Wochenkommentar

Donnerstag, 11. Januar 2018

Größter Wunsch: Weniger Stress

Jeder muss für sich zum Abbau von Stress beitragen

Überraschung zum Jahresbeginn: Die Menschen in Deutschland wünschen sich für das Jahr 2018 in erster Linie nicht etwa „Weniger Flüchtlinge“, auch nicht „Mehr Sicherheit“ oder „Mehr Geld“, sondern eine große Mehrheit der Deutschen sehnt sich nach weniger Stress. Das heißt: Viele Menschen fühlen sich in ihren Berufen, aber wohl auch in ihrem Alltag einem nur noch schwer zu ertragenden Druck ausgesetzt; sie fürchten um ihre Nerven und um ihre Schaffenskraft.

Hier zeigen sich ernste Herausforderungen an die Wirtschaft, an die Gesellschaft und auch an jeden einzelnen. Viele Berufstätige fühlen sich wie die sprichwörtlichen weißen Mäuse im Laufrad. Und in der Tat werden in gar nicht so wenigen großen Unternehmen die Mitarbeiter nur noch als lästiger Kostenfaktor betrachtet. Während der Reichtum einer Gruppe wächst, werden andere unter Druck gesetzt und ausgenutzt. Mit Nachdruck stellt sich die keineswegs neue Frage: Ist der Mensch für die Wirtschaft da, oder hat nicht vielmehr die Wirtschaft dem Menschen zu dienen? Unser ungebremst kapitalistisches System hat sich meilenweit von der Sozialen Marktwirtschaft entfernt. Wie der Staatssozialismus ist es menschenverachtend. Früh ausgebrannt? Pech gehabt. Da ist an den ersten Satz unseres Grundgesetzes zu erinnern: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Aber sie wird nicht nur angetastet, sondern sie wird schamlos verletzt.

Es wäre jedoch ungerecht und auch falsch, alle Schuld für den ausufernden Stress allein bei bestimmten Unternehmens-Führungen zu suchen. Unsere Gesellschaft ist in weiten Teilen eine Event-Gesellschaft geworden, in der die einzelnen von hier nach da und wieder anderswohin eilen; sie meinen, sie müssten mitmachen, wenn sie in ihrer Umgebung Anerkennung finden wollten. Olympia-Motto: „Dabei sein ist alles“. In Wirklichkeit produziert die Event-Gesellschaft Stress.

Auch jeder einzelne kann zum Stress-Abbau beitragen, indem er (auch sie) sich nicht beispielsweise durch Dauer-Daddeln zum Handy-Sklaven macht. Das Handy soll und könnte ja – genauso wie die großartigen elektronischen Techniken in der Berufswelt – eigentlich dem Menschen dienen, ihm Gelassenheit, mehr Freiheit ermöglichen. Aber sie schaffen Stress. 2018 ist viel (Gutes) zu tun – im öffentlichen wie im privaten Leben. (Rudolf Bauer)

Redakteur:  Redaktion

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