Kultur

Donnerstag, 07. Juni 2018

Ein feiner Willkommensgruß

Zwei kleine Weinfässer für den neuen Würzburger Bischof

Unter den Händen von Bildhauer Kurt Grimm entstehen die Schnitzereien für die Weinfässchen – eine Arbeit, die viel Geschick erfordert. Foto: Markus Hauck/Matthias Risser

Mit dem Klüpfel schlägt Bildhauer Kurt Grimm präzise auf sein Schnitzeisen ein. Nach und nach schneidet er so am unteren Rand des hölzernen Schriftbands entlang. Dann hält er das Eisen fast waagrecht und löst kleine keilförmige Spreißel vom Eichenholz ab.

Es ist Anfang Mai, und Grimm fertigt in seinem Atelier die Schnitzereien für die beiden Weinfässchen, die Bischof Dr. Franz Jung nach altem fränkischem Brauch zur Amtseinführung überreicht werden. Sie zeigen jeweils das Wappen und den Wahlspruch des 89. Bischofs von Würzburg. Eines wird bei der Weiheliturgie am 10. Juni zum Altar gebracht.

Bereits im Bericht über die Weihe von Fürstbischof Julius Echter im 16. Jahrhundert sind zwei „Fässlein“ genannt, die von adeligen Knaben bei der Gabenbereitung nach vorne getragen wurden. Die beiden Fässchen mit den Wappen des Weihenden und des Weihekandidaten erhielt damals der Konsekrator als Ehrengabe. Weiter wurden ihm zwei Kerzen und zwei Brote gereicht.

Die Geste hat sich bis in unsere Tage erhalten, mit dem Unterschied, dass der neue Bischof die Gaben erhält. Der Brauch mit den Weinfässchen wurde, wie der frühere Bistumshistoriker Dr. Erik Soder von Güldenstubbe herausfand, auch in Bamberg praktiziert.
„Es ist schon der dritte derartige Auftrag, den ich für das Bistum Würzburg ausführen darf“, erzählt Grimm. Schon für Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, dem Vorgänger von Franz Jung auf dem Würzburger Bischofsstuhl, und Weihbischof Ulrich Boom hat er das Wappen  in die Fässchen geschnitzt.
Auch diesmal ist es eine knifflige Sache. „Eiche ist wesentlich härter als Lindenholz, das viel mehr Details zulässt“, erklärt Grimm.

Und noch eine Herausforderung kommt dazu: Nur maximal vier Milimeter tief darf er in das Holz schneiden; Korrekturen sind da nicht möglich. „Deswegen muss ich manchmal auch eine Pause machen, wenn ich merke, dass ich mich gerade nicht konzentrieren kann.“

Das ist vielleicht auch der geringen Größe geschuldet. So kommt sein kleinstes Schnitzeisen mit einer Breite von gerade einmal einem halben Millimeter zum Einsatz. Damit schnitzt der Holzbildhauer Wappen und Schrift in den Holzboden des Eichenfasses, Millimeter für Millimeter, damit das Holz nicht zu dünn wird.
Absolute Präzision ist gefragt. „Bei der geringen Größe der Buchstaben komme ich tatsächlich an die Grenze dessen, was sich überhaupt schnitzen lässt“, erklärt Grimm. Er rechnet mit etwa zwei Tagen Arbeit. Damit auch heraldisch alles richtig ist, hat er sich zahlreiche alte Wappenschnitzereien angeschaut. Ist Grimms Arbeit vollendet, tritt Kirchenmaler Anton Schultz in Aktion, um die Schnitzerei farblich zu gestalten.

Angefangen aber hat alles in der Büttnerei Aßmann in Eußenheim. Bei Firmenchef Andreas Aßmann, der den Traditionsbetrieb seines Vaters Karl weiterführt, ist ebenfalls zum dritten Mal angefragt worden. Für ihn sein täglich Brot, meint er, es seien herkömmliche Eichenfässer, eben mit einer kleinen Füllmenge.
Rund vier Arbeitsstunden brauche es für ein Fässchen. Doch auch ein kleines Fass benötigt mehrere Arbeitsschritte, Kraft und handwerkliches Geschick. Vorrangig aus dem Spessart stammt das, geschnitten wird es im so genannten Spiegelschnitt: „Dabei sieht man die Jahresringe als parallele Streifen; das ist aus Stabilitätsgründen wichtig und das Holz verzieht sich weniger“, erklärt Aßmann. Dann lagert das Holz etwa drei Jahre im Hof, um zu trocknen.
Durch eine spezielle Sägetechnik, bei der die Holzscheite in der Mitte dünner sind als am Rand, entsteht der typische Fassbauch. Für die Außenwand bekommen die Fassbretter, die Dauben, an der Streifenmaschine ihre Außenrundung. Danach werden die Dauben im Setzreifen in Fassform aufgestellt.

Am Ende befeuchtet der Büttner das Fass mit Wasser und erwärmt es von innen. Nach dem Feuern zieht er Kopf-, Hals- und Bauchring auf. Mit dem Gerbhobel werden die Innenseiten glatt gehobelt, danach werden die Dauben auf die gleiche Länge gebracht und der „Gargel“, eine Rille für den Fassboden, gefräst und der passend zugeschnittene Fassboden eingepasst. Dann kommt über Nacht Wasser ins Fass  – um zu testen, ob es auch wirklich dicht hält.
Wird das Fässchen mit Weißwein gefüllt, hält dieser nach dem Öffnen etwa vier Tage, Rotwein dagegen bis zu zwei Wochen.

Lässt Bischof Franz Jung seine Fässchen geschlossen, kann er den Weißwein bis zu einem Jahr, den Rotwein noch ein wenig länger darin lagern lassen. So lange sollte er allerdings nicht damit warten, den Inhalt zu kosten. Denn Wein ist schließlich da, um ihn zu genießen. (Markus Hauck/Judith Bornemann)

Redakteur:  Redaktion

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