Kultur

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Historische Weihnachtsweise

Seit mehr als 400 Jahren wird das kirchliche Lied „Es ist ein Ros entsprungen“ am Fest gesungen

Das Speyerer Gesangbuch von 1599 mit dem berühmten Weihnachtslied befindet sich in der Speyerer Diözesanbibliothek. (Foto: Klaus Landry)

Eines der ältesten Weihnachtslieder, das heute noch oft gesungen wird, ist im Jahr 1599 in einem Speyerer Gesangbuch erstmals veröffentlicht worden. „Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart.“
Ein zugegebenermaßen etwas rätselhafter Text. Da ist die Rede von „Wurzel zart“ und „von Jesse kam die Art“. In der zweiten Strophe geht es  um Maria, „die uns das Blümlein bracht“. Der Text nimmt Bezug auf die bekannte Stelle bei Jesaja, in der dieser den gerechten König herbeisehnt: „Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht“ (Jes 11,1).

Zehn Jahre später legte der evangelische Komponist und Hofkapellmeister Michael Praetorius (1571 bis 1621) seine Variante vor, die in einigen Punkten von der katholischen Fassung abweicht: So heißt es bei Praetorius in der zweiten Strophe zu Maria „aus Gottes ewgen raht / hat sie ein Kind geboren / wol zu der halben Nacht“. In der katholischen Fassung lautet die Stelle hingegen: „Auß Gottes ewigem raht / Hat sie ein Kindlein gboren / Und blieben ein reine Magd.“ Vermutlich wollten die katholischen Väter des Gesangbuches ausdrücklich auf die Jungfräulichkeit Mariens hinweisen, während die evangelischen Amtsbrüder in Fragen der Marienfrömmigkeit deutlich zurückhaltender waren.
Es gibt sogar eine ökumenische Fassung. Die ist abgedruckt im „alten“ Gotteslob aus den 1970er Jahren und lautet schlicht: „Aus Gottes ewgem Rat, hat sie ein Kind geboren, welches uns selig macht“ (Liednummer 133). Unter Nummer 132 enthält des „alte“ Gotteslob außerdem die katholische Version. Die ökumenische Variante hatte wohl keinen besonderen Erfolg; jedenfalls fehlt sie in der aktuellen Ausgabe des Gotteslobes – und mit ihr fehlt der kurze Erläuterungstext, der dem Leser noch einiges von den Hintergründen dieses „Rätsellieds“ (wörtlich aus dem „alten“ Gotteslob) verriet.
Das ist im Grunde schade, denn das Lied ist so komplex, dass der Leser oder die Sängerin leicht überfordert wird. Vor allem die Jesaja-Stelle hat es eigentlich in sich: „Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften und die Treue der Gürtel um seine Lenden. Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie. …  Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg“ (Jes 11,5–9). Das könnte eine Botschaft für Weihnachten sein.

Redakteur:  Christoph Braß

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