Geistliches Leben

Freitag, 26. Januar 2018

Zeichen der Herrschaft Gottes

Die Menschen sind betroffen von der Lehre Jesu – Gedanken zum Markus-Evangelium 1, 21–28 von Dr. Helmut Husenbeth

„Die Zeit ist erfüllt; das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ Das war, wie ein Fanal, wie ein eindringlicher Weckruf, die Botschaft des Evangeliums vom letzten Sonntag (Markus-Evangelium 1, 14 ff.). Jesus hat begonnen, Jünger zu berufen und seine Botschaft allen zu verkünden.

Nun ist er in der Synagoge von Kafarnaum, liest aus der Thora – und er legt die Heilige Schrift aus, er „lehrt“. Mehr noch: Er verkündet seine Botschaft von der Herrschaft und der Liebe Gottes.  Markus, der Jesus als den Sohn Gottes verkünden will, zeigt, dass Jesu Anspruch den der Schriftgelehrten deutlich übersteigt: Er ist ohne Alternative, denn er kommt direkt von Gott. Das ist neu, ja geradezu unerhört. Jesus beansprucht, den Willen Gottes zu lehren. Es ist durchaus verständlich, dass die Synagogenbesucher erschrecken. Es werden, wie immer am Sabbat, die frommen Juden aus Kafarnaum gewesen sein. Was Markus aber beschreibt, ist die heftige Reaktion eben dieser Menschen.

Offensichtlich sind die Worte Jesu von ganz außerordentlicher Wirkung, denn die Menschen sind „sehr betroffen“. Diese Wirkung hebt Markus heraus auch im Vergleich mit der Lehre der „Schriftgelehrten“. Markus sagt uns ganz klar: Jesus lehrt und handelt in göttlicher Vollmacht, denn er lehrt Gottes Willen. Die Schriftgelehrten dagegen – so Markus – tragen lediglich Menschengebote vor, vielleicht auch eher unwesentliche, kleinliche Vorschiften oder engherzige Auslegungen.

„Vorsicht“ – sollten wir hier sagen. Wer sind denn „die Schriftgelehrten“? Wieso sind sie so geworden, wie Markus sie beurteilt, ja, wie er deren Lehre verurteilt? Schriftgelehrter zu sein, kann ja zunächst nicht wirklich etwas Schlechtes sein. Sie haben großes Interesse an der heiligen Schrift und  an der Überlieferung. Sie fragen danach, wie man Glauben im jeweiligen „Heute“ angemessen und verantwortlich leben kann. Dies ist ja auch die Arbeit und die Verantwortung der Theologen heute. Das alles ist wichtig und notwendig, aber es birgt offensichtlich auch eine Gefahr in sich: Im Bemühen, die „reine Lehre“ zu erkennen, kann der lebendige Kontakt zum gelebten Glauben verstellt und verdunkelt werden. Vielleicht bleibt das Interesse an Nebensächlichkeiten hängen und das Wesentliche gerät aus dem Blickfeld: der lebendige Kontakt zu Gott und die Liebe zum Nächsten.

„Schriftgelehrte“, wie Markus sie bezeichnet, das sind dann Menschen, die den lebendigen Glauben verloren haben, auch solche, die über die Anhäufung von Wissen  den Zusammenhang aus den Augen verloren  haben und nicht mehr zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden können. Insofern sollte das von Markus scheinbar so nebenbei gesprochene Urteil „nicht wie die Schriftgelehrten“ uns selbst – und auch die Theologen und die Kirchenmänner – zum Nachdenken bringen, ob wir nicht selbst auch in der Gefahr stehen, Wesentliches und Unwesentliches manchmal nicht mehr zu unterscheiden. Über das Wissen und über die  Wissenschaft dürfen wir das Glaubensleben nicht vergessen. Glaube, Hoffnung und Liebe sind das Zentrum unserer Beziehung zu Gott und den Menschen. Alles andere sind nur Hilfsmittel.

Wir sollten uns fragen, ob wir noch von dem Wort Jesu, von seiner Botschaft „Betroffene“ sind und erschrecken können ob des Anspruchs der Botschaft Jesu an unseren Glauben und unser Leben, oder ob so manches für uns zur Formel und zur Routine erstarrt ist. Jesus „lehrt“ nicht nur aus göttlicher Vollmacht. Markus macht deutlich, dass Jesus auch aus dieser Vollmacht heraus „handelt“.

Wie immer wir auch die Austreibung des Bösen und die Heilung des Kranken heute deuten, sicher ist, dass Jesus den Kranken in das normale Leben und damit in die Gemeinschaft der Mitmenschen zurückführt. Die Heilung durch Jesus ist Zeichen der Liebe und der Herrschaft Gottes. Jesus handelt aus der Kraft und der Vollmacht seines göttlichen Vaters. Nicht nur in Kafarnaum, sondern „im ganzen Gebiet von Galiläa“ verbreitet sich sein Ruf. Auch uns nimmt Markus mit. Er führt uns schrittweise dazu, Jesus kennen zu lernen: durch Johannes den Täufer; in der Taufe Jesu; jetzt in der Synagoge von Kafarnaum durch sein machtvolles Wort und seine liebende Tat – und schließlich im Messiasbekenntnis des Petrus.

Markus  verkündet zunächst die gute Botschaft, dass Jesus die Menschen in ein gutes Leben führt, dass er Gemeinschaft stiftet, ja, dass mit dem Auftreten Jesu das Dämonische in dieser Welt grundsätzlich besiegt ist. Von den Hörern in Kafarnaum wird auch das Besondere dieser Situation erspürt. Sie „erschraken“ und sind „betroffen“ – und zwar von seinem Wort und seinem Tun gleichermaßen. Die Heilung durch Jesus – sie ist ein Zeichen der Liebe und der Herrschaft Gottes. Das aber ist nicht etwas Utopisches, Magisches, Zukünftiges oder Jenseitiges, sondern es hat in Jesu Leben, in seinem Wort und seinem Wirken jetzt schon begonnen.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Dr. Helmut Husenbeth
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren