Geistliches Leben

Mittwoch, 21. August 2019

Alles oder Nichts

Die Tür ist eng, und irgendwann ist sie auch zu - Gedanken zum Lukas-Evangelium 13, 22-30 von Pastoralreferent Steffen Glombitza

Erschreckend klingen die Worte aus dem heutigen Evangelium. So ganz anders, als wir es von Jesus sonst gewohnt sind, oder zumindest als manch einer sich das von Jesus wünschte. „Sind es nur wenige, die gerettet werden?“ lautet die simple Frage. Auch heute ist diese Frage aktuell wie damals. Vielleicht hat der Mann, der Jesus fragte, gehofft, Jesus würde ihm antworten: „Nein, nein… viele, oder gar alle werden gerettet.“ Damit hätte Jesus jedenfalls vielen Menschen – damals wie heute – sicher einen großen Stein vom Herzen genommen, weil  sie sich dann auf der sicheren Seite wähnen könnten. Denn egal, was ich auch tue oder glaube, wenn ich nur halbwegs gut lebe, komme ich schon irgendwie in den Himmel. Jesus ist ja gut. Jesus ist ja lieb. Der wird mich nicht abweisen, wenn es so weit ist. Denkste!

Auch wenn es vielen nicht gefallen wird: Jesu Antwort ist ernüchternd. Vielen wird es eben nicht gelingen, sagt er. Die Tür ist eng und nicht groß und breit, sodass man sich gar im Schatten der Anderen hindurchmogeln könnte. So manch ein Zuhörer Jesu kannte vielleicht die unangenehme Situation, wenn das große Stadttor geschlossen wurde. Nur wer noch einen guten Grund für seine Verspätung hatte, oder wem die Wächter (aus welchem Grund auch immer)  wohlgesonnen waren konnte dann noch durch die kleine Seitentür in die Stadt hinein. War die Tür erstmal verschlossen, war man in der Nacht vor der Stadt auf sich allein gestellt. Man sollte sich also bemühen, rechtzeitig zurück zu sein. Wir sollten uns mit allen Kräften bemühen durch die Tür zu gelangen.

Was aber meint Jesus eigentlich damit? Die Antwort erschließt sich aus dem Kontext und den folgenden Versen. Dem Text voraus gehen die Gleichnisse vom Senfkorn und vom Sauerteig sowie das Gleichnis von der Heilung der Frau am Sabbat und die Mahnung zur Umkehr. Es reicht eben nicht, die Botschaft Jesu gehört,  mit ihm gegessen und getrunken, ein paar schöne Stunden mit ihm verbracht zu haben. Nein, Jesus fordert zum entschiedenen Handeln auf. Das, was die Menschen in der Begegnung mit ihm erfahren haben, muss Frucht bringen, muss weitergetragen werden. Und dafür ist nicht ewig Zeit. Denn irgendwann wird der Herr des Hauses die Tür verschließen und wer dann draußen ist, bleibt draußen. Aus und vorbei.

So hart dieses Evangelium auch klingen mag: Es führt uns überdeutlich vor Augen, dass Christ sein nichts mit Beliebigkeit zu tun hat, sondern dass es letzten Endes um Alles oder Nichts geht. Deshalb ist es so wichtig, diesen Jesus nicht nur zu hören, sondern auch in eine lebendige Beziehung zu ihm einzutauchen. Es ist wichtig, sich von diesem Jesus  im Innersten berühren zu lassen. Denn nur wer so berührt ist, kann auch andere berühren, der wird nicht müde, sich mit allen Kräften zu bemühen, durch die enge Tür  zu gelangen. Einmal mehr macht Jesus deutlich, dass es um unser Handeln geht, dass wir eine Verantwortung haben. Dass wir die Verantwortun,g die  er uns durch sein Vorbild gegeben hat, wahrnehmen und rechtzeitig  danach handeln sollen. Also am besten gleich gestern.

Das Reich Gottes gibt es eben nicht zum Nulltarif. Auch wenn das ewige Leben letzten Endes ganz Gnade, ganz Geschenk ist, dürfen wir uns damit nicht aus der Verantwortung stehlen, sondern  sollen uns mit allen Kräften bemühen. Sind wir da auf einem guten Weg? Gibt es nicht unzählig viele Momente, in denen wir zwar wissen, was getan werden müsste, um das Leben auf unserem Planeten für alle im Sinne Jesu zu einem besseren, einem erfüllteren Leben zu machen, ohne aber konkrete Schritte zu wagen. Wie viele Menschen leiden heute noch unter Hunger und Durst und leben im Elend? Wie viele Menschen werden ausgegrenzt und haben keine Teilhabe an der Gestaltung der Gesellschaft, weil sie körperlich oder geistig beeinträchtigt sind, weil sie alt und gebrechlich sind, weil sie arm und obdachlos sind, weil sie weiblich sind, oder einfach nur auf dem falschen Kontinent geboren wurden? Wie viele Menschen leiden unter Vorurteilen und Rassismus? Wie lange noch sollen uns die Wissenschaftler berichten, wie schlimm es um unseren Planeten durch den Klimawandel, das Artensterben, die Umweltverschmutzung  u.v.m.  steht, bis wir endlich anfangen zu handeln? Dabei greifen sie durchaus das Bild Jesu auf und sprechen von einer sich langsam schließenden Tür.

Irgendwann wird auch diese Tür zu sein. Dann ist alles aus und vorbei, die Party zu Ende. Deshalb also nochmal in aller Deutlichkeit mit den Worten des Evangelisten Matthäus:  „Geht durch das enge Tor! ... Wie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und es sind wenige, die ihn finden“ (Mt 7,13).

Redakteur:  Steffen Glombitza

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