Kultur

Mittwoch, 15. Mai 2019

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Vor 75 Jahren schrieb Astrid Lindgren das Kinderbuch „Pippi Langstrumpf“

Astrid Lindgren mit Schauspielerin Inger Nilsson. Foto: actionpress

Ein krankes Kind und eine Mutter mit blühender Fantasie – dieser Kombination verdankt die Welt die kunterbunten Geschichten über Pippi Langstrumpf. Eigentlich, so erinnert sich Astrid Lindgren in ihrer Autobiografie „Das entschwundene Land“, habe sie nie Bücher schreiben wollen. Schon in ihrer Schulzeit sei ihr immerzu eine Schriftstellerkarriere prophezeit worden. „Das entsetzte mich derart, dass ich einen förmlichen Beschluss fasste: Niemals würde ich ein Buch schreiben. [...] ich hielt mich nicht für berufen, den Bücherstapel noch höher anwachsen zu lassen.“

Doch dann, im Winter 1941, lag ihre Tochter Karin krank im Bett und langweilte sich. „Erzähl mir was von Pippi Langstrumpf“, bat sie ihre Mutter, einem spontanen Einfall folgend. Den Namen hatte sie sich in diesem Moment ausgedacht. Und Mutter Astrid ließ sich nicht lange bitten. Neugierig, frech, Autoritäten ignorierend, geradezu anarchistisch – Pippi war alles andere als normal. „Weil es ein merkwürdiger Name war, wurde es auch ein merkwürdiges Mädchen“, erinnert sich Lindgren. Karin war begeistert, ebenso ihre Cousinen und Schulfreundinnen, die von nun an gerne den wilden Geschichten lauschten. Möglicherweise wäre es bei den Erzählstunden geblieben, wenn Astrid Lindgren nicht einige Jahre später, im Winter 1944, selbst hätte das Bett hüten müssen. „Doch dann kam dieser Schnee, der die Straßen glitschig wie Schmierseife machte. Ich fiel hin, verstauchte mir den Fuß, musste liegen und hatte nichts zu tun. Was tut man da? Schreibt vielleicht ein Buch? Ich schrieb Pippi Langstrumpf.“ Das Manuskript sollte ein Geschenk zu Karins zehntem Geburtstag am 21. Mai 1944 werden.

Im April 1944 reichte Astrid Lindgren das Pippi-Manuskript beim schwedischen Verlag Bonnier ein. In ihrem Begleitschreiben skizzierte sie Pippi als „kleinen Übermenschen in Kindergestalt“. Dank ihrer übernatürlichen physischen Kräfte und anderer Umstände sei Pippi vollkommen unabhängig von Erwachsenen und lebe ihr Leben, so wie es ihr gefalle, so Lindgren. Ihr Schreiben endet mit der humorvoll formulierten Hoffnung, dass der Verlag schon nicht das Jugendamt alarmieren werden. Im September erhielt sie die Absage.

In den folgenden Monaten haderte Lindgren damit; dann, im Sommer 1945, reichte sie ein überarbeitetes und laut Tochter Karin geglättetes Pippi-Manuskript für einen Kinderbuchwettbewerb des Stockholmer Verlags Raben & Sjörgen ein, bei dem bereits ihr Mädchenbuch „Britt-Mari erleichtert ihr Herz“ erschienen war. Sie gewann. Im November 1945 erschien Pippi Langstrumpf.

Pippi wurde zu einem außergewöhnlichen Erfolg. Zunächst gab es jedoch auch deutliche Kritik. Pippi sei ein schlechtes Vorbild für Kinder, die Sprache teilweise vulgär, bemängelten Kritiker. Der schwedische Literaturkritiker und Professor für Pädagogik und Psychologie, John Landquist, schrieb im „Aftonbladet“, kein „normales Kind isst eine ganze Sahnetorte auf oder geht barfuß auf Zucker. Beides erinnert an die Phantasie eines Irren.“ Lindgren sei untalentiert und unkultiviert, Pippi unnormal und krankhaft. Das Buch erscheine ihm wie „etwas Unangenemes, das an der Seele kratzt.“

Das tat dem Erfolg jedoch keinen Abbruch. Bis heute wurde das Buch in 70 Sprachen übersetzt und weltweit rund 70 Millionen Mal verkauft. Auch die Verfilmungen waren ein großer Erfolg. Heute, 75 Jahre nach ihrer Geburt, ist Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf für eine ganze Generation eine Kindheitsheldin – und ihre Abenteuer begeistern noch immer.

Für Astrid Lindgren war Pippi der Beginn einer großen Karriere. „Ich wollte nicht Bücher schreiben“, sagte sie einmal in einem Zeitungsinterview. Aber als ich gefangen hatte, war es schwer, aufzuhören.“ (KNA)

Redakteur:  Redaktion

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