Kultur

Mittwoch, 06. Februar 2019

Avantgardistisch und immer unbeirrbar sie selbst

Vor 150 Jahren wurde die Dichterin Else Lasker-Schüler in Wuppertal geboren

Else Lasker-Schüler auf einem Foto, das sie als junge Frau zeigt. Foto: Wikipedia/gemeinfrei

Bunt und verwegen muss sie ausgesehen haben, wenn sie als „Prinz Jussuf von Theben“ verkleidet zur Kaiserzeit durch die Straßen von Berlin spazierte. Die schwarzen Haare waren kinnlang geschnitten, dazu trug sie weite Hosen, bunte Gewänder und auffälligen Schmuck. Damit wird sie Aufsehen erregt haben. Auf die öffentliche Meinung hat Else Lasker-Schüler aber gar keinen Wert gelegt. Sie war eine Exotin, eine Eigenbrötlerin.


Am 11. Februar 1869 wurde sie in Wuppertal-Elberfeld geboren. Bis heute gilt Lasker-Schüler als herausragende Vertreterin der avantgardistischen Literatur. Berühmt geworden sind vor allem ihre Gedichte. Aufgewachsen ist „Elisabeth“, genannt Else, im Bergischen Land als jüngstes Kind des jüdischen Privatbankiers Aron Schüler und seiner Frau Jeannette. Mit ihren fünf Geschwistern verlebt sie zunächst eine behütete Kindheit, die Familie ist wohlhabend. Als sie elf Jahre ist, stirbt ihr Lieblingsbruder; mit 21 verliert sie zehn Jahre später ihre Mutter.


Mit Anfang 20 heiratet sie den Arzt Berthold Lasker und zieht nach Berlin, so sie Zeichenunterricht nimmt. Durch die Freundschaft mit dem Schriftsteller Peter Hille findet sie in der Hauptstadt Anschluss an die literarische Szene und veröffentlicht erste Gedichte – der Anfang ihrer Karriere. Sie ist befreundet mit zahlreichen Künstlern, darunter auch mit dem Maler Franz Marc, dem „blauen Reiter“, wie sie ihn nennt.  
Sie verwebt ihr Leben eng mit ihrer Dichtung und erfindet mitunter, fantasievoll wie sie ist, auch autobiografische Daten von sich. Der Tonfall von Lasker-Schülers Dichtung ist entsprechend kindlich-spielerisch, häufig verwendet sie auch orientalische Motive. Eines ihrer berühmtesten Gedichte ist der „Tibetteppich“ von 1910: „Deine Seele, die die meine liebet/Ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet“, heißt es in dem Liebesgedicht. Oft geht es in ihren Texten auch um Religion und um das „Hebräerland“, das „Bibelland“, wie sie Palästina nennt. Sie glaubt an eine Versöhnung zwischen Juden und Christen und zwischen Juden und Arabern.


Die Ehe mit Lasker hält nicht und wird 1903 geschieden. Und auch ihre zweite Ehe mit dem Schriftsteller Georg Levin, der auf Elses Vorschlag  den Künstlernamen Herwarth Walden trägt, scheitert 1912. Damit endet dann auch ihr bürgerliches Leben. Von nun an wechselt sie ständig den Wohnort, sie lebt in kleinen Zimmern und schäbigen Pensionen. Allein in Berlin wohnte Lasker-Schüler von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu ihrer Emigration 1933 an über 20 verschiedenen Orten. „Ich bin nämlich die ewige Jüdin“, erklärte sie ihr rastloses Verhalten einem Freund, „immer auf Wanderschaft“.
Als der mit ihr befreundete Künstler George Grosz ihr einmal außer Haus begegnete, kam sie „in Pantoffeln, die mit Papier beklebt waren, weil Löcher darin waren“. Zu einem Bekannten, der sie zum Abendessen einlud, sagte sie: „Machen Sie Umstände, Butterbrot hab ich alleine.“
1927 stirbt ihr Sohn Paul an Tuberkulose, ein Ereignis, das sie nie überwinden kann. 1932 erhält Else Lasker-Schüler den angesehenen Kleistpreis. 1933 schließlich verlässt sie Deutschland, weil sie sich dort nicht mehr sicher fühlt, und flüchtet in die Schweiz. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbricht, ist sie gerade in Palästina. Das viel gepriesene „Hebräerland“ wird ihre neue Heimat, die sie aber auch als Enttäuschung erlebt. Der politische Zionismus ist ihr fremd.
Lasker-Schüler „war die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte“, urteilte Gottfried Benn über sie. „Ihre Themen waren jüdisch; ihre Fantasie orientalisch, aber ihre Sprache war deutsch ... Immer unbeirrbar sie selbst ...“. Am 22. Januar 1945 stirbt sie, knapp 76-jährig, in Jerusalem. (kna)

Redakteur:  Redaktion

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