Wochenkommentar

Donnerstag, 16. Juli 2015

Zum Himmel schreiend

Papst Franziskus spricht in Lateinamerika die ganze Menschheit an

Papst Franziskus hat  – wie es seine Art ist – bei seinem Besuch in Ecuador, Bolivien und Paraguay mit unüberhörbarer Deutlichkeit kritisiert, was angesichts der Verhältnisse in Südamerika laut kritisiert werden muss. Aber was er gesagt hat, gilt leider für nahezu die ganze Erde. Drei Beispiele:

Erstens. Es ist unstrittig, dass in vielen Staaten und Regionen die Armen und Schwachen erbarmungslos ausgenutzt, ausgebeutet werden. In Südamerika kommt hinzu, dass die zu einer Minderheit gewordenen Nachfolger der Urbevölkerung unterdrückt wird und oft in erbärmlichen Verhältnissen lebt. Und wie steht es um das Verständnis mancher Politiker von der Würde jedes einzelnen Menschen? Der Papst hat den Diktatoren und den Quasi-Diktatoren Südamerikas, aber auch denen, die weltweit mit ihrem Reichtum Macht-Missbrauch betreiben, deutlich ins Gewissen geredet – wenn sie denn eins haben.

Zweitens. Die vom Papst angesprochene ungerechte Verteilung des Reichtums unserer Erde hat zwar in Teilen Südamerikas eine besonders starke und skandalöse Ausprägung. Aber alle Kritik an dieser zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit, die Menschen buchstäblich tötet, gilt – mit graduellen Unterschieden –  für alle Länder und Völker.

Drittens. „In welchem Zustand wird die uns anvertraute Erde sein, wenn sie den Nachwachsenden übergeben wird?“ Diese vom Papst erneut ins Bewusstsein gerufene Frage ist gerade vor dem Hintergrund der Umwelt-Verbrechen im Amazonas-Gebiet Südamerikas zugleich eine Anklage. Denn der riesige Amazonas-Regenwald ist der wichtigste Sauerstoffproduzent der Erde. Das weiß fast jedes Schulkind. Dennoch wird er schon seit Jahrzehnten immer weiter abgeholzt, weil Konzerne rücksichtslos und gegen alle Bedenken Bodenschätze abbauen, Profit machen wollen. Ähnliches geschieht auch anderswo mit ähnlichen Ergebnissen. Und es geschieht, obwohl wir längst auf der ganzen Erde die klimatischen Folgen dieser Verantwortungslosigkeit spüren. -  Manches, was Papst Franziskus in Südamerika gesagt hat, steht in Grundzügen schon in seiner vor wenigen Wochen veröffentlichten Enzyklika. Es kann gar nicht oft und laut genug wiederholt werden. (Rudolf Bauer)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren