Aus dem Bistum

Donnerstag, 11. Januar 2018

Bundeskanzlerin empfängt Sternsinger

Kleine Könige aus Bobenheim am Berg vertraten das Bistum Speyer in Berlin

Die Sternsinger aus Bobenheim am Berg mit Bundeskanzlerin Merkel und Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks (zweiter von links), sowie Pfarrer Dirk Bingener, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Foto: Ralf Adloff/Kindermissionswerk

Sondierungsgespräche, Koalitionsverhandlungen, Regierungsbildung – die politischen Schlagworte im aktuellen Tagesablauf von Bundeskanzlerin Angela Merkel rückten am vergangenen Montagnachmittag im Bundeskanzleramt für gut eine Stunde in den Hintergrund. 108 festlich gekleidete und gold-gekrönte Sternsinger zogen ein in eines der wichtigsten Häuser der Republik. Mit ihrem Gesang und ihrem Engagement sorgten sie bei der Bundeskanzlerin für ein wenig Abwechslung.

„Ich freue mich natürlich immer, wenn ich königlichen Besuch bekomme. Ihr kommt aus allen Himmelsrichtungen, aus Nord und Süd, Ost und West, und dieses Mal zum 60. Mal, das ist natürlich noch einen ganz besonderen Gruß wert“, war die Kanzlerin begeistert von der fröhlichen Königsschar. „Und was ihr mitbringt, ist Gottes Segen, dafür möchte ich euch von ganzem Herzen danken.“

„Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit“ heißt das Leitwort der aktuellen, 60. Aktion Dreikönigssingen. Marlena (10), Julian (12) und Matthias (10) aus der Pfarrei Salvator in Berlin-Lichtenrade machten mit einem Szenenspiel deutlich, warum die

Sternsinger in diesem Jahr ihre Stimme gegen Kinderarbeit erheben. „Wenn ich nicht hier geboren wäre, sondern zum Beispiel in Indien, müsste ich in einem Steinbruch arbeiten oder in einer Streichholzfabrik. Oder ich müsste Teppiche knüpfen. Vielleicht wären dann meine Eltern nicht mehr am Leben, denn in den armen Familien werden die Menschen meist nur 40 Jahre alt“, sagte einer der jungen Darsteller.

Botschaft an die Politiker
„Von Schule und Freizeit können viele Kinder nur träumen, weil sie eben jeden Tag arbeiten müssen“, machte Bundeskanzlerin Merkel deutlich, wie wichtig auch ihr dieses Thema ist. „Leider hat sich, obwohl wir in vielen Teilen der Entwicklungshilfe auch Erfolge haben, die Zahl der arbeitenden Kinder nicht verändert. Und ich weiß, dass diese Botschaft sich nicht nur so allgemein irgendwohin richtet, sondern natürlich auch an uns als Politikerinnen und Politiker. Es ist wichtig, dass ihr heute noch mal den Finger in die Wunde legt.“

„Kinderarbeit ist eines der großen Probleme unserer Zeit. Jedes zehnte Kind muss arbeiten, viele unter ausbeuterischen, viele unter gesundheitsgefährdenen Bedingungen“, sagte Prälat Dr. Klaus Krämer in seiner Ansprache. „Sternsinger setzen sich ein für Kinder in Not, und sie machen sich stark für die Rechte von Kindern in aller Welt. Gerade in diesen Tagen, in denen über die Zukunft unseres Landes gesprochen und verhandelt wird, ist das ein wichtiges Zeichen. Wir möchten Sie, Frau Bundeskanzlerin, bitten, dies mit in die Gespräche zu nehmen.“ Der Präsident des Kindermissionswerks ‚Die Sternsinger‘ hatte die Gruppen gemeinsam mit Pfarrer Dirk Bingener, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), ins Kanzleramt begleitet.

Aktionsplan für Kinderrechte
„Wir haben im letzten Jahr als Bundesregierung einen Aktionsplan beschlossen, in dem wir Kinder- und Jugendrechte in unserer Entwicklungszusammenarbeit in den Mittelpunkt stellen. Wir müssen da immer weiter am Ball bleiben“, so die Bundeskanzlerin. „Wenn wir darum ringen, ob wir eine neue Regierung bilden können, dann stehen Kinderrechte auch in Deutschland auf der Tagesordnung. Aber ein Blick hinaus in die Welt zeigt, dass wir nicht nur an uns denken dürfen.“

Die Spende der Bundeskanzlerin durften die Sternsinger aus dem Erzbistum Köln entgegennehmen. Angela Merkel unterstützt damit Bildungsprojekte für arbeitende Kinder im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, die von den Sternsingern gefördert werden. Mara (13), Mia (10), Peter (10) und Louisa (13) aus der Gemeinde St. Martinus in Neuss-Holzheim sagten anschließend auch den Sternsingersegen auf, in dem auch sie noch einmal auf das Thema Kinderarbeit und die Unterstützung der Bundeskanzlerin eingingen: „Wir wollen das Leben der Kinder verändern, die arbeiten müssen in so vielen Ländern. Allein wird es schwer, doch mit euch kann es geh’n, dass Kinder im Dunkel das Sonnenlicht sehn.“ An prominenter Stelle im Kanzleramt schrieben die Neusser Sternsinger zum Abschluss des Empfangs den Segen 20*C+M+B+18 an.

Tiefgründig und eine echte Ehre
„Was die Bundeskanzlerin gesagt hat, war sehr tiefgründig, und sie hat das Thema Kinderarbeit aufgegriffen“, war Louisa aus Neuss vom Empfang begeistert. Der elfjährigen Aivy aus Buckow-Müncheberg (Erzbistum Berlin) ging es nicht anders: „Ich fand schön, dass wir heute hier sein durften. Ich mache das mit den Sternsingern ja jedes Jahr. Es war eine Ehre, heute im Kanzleramt dabei zu sein.“ Die 17-jährige Lea aus Witterda im Bistum Erfurt zog ebenfalls ein tolles Fazit: „Wir wollten, dass das Licht auf Kinderarbeit gerückt wird. Das hat die Bundeskanzlerin ja in ihrer Rede gemacht.“

Jeweils vier Sternsinger aus allen 27 deutschen Bistümern vertraten in Berlin die 300000 engagierten Mädchen und Jungen, die sich rund um das

Dreikönigsfest bundesweit an der 60. Aktion Dreikönigssingen beteiligen. Für das Bistum Speyer waren Neele (15), Emma (15), Lena (14) und Sea (15) sowie Begleiterin Saskia Gönnheimer aus der Gemeinde St. Nikolaus in Bobenheim am Berg beim Sternsinger-Empfang in Berlin.

Seit 1984 bringen die Sternsinger jedes Jahr ihren Segen „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ ins Bundeskanzleramt. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die kleinen und großen Könige bereits zum 13. Mal.

Träger der Aktion sind das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). (RÖM)   

 

 

Redakteur:  Redaktion

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