Kultur

Donnerstag, 11. Januar 2018

Das friesische Venedig

Das niederländische Leeuwarden ist neben Valetta auf Malta europäische Kulturhauptstadt 2018

Die niederländische Stadt Leeuwarden ist eine der beiden europäischen Kulturhauptstädte 2018. Foto: shutterstock

Ein paar Tage vor Beginn des großen Hauptstadtjahres der Westfriesen mit 110000 Einwohnern laufen die Vorbereitungen. Überall in der Stadt wird gebaut und dekoriert. Das Logo in blau, weiß und rot – den offiziellen Farben der friesischen Flagge – begegnet einem an vielen Ecken.

Erik (50) und Marijke (52) Dijk haben das Wochenende in Leeuwarden verbracht. Westfriesland kannten sie bislang nur von Urlauben auf Texel. „Alles ist zu Fuß erreichbar“, sagt Erik Dijk. Es gebe viele süße Geschäfte und Cafés zum Flanieren, fügt seine Frau hinzu. Die „Kleine Kerkstraat“ mit ihren Boutiquen wurde schon mehrmals als schönste Einkaufsstraße der Niederlande ausgezeichnet. „Auch das Treiben rund um die Kanäle war schön“, sagt Marijke Dijk, „und wir waren lecker essen“, ergänzt Erik.

Dass Leeuwarden 2018 Europäische Kulturhauptstadt ist, erfuhren die beiden durch Zufall bei einem Bier an der Bar. Geschlafen haben sie im alten Palast „Stadhoudelijk Hof“, wo einst die Adligen unterkamen. In der „Grote Kerk“ in Leeuwarden liegen die Gebeine von Maria Luise von Hessen-Kassel, Fürstin von Nassau-Diez und Prinzessin von Oranien. Sie gilt als Mutter des europäischen Adels. Zu ihren Nachfahren gehören die englische Queen Elizabeth II. und der niederländische König Willem-Alexander.

Offiziell eröffnet wird die Kulturhauptstadt am letzten Januar-Wochenende. Das Motto lautet „iepen mienskip“; das ist Westfriesisch und bedeutet „offene Gesellschaft“. Am Freitag, 26. Januar, soll es um Geschichten der Region gehen. Alle Museen und Einwohner wollen ihre Türen öffnen, um Geschichten zu erzählen, die sie mit in die Zukunft nehmen wollen. Denn einer Umfrage des ältesten Theaters der Niederlande Tyater zufolge ist eine „offene Gesellschaft“ geglückt, wenn es gelingt, einander wirklich zuzuhören. Am folgenden Tag, 27. Januar, sollen Musik, Tanz und Theater die Sträßchen mit den roten Backsteinhäusern in Leeuwarden erfüllen. Das Wahrzeichen der Stadt – „Oldehoven“, ein schiefer Turm der an den von Pisa erinnert – soll an vielen Stellen der Stadt zu sehen sein.

Rund um den echten Oldehoven soll eine „Republik der Sprachen“ entstehen. Menschen werden mit europäischen Sprachen konfrontiert, die vom Aussterben bedroht sind – so wie Friesisch. Im Zentrum für friesische Literatur und Geschichte wird es eine Ausstellung über Sprache geben. Derzeit ist der Raum noch mit Packpapier abgehängt. Innen ist es dunkel; nur eine fünf Meter lange Leinwand leuchtet in der Mitte. Darauf ein riesiges deutsch-friesisches Gedicht des Künstlers Kurt Schwitters (1887 bis 1948): Die Zute Tute.

Der Leiter des Zentrums für friesische Literatur und Geschichte, Bert Looper, will Friesisch auch bildlich darstellen, damit die Sprache auch für die Europäer zugänglich wird. „Die Europäische Kulturhauptstadt ist unsere große Chance, aus den regionalen Grenzen auszubrechen“, sagt er. Die friesische Literatur habe keine Verbindung zur niederländischen. Deshalb sucht Looper den Austausch mit anderen Minderheitensprachen wie Bretonisch oder Baskisch. Junge Schriftsteller und Autoren aus diesen Regionen hat er für Sommer zu einem Literaturfestival eingeladen.

Wie europäisch Friesland ist, das beschrieb die Schriftstellerin Tiny Mulder 1983 in ihrer Gedichtreihe „Oh in sted, ah in lan“. Sie vergleicht die Geschichte Frieslands mit der von Venedig. Beide hätten eine besondere Beziehung zum Wasser. Ihr Fazit: Friesische Kultur ist europäische Kultur. (Franziska Broich, KNA)

Über die zweite Europäische Kulturhauptstadt 2018 Valetta haben wir in der „pilger“- Ausgabe 50/2017 berichtet

Redakteur:  Redaktion

aktuelle Nachrichten

13. Dezember 2018

Wunschzettel und Datenschutz

Erfüllung von Kinderwünschen steht nichts im Wege


13. Dezember 2018

Der Advent will eine Art Wüstenzeit sein

Abt Johannes Eckert durchwanderte die Wüste von Judäa und machte tiefe Erfahrungen


13. Dezember 2018

Auf einmal eine große Gelassenheit gespürt

Theresia Ludwig möchte Ordensschwester werden – Zurzeit lernt sie als Postulantin das Klosterleben...


Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren