel runderes Jubiläum: Die Weihe des Doms vor 1000 Jahren.

Im Mittelalter gab es noch ein Bistum Worms mit eigenem Bischof. Im Jahr 1000 wurde Burchard zum Wormser Bischof geweiht. Die bestehende Kirche aus dem siebten Jahrhundert war ihm zu klein, weshalb er sie niederreißen und binnen 15 Jahren eine Kathedrale aufbauen ließ. Am 9. Juni 1018 weihte Burchard, an den heute eine Bronzestatue vor dem Dom erinnert, den romanischen Bau. Doch schon nach wenigen Jahren kam es zu einem ersten Teileinsturz, es gab Bauschäden. Schon zwischen 1130 und 1181 wurde Burchards Gotteshaus daher abgerissen und neu aufgebaut – wieder im romanischen Stil und weitgehend den damaligen Maßen entsprechend.

„Vom Grundriss entspricht das damals entstandene Gotteshaus dem jetzigen Dom mit den vier runden Flankentürmen“, sagt Schäfer. Dem neuen Dom kamen die Fortschritte der Technik zugute: Jetzt konnten die Baumeister eine gewölbte statt einer flachen Decke einziehen. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Kirche mehrfach beschädigt, zuletzt im Zweiten Weltkrieg, als der hölzerne Dachstuhl abbrannte und durch ein Stahlkonstrukt ersetzt wurde.

Mit der Auflösung des Bistums Worms nach der Französischen Revolution 1800 verlor der Dom seine Bedeutung als Bischofssitz. Er ist heute eine Pfarrkirche des Bistums Mainz, die aber 1925 den päpstlichen Ehrentitel „Basilica minor“ erhielt. Schäfer ist daher ein ganz normaler Pfarrer für rund 4500 Gläubige. Seit 2014 arbeitet er in der Dompfarrei; der Bau ist ihm schnell ans Herz gewachsen: „Das war Liebe auf den ersten Blick.“ Wer mit ihm einen Rundgang durch die Kathedrale macht, erfährt zahlreiche historische Details. Beispielsweise ist in einem farbenprächtigen Fenster, das der Glaskünstler Heinz Hindorf in den 1980ern entworfen hat, auch Luther abgebildet – äußerst ungewöhnlich für eine katholische Kirche. 1521 musste sich Luther vor dem Reichstag zu Worms rechtfertigen. Dabei weigerte er sich, seine reformatorischen Lehren zurückzunehmen, weshalb er geächtet wurde. Den Dom durfte er als exkommunizierter Ex-Mönch nicht besuchen. „Ob er sich trotzdem einmal in den Dom geschlichen hat, wissen wir nicht“, sagt Schäfer.

Für Erstaunen sorgt laut dem Propst bei vielen Besuchern des Doms, wenn er ihnen verrate: „Der erste deutsche Papst war ein Wormser.“ Es war der 972 geborene Bruno von Kärnten, der an der Wormser Domschule erzogen und auf Betreiben des deutschen Kaisers Otto III. im Jahr 996 Papst wurde. Die Vorstellung, dass einer im Alter von 24 Papst ist und von einem Kaiser eingesetzt wird, der 17 ist – beides fromme Männer, die die Welt verändern wollten – faszinieren Schäfer.

2018 aber steht keine Person, sondern der Dom als Gebäude im Mittelpunkt. Das Festjahr hat bereits einige Höhepunkte hinter sich, darunter die Weihe von fünf neuen Glocken. Nach mehr als zwei Jahren Bauzeit wurde am 18. Mai das Gemeindezentrum „Haus am Dom“ in Worms eingeweiht. Am 20. Mai zeigt das ZDF die Terra-X-Dokumentation „Der Wormser Wunderbau“. Vom 4. bis 10. Juni gibt es eine Festwoche, in deren Rahmen Altbundespräsident Joachim Gauck am eigentlichen Weihetag des Doms, dem 9. Juni, eine Festrede hält.

Das Jubiläum bewege die ganze Stadt, so Schäfer: „Die Wormser identifizieren sich mit ihrem Dom, egal ob katholisch, evangelisch oder ob sie nichts mit Kirche am Hut haben.“ (Michael Merten, KNA)

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