Wochenkommentar

Donnerstag, 23. Juni 2016

Zweifacher Mangel

Erfolg im Beruf hängt nicht von einem Studium ab

Wenn parallel zum Mangel an Azubis die Zahl der Studienanfänger steigt, wenn der Weg zum Abitur eingeebnet wird, was einer öffentlichen Aufforderung zum Studium gleichkommt, und wenn die Zahl der Studien-Abbrecher steigt, dann müssen Gesellschaft und Politik gründlich nachdenken. Die Lage wird durch Zahlen belegt: Mehr als 14000 Betriebe in Deutschland melden, dass bei ihnen keine Bewerbungen für Ausbildungsplätze eingegangen seien.

Das könnte als eine positive Nachricht verstanden werden, wenn daraus abzuleiten wäre, dass es für den Nachwuchs anscheinend keine Arbeitslosigkeit und keine Perspektivlosigkeit gebe. Doch der andere Teil einer aktuellen Untersuchung sagt: Rund ein Drittel der Betriebe kann nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen, weil es an geeigneten Bewerbern fehlt. In Wirklichkeit wird also an dieser Stelle ein zweifacher Mangel sichtbar, der Anlass zum Umdenken sein muss.

Für die Entwicklung gibt es mindestens drei Gründe. Erstens die niedrige Geburtenrate (im weltweiten Vergleich ist Deutschland vom letzten auf den vorletzten Platz „aufgestiegen“). Zweitens klagen Betriebe, Schulabgänger hätten oft erschreckende Mängel in Deutsch, Mathematik, Disziplin, Belastbarkeit und Leistungswillen. Drittens fühlen sich zu viele Eltern unter einem unausgesprochenen Druck, ihre Kinder müssten unbedingt studieren. Das ist so, obwohl alle wissen, dass nicht jede junge Frau und nicht jeder junge Mann für den akademischen Weg begabt ist, sondern andere Neigungen und wertvolle Talente hat. Ebenso ist allen bekannt, dass wir alle Berufe brauchen, und dass mit Selbstbewusstsein in allen Berufen Erfüllung, Zufriedenheit Erfolg und Ansehen zu erreichen sind.

Konsequenzen: Die Gesellschaft muss mehr als bisher den Wert und die Wichtigkeit aller Berufe begreifen und anerkennen. Und Politiker müssen dringend eine andere Schul- und Bildungspolitik in die Wege leiten, die nicht so viele Schulabgänger mit schwerwiegenden Mängeln ins Leben entlässt; eine Schulpolitik, die auch Bildung vermittelt. Erfolgreiches Wischen und Tippen auf dem Smartphone kann letztlich im Berufsleben und überhaupt eigenes Wissen nicht ersetzen. (Rudolf Bauer)

 

 

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