Aus dem Bistum

Donnerstag, 07. Dezember 2017

Kleine Mitbringsel berühren und schenken Kraft

Maxdorf: Schüler am Lise-Meitner-Gymnasium fertigen regelmäßig Präsente für schwerkranke Menschen

Annika Weber (links) und Marisa Csulits aus der zwölften Klasse macht es Spaß zu helfen und anderen eine Freude zu bereiten. Foto: Clade-Schuster/Privat

Zu helfen erzeugt ein gutes Gefühl – sowohl bei denjenigen, die Unterstützung erhalten als auch bei Menschen, die etwas Gutes tun. Das trifft auch auf ein Projekt am Lise-Meitner-Gymnasium in Maxdorf zu. Schülerinnen und Schüler fertigen dort regelmäßig kleine Geschenke für die Patienten auf der Palliativstation Omega im Evangelischen Krankenhaus Bad Dürkheim.

Die Partnerschaft kommt nicht von ungefähr, sondern basiert auf einer ganz besondere Verbindung zwischen den beiden Einrichtungen. Denn mehrere Elternteile von Schülern des Gymnasiums sind bereits auf der Palliativstation verstorben. Der Kontakt kam durch die Krankenhausseelsorgerin Tanja Weidmann und die Religionslehrerin Michaela Clade-Schuster zustande. Die Idee für die Aktion entstand bei einem Gespräch zwischen den beiden Pastoralreferentinnen.

Im Januar 2014 wurde das Projekt aus der Taufe gehoben, und zwar bei einem Tag der offenen Tür in dem Maxdorfer Gymnasium. Schüler der dritten und vierten Grundschulklassen, die mit ihren Eltern gekommen waren, um die Schule kennenzulernen, konnten unter Anleitung Kirschkernkissen für schwerkranke Menschen auf der Palliativstation nähen. „Während die Kinder im Raum der ,Näh-AG‘ an den Maschinen saßen, entwickelte sich mit den Eltern das ein oder andere Gespräch über Trauerfälle im eigenen     Umfeld“, erinnert sich Michaela Clade-Schuster. An jedes der bunten Säckchen wurde ein Zettel mit einer kleinen Botschaft und der Unterschrift des Kindes befestigt, das den wohltuenden Wärmespender gefertigt hatte.  

Seit dieser Zeit startet die 44-jährige Religionslehrerin und Schulseelsorgerin immer wieder am Lise-Meitner-Gymna­sium Näh- und Bastelaktionen zugunsten unheilbar kranker Menschen auf der Palliativstation in Bad Dürkheim – zuletzt am 24. November beim Tag der offenen Tür der Ganztagsschule. Die Bandbreite der gefertigten Präsente reicht von den Kirschkernkissen über Herzkissen, die Gestaltung von Osterkerzen und Transparentpapiersterne für die Fenster der Palliativstation bis zu Schmetterlingen zum Aufhängen und Handschmeichler, die den Patienten Halt geben können.

Mit im Boot ist Lehrerkollegin Eva Heisig. „Sie hatte sich nicht nur von Anfang an bereit erklärt, bei der Herstellung der Mitbringsel mitzuhelfen, sondern beteiligte sich auch an den Kosten.“ Denn in den ersten beiden Jahren übernahmen sie und Michaela Clade-Schuster die Auslagen für den Stoff und die Kirschkerne. Mittlerweile bezahlt die Maxdorfer Schule die Materialien. Aber auch Schüler und Eltern haben dem Projekt schon finanziell oder mit Stoffspenden unter die Arme gegriffen. Seit seines Beginns sind bereits 120 Kilogramm Kirschkerne im Inneren von vielen kleinen Säckchen verschwunden.

Die gefertigten Geschenke überbringen Gruppen von Schülerinnen und Schülern in Begleitung von Lehrerinnen den Verantwortlichen auf der Palliativstation. „Dann sitzen wir mit dem Pflegepersonal zusammen und tauschen uns aus. Unsere Schüler können dabei erleben und erfahren, dass eine solche Station nicht nur ein trauriger Ort ist, sondern dass es dort sehr lebendig zugeht, Geburtstage und sogar Hochzeiten gefeiert werden“, bekräftigt Michaela Clade-Schuster. „Die Schüler erhalten einfach einen anderen Zugang zu Sterben und Tod.“

Marisa Csulits aus Lambsheim findet es wichtig, zu helfen. „Wenn ich krank wäre, würde ich mich auch freuen, wenn ich etwas bekomme.“ Deshalb und weil sie gerne näht, hatte die 17-Jährige schon an der Nähmaschine Herz- und Kirschkernkissen gefertigt. Die gleichaltrige Annika Weber aus Maxdorf findet es gut, dass die Schule nicht nur zum Lernen da ist, sondern sie es ihr ermöglicht, auch etwas Gutes zu tun. Durch das Projekt habe sie einen anderen Bezug zum Sterben erhalten. Die Herzkissen gefallen der jungen Frau, die die zwölfte Klasse besucht, am besten. Die Herzform drücke mehr Gefühl aus. „Man gibt symbolisch etwas von seinem Herzen mit.“

Bei den Patienten kommen die kleinen Aufmerksamkeiten gut an. „Die Kirsch­kernkissen helfen etwa bei der Schmerzlinderung und geben den Betroffenen in der letzten Phase ihres Lebens ein Stück mehr Lebensqualität“, weiß Clade-Schuster. Mindestens so geschätzt wie die Präsente selbst sind die damit verbundenen Botschaften und Unterschriften der Schüler auf den angehängten Zetteln. Viele seien gerührt, dass ein unbekannter Schüler etwas für sie gemacht hat, erzählt die Religionslehrerin. Die Aktion verbinde Menschen, die sich nicht kennen, miteinander.

Deutlich wird das auch an der ein oder anderen Rückmeldung, die das 800 Schüler zählende Gymnasium schon erhalten hat. Etwa von einem Ehepaar aus Bad Dürkheim. Die Frau hatte ein Herz- und ein Kirschkernkissen sowie einen Handschmeichler erhalten. Beide bedankten sich per E-Mail mit ein paar Zeilen und einem Foto bei den Wohltätern und der ganzen Schule „für die großartige Idee und euer Engagement bei dieser Patenschaft. Ihr dürft sicher sein, dass viele Patienten einer solchen Station große Freude empfinden, dass ,wildfremde‘ Menschlein so lieb an die Betroffenen denken“. Oftmals gehen die kleinen Präsente nach dem Tod eines nahestehenden Angehörigen sogar in den Besitz etwa der Tochter oder des Sohnes über und unterstützen bei der Trauerbewältigung.   

Dass die Geschenke, die auf der Station verteilt werden, zu Herzen gehen, bestätigt auch Klinikseelsorgerin Tanja Weidmann. „Wir merken, wie sehr sich die Patienten darüber freuen, und nicht selten fließen Tränen. Die kleinen Gaben werden für sie zu einer Kraftquelle.“ Und die angehängten kleinen Nachrichten verliehen den Mitbringseln eine höhere Wertigkeit, so die 45-Jährige.

Und die Schüler? Sie seien offen und interessiert an den Themen Sterben, Tod und Trauer. Regelmäßig geht die Pastoralreferentin im Maxdorfer Gymnasium in verschiedene Klassen in den Religionsunterricht von Michaela Clade-Schuster, um über ihre Arbeit und die Palliativmedizin zu berichten, aber auch, um mit den Heranwachsenden über Themen wie die Endlichkeit des Menschen oder die Sterbehilfe ins Gespräch zu kommen.  

Auf der Palliativstation betreut ein Team aus Ärzten, Pflegern und Seelsorgern jährlich rund 250 unheilbar erkrankte Patienten ganzheitlich, medizinisch, pflegerisch, psychologisch, sozial und spirituell. Wichtigstes Ziel ist, ihre Lebensqualität zu verbessern und möglichst lange aufrechtzuerhalten. Der Freundes- und Förderkreis Omega unterstützt die Palliativstation.

Dr. Andreas Brückner, Chefarzt der Inneren Medizin und der Palliativstation, „freut sich über die schon seit mehreren Jahren bestehende Kooperation mit dem Gymnasium in Maxdorf und darüber, was die Schüler uns immer wieder Schönes zur Verfügung stellen“. Das Engagement lenke den Blick darauf, dass keiner wisse, wie das eigene Leben und das anderer nahestehender Menschen verlaufe. Auch relativ junge Patienten müssten immer wieder auf der Palliativstation betreut werden. Vor diesem Hintergrund appelliert der Mediziner, „bewusst zu leben und sich über jeden Tag zu freuen, an dem wir aufwachen und sowohl wir als auch alle, die wir lieben, gesund sind“. (pede)

Redakteur:  Petra Derst

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