Kultur

Mittwoch, 20. März 2019

Die Erinnerung an den Holocaust wach halten

Ausstellung „Memento“ des Pfälzer Künstlers Klaus Zwick vom 24. März bis 28. April in Speyer

Foto: Stadt Speyer

 „Memento“ lautet der Titel einer Ausstellung, die vom 24. März bis 28. April in der Städtischen Galerie im Kulturhof Flachsgasse in Speyer zu sehen ist. „Memento“ bedeutet Mahnung, Erinnerung, und drückt aus, was der Künstler Klaus Zwick mit der Präsentation seiner Werke bezweckt: Er möchte die Erinnerung wach halten an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, den Holocaust.

Dabei bildet die Wandinstallation „Herbarium oder deutsche Kalenderblätter“ den Schwerpunkt seiner gezeigten Arbeiten. Ein Herbarium ist eine Sammlung von gepressten, getrockneten und auf Papier aufgezogenen Pflanzen oder Pflanzenteilen, die mit Namen, Fundort und Funddaten gekennzeichnet sind. 20 solcher Blätter mit Pflanzen sind Teil der Ausstellung. „Sie gehören zu einer Sammlung, die insgesamt 84 Objekte umfasst und in den Jahren 1935 bis 1938 entstand“, betont der gebürtige Ludwigshafener, der in Bremen lebt und arbeitet. Erstanden hat Zwick das Konvolut, das aus Schweden stammt, auf einem Flohmarkt in Leer in Ostfriesland. Als er eines Abends darin blätterte, stieß er auf das Datum 24. Juni 1936 – der Tag, an dem nicht nur das

Buschwindröschen aus seiner Sammlung gefunden wurde, sondern auch seine Mutter ihren 13. Geburtstag feierte. Klaus Zwick erinnerte sich daran, dass sie ihm früher über die Zeit des Nationalsozialismus erzählt hatte. Nun wollte er mehr über dieses Datum wissen und machte sich auf die Suche im Internet. Der 62-Jährige stieß schließlich auf eine Akte eines Mädchens mit dem Namen Kunigunde H., die am gleichen Tag ihren 13. Geburtstag beging wie seine Mutter. Darin war zu lesen: „Das Erbgesundheitsgericht ordnet die Sterilisation der Kunigunde H. wegen erblicher Taubheit an, die am 11.8.1936 im städtischen Krankenhaus ausgeführt wurde.“ Dieser Fund brachte Klaus Zwick auf die Idee, weiter zu forschen, um herauszufinden, was an den anderen Tagen passierte. Die Ergebnisse können die Besucher der Vernissage nachlesen. Jeder Pflanze und jedem Blatt hat der Künstler ein Naziverbrechen gegenübergestellt, das die Barberei auf schmerzliche Weise ins Bewusstsein bringt.

An die Vernichtung der Juden erinnern Fragemente eines Gedichts der jüdischen Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs, das mit den Worten „O die Schornsteine...“ beginnt. Klaus Zwick hat es mit Asche auf Bahnen gedruckt, die dadurch gleichsam selbst zu Schornsteinen werden.

Ein Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit dem Holocaust in der Domstadt. Und das hat einen einfachen Grund: Klaus Zwick ist in Speyer aufgewachsen, besuchte von 1968 bis 1975 das ehemalige Bischöfliche Konvikt. Den jüdischen Opfern aus der Domstadt gedenkt er unter anderem mit NS-Raubgut, das ihm die Landesbibliothek zur Verfügung gestellt hat. Dabei handelt es sich um eine Vitrine mit 120 Büchern unterschiedlicher Genres, die den Eigentümern nicht zurückgegeben werden konnten. Acht Postkarten aus der Nazizeit mit idyllischen Aufnahmen von Orten und Gebäuden in Speyer hat der Künstler zudem 19 Ereignisse in Speyer im Zusammenhang mit dem Holocaust gegenübergestellt. „Im Zentrum stehen dabei staatliche Maßnahmen und Einzelschicksale“, bekräftigt Zwick. Zu den weiteren Highlights zählt eine Litographie, die die brennende Synagoge von Speyer in der Reichskristallnacht im November 1938 zeigt und aus 16 Plexiglasteilen besteht. Besonders berührend ist eine Installation, bei der Klaus Zwick 89 namentlich bekannte Speyerer Juden, die deportiert wurden oder sich umgebracht hatten, in besonderer Weise ehrt. Jeden Namen hat er mittels Steindruckverfahren, der sogenannten Lithographie, auf ein hochwertiges Büttenpapier aufgetragen, und zwar so, wie er üblicherweise auf den Deportationslisten der Nationalsozialisten stand: mit Nachname und Vorname.

„Ich sehe mich als Künstler und als politischer Mensch und möchte deshalb etwas gegen den zunehmenden Populismus und Antismitismus, der nicht nur in Europa zu beobachten ist, tun“, beschreibt Klaus Zwick sein Anliegen. Seine Botschaft ist klar – und unmissverständlich in seinen Objekt- und Wandinstallationen dargestellt. Eine Ausstellung, die zum Nachdenken anregt. (pede)

Redakteur:  Redaktion

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