Kultur

Donnerstag, 10. August 2017

König, Ritter, Gefangener

Richard Löwenherz: Große Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz

Der englische König Heinrich II. (links) mit seinen Söhnen Heinrich der Jüngere (Mitte) und Richard I. mit dem Beinamen Löwenherz. Foto: Wikipedia Commons/gemeinfrei

Erstmals widmet sich eine große kulturgeschichtliche Schau auf dem europäischen Festland dem legendären englischen König und Kreuzfahrer Richard Löwenherz (1157 bis 1199). Die Landesausstellung „Richard Löwenherz. König – Ritter – Gefangener“ des Historischen Museums der Pfalz in Speyer stellt vom 17. September 2017 bis 15. April 2018 das facettenreiche Leben des mittelalterlichen Herrschers dar, sagte Kuratorin Simone Heimann. Ein regionaler Schwerpunkt werde seine mehr als einjährige Gefangenschaft 1193/1194 in der Pfalz sein.

Richard I. mit dem Beinamen „Löwenherz“, der zehn Jahre bis zu seinem gewaltsamen Tod regierte, gilt als eine der schillerndsten Figuren des europäischen Mittelalters. Zu Deutschland und zur Pfalz gebe es starke geschichtliche Bezüge, machte die Historikerin Heimann deutlich. Auf dem Rückweg vom Dritten Kreuzzug wurde er 1193 von Kaiser Heinrich VI. auf der Reichsburg Trifels bei Annweiler inhaftiert. Während seiner 15-monatigen Gefangenschaft hielt sich Richard vorrangig in den alten Bischofsstädten am Rhein auf. In Speyer wurde er vom deutschen Kaiser auf dem Hoftag angeklagt, das Weihnachtsfest feierte er im Dom.

Die Ausstellung zeigt rund 150 Exponate aus ganz Europa, darunter eine frühe Ausgabe der „Magna Carta“ – ein Meilenstein in der Entwicklung des Rechtsstaats und der Demokratie. Ebenfalls zu sehen sind ein historischer Abguss der Grabplatte Richards und prachtvolle Werke der Buchmalerei. Beleuchtet werden sollen auch die engen Verbindungen durch Adelsheiraten zwischen England, Frankreich und dem staufischen Kaiserreich.

Weitere Themen sind Rittertum und höfische Liebe, Kriegskunst und Kreuzzug, Burgenbau und Kunstschaffen. Begleitend wird vom 12. November 2017 bis 3. Juni 2018 eine Familien- und Mitmachausstellung zu Robin Hood präsentiert.

Richard sei bis heute eine „Projektionsfläche“ für Emotionen, sagte Heimann. Einerseits galt der König als  ritterlicher Held, in Deutschland vor allem aufgrund der populären Robin-Hood-Geschichten. Andererseits sah man ihn in seinem englischen Heimatland auch als „schlechten König“. Demnach habe das für seine Freilassung erpresste Lösegeld von rund 23 Tonnen Silber das Land finanziell ruiniert und seine Machtposition in Europa nachhaltig geschwächt. Inhaltlich baut die Ausstellung auf der erfolgreichen Salier-Schau des Museums (2011) auf, die mit der Rückkehr Mathildes, der Gemahlin Kaiser Heinrichs V. und Großmutter Richards, nach England endete. (epd)

Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintrittspreise:
Erwachsene 14,50 Euro (ermäßigt 13,50 Euro)
Kinder ab 6 Jahre, Schüler und Studenten 6,50 Euro
Kombiticket Löwenherz/Robin Hood
Erwachsene 20 Euro (ermäßigt 18 Euro)
Kinder ab 3 Jahre 8 Euro.
Zur Ausstellung erscheint ein rund 320-seitiger Katalog.

Redakteur:  Redaktion

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