Geistliches Leben

Mittwoch, 13. März 2019

Gotteserfahrung auf dem Berg

Gedanken zum Lukas-Evangelium 9, 28b–36 von Pastoralreferentin Luise Gruender

Jesus steigt auf einen Berg. Er, der ja ständig in der Öffentlichkeit ist, der die Frohbotschaft von Gott verkündet und zahlreiche Kranke heilt, sucht jetzt die Einsamkeit auf. Er steigt auf den Berg, um zu beten, um sich ganz dem zuzuwenden, von dem er sich gesandt weiß. Er nimmt er drei seiner Jünger mit auf den Berg, die ihm besonders wichtig sind. Es sind Petrus, Jakobus und Johannes, die später auch am Abend vor seinem Leiden mit ihm im Garten Getsemani wachen sollen. Wie wir wissen, versagen sie allerdings auch dabei kläglich, weil sie noch nicht einmal eine einzige Stunde ausharren, ohne dabei einzuschlafen. Für uns heute ist diese Information fast ein wenig tröstlich, wenn uns das Beten mal wieder schwerfällt.


Der Rest der Jünger muss unten am Berg warten, während sich die kleine Gruppe auf den mühsamen Weg nach oben macht. Warum nimmt Jesus nicht einfach alle mit? Warum wählt er aus? Wir wissen es nicht und können nur Vermutungen anstellen. Sicher will er nicht ungerecht sein, sondern ihm liegt daran, dass das Geschehen oben auf dem Berg nicht an die große Glocke gehängt wird. Zu gewaltig wird das sein, was die drei dort oben zu sehen bekommen: Jesus „in strahlendem Licht“. Das „Aussehen seines Gesichtes“ ist verändert und sein Gewand „leuchtend weiß“. Die Jünger erleben die Nähe der himmlischen Welt. Während Jesus betet, berührt der Himmel die Erde.
Und natürlich findet dieses Erlebnis, noch verstärkt durch die lebendige Begegnung mit Mose und Elija, nicht zufällig auf einem hohen Berg statt. Mose selbst ist Gott auf einem Berg begegnet. Dort hat er von Gott die Zehn Gebote empfangen. Entsprechend der jüdischen Tradition rechnete man für das Ende der Zeiten mit der Wiederkehr des Mose auf Erden. Kein Wunder also, dass den drei Jüngern bei seinem Anblick fast der Atem stehenblieb.


Hohe, einsame Berge galten schon immer als bevorzugte Orte der Begegnung mit Gott. Sternstunden des Glaubens gelingen nur selten im Trubel und Lärm des Alltags. Der Berg verschafft Abstand, der Berg verschafft Weite und Überblick. Die Probleme verlieren aus der Distanz betrachtet schnell an Bedeutung und wirken so fast lächerlich.


Für den temperamentvollen und als Handwerker stets praktisch denkenden Petrus ist das Erlebte jedenfalls so faszinierend, dass er sofort weiß: Hier an diesem Ort will ich für immer bleiben: „Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.“ Solch eine Chance auf das wahre Glück kriegen wir doch nie mals wieder.


Aber sein gut gemeinter Bauantrag wird noch nicht einmal beantwortet. Der Evangelist Lukas kommentiert es nur mit dem fast schon spöttischen Hinweis: „Er wusste aber nicht, was er sagte.“ Und von Jesus gibt es keinerlei Kommentar. Er ignoriert den Wunsch einfach. „Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst. Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“


Jetzt fühlt sich Petrus wie plötzlich aus dem Traum gerissen. Hier hat er ihn, den göttlichen Klartext, den er wollte. Der fällt aber anders aus, als er es erwartet. Keine Machtdemonstration für die böse Menschheit, keine göttlichen Drohgebärden, sondern nur eine präzise Information, wie sie knapper nicht ausfallen kann. Der Vater im Himmel erklärt in einem einzigen Satz das Entscheidende der Nachfolge Christi: Erstens: Dieser Jesus da ist mein geliebter Sohn, er ist der lange versprochene Messias! Zweitens: Für euch ergibt sich daraus als einzig logische Konsequenz, dass ihr auf ihn hören sollt!
Ja, so ist das mit unseren Bergen der Erkenntnis, mit unseren Sternstunden und mit unseren religiösen Höhenflügen. Jesus rüttelt uns auf und signalisiert uns unmissverständlich: Nun komm mal wieder runter auf den Teppich der Tatsachen. Deine Gefühle voller Seligkeit dürfen schon sein, um dich auf dem Weg durch den mühsamen Alltag zu stärken. Aber der Berg bleibt der Berg, und er ist eben nicht dein Alltag.


Und weiter – konkret: Vergiss also nicht in deiner persönlichen Vorbereitungszeit auf Ostern: Der Berg der Seligkeit macht dich glücklich und lässt dich schon ein Stück weit ahnen, wie wunderschön der Himmel ist. Doch jetzt bist du noch nicht im Himmel und die Erde ist weiß Gott nicht der Himmel. Und auf dieser Erde wirst du jetzt noch dringend gebraucht. (Luise Gruender)

Redakteur:  Luise Gruender

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