Aus dem Bistum

Mittwoch, 09. Mai 2018

Mit Vorfreude und auch ein wenig Wehmut

Der scheidende Generalvikar Franz Jung bereitet sich auf seine Bischofsweihe vor

Fast zehn Jahre war Franz Jung Generalvikar. Am 10. Juni wird er zum Bischof von Würzburg geweiht. Foto: Landry/is

Am 10. Juni wird Dr. Franz Jung (51)  in Würzburg zum Bischof geweiht. Fast zehn Jahre lang war er Generalvikar des Bischofs von Speyer. Bei Exerzitien hat er sich die Zeit genommen, „ganz in der Stille nochmal die letzten Jahre Revue passieren zu lassen und mich auf das Kommende einzustellen – in aller Offenheit für die Veränderungen und für das Neue“. Derzeit packt Franz Jung Kisten und Koffer, sortiert Bücher und Unterlagen, wie er im Gespräch erzählt. Er freue sich auf sein neues Amt, aber es gebe auch Momente der Wehmut: die letzte Sitzung mit diesem Kreis, der letzte Spaziergang da, letzter Gottesdienst dort – die damit verbundenen Gefühle lassen ihn nicht kalt.

Fordernde und schöne Jahre
„Die Jahre als Generalvikar waren fordernde und arbeitsreiche, aber auch schöne Jahre“, unterstreicht Franz Jung. Wenn er gefragt wird, was ihm in dieser Zeit besonders wichtig war, dann muss er nicht lange nachdenken und verweist auf  den Prozess Gemeindepastoral 2015. Das neue seelsorgliche Konzept für das Bistum Speyer hat er maßgeblich vorbereitet, mit auf den Weg gebracht und umgesetzt. Davon wird er als Bischof von Würzburg profitieren können, wo man ebenfalls einen Prozess zur pastoralen Erneuerung begonnen hat. Aus seinen Speyerer Erfahrungen weiß er, wie wichtig dabei ein klares Ziel ist; das schaffe Sicherheit für alle Beteiligten auf dem Weg zu neuen Strukturen und veränderten Arbeitsweisen. Das Thema Kommunikation hält Jung in diesem Zusammenhang für besonders wichtig. Es könne keine einsamen Entscheidungen geben, sondern der gemeinsame Weg brauche Transparenz sowie viele Kontakte und Gespräche vor  Ort. Wichtige Orte der Diskussion und Entscheidungsfindung seien im Bistum Speyer die diözesanen Foren gewesen. Aus dem mehrjährigen Prozess Gemeindepastoral 2015 sei im Bistum Speyer eine breite neue Kultur des Vertrauens und der Kommunikation gewachsen, freut sich der scheidende Generalvikar. Gleichzeitig gesteht er ein, dass es nicht gelungen ist, alle Gläubigen in gleicher Weise auf den neuen Weg mitzunehmen und sie dafür zu begeistern.
 Als „große Herausforderung“ ist Generalvikar Jung nach eigener Aussage auch das Thema Bistums-Finanzen begegnet. „Wir konnten in den zurückliegenden Jahren viele Hausaufgaben erledigen“, bilanziert er und verweist auf die Offenlegung aller diözesanen Haushalte und eine jährliche externe Wirtschaftsprüfung nach den Richtlinien des Handelsgesetzbuches. Der Bistumshaushalt sei in Ordnung und stehe auf solider Basis. Das Thema „Geld und Diözesen“ steht derzeit auch auf der Agenda der Bischofskonferenz, denn die Standards in den Bistümern sind sehr unterschiedlich, und Finanzskandale – wie zuletzt in Eichstätt – sorgen immer wieder für Negativ-Schlagzeilen.
Als Aktivposten seiner Zeit als Generalvikar nennt Jung zudem die Qualitätsoffensive in den rund 220 Kindertagesstätten im Bistum. Neben der weiteren Qualifizierung des Personals ist die Bereitstellung von pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Begleitung der Kitas ein wichtiger Punkt der diözesanen Initiative.

Belastende Momente
Aber auch schwierige und belastende Momente in seiner Generalvikarszeit verschweigt Franz Jung nicht – so die Insolvenz  von Progressdruck, der kirchlichen Druckerei in Speyer, über die er die rund 70  Beschäftigten informieren musste. Und dann kurze Zeit später das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen. Betroffenen des Missbrauchs durch Priester und andere kirchliche Mitarbeiter sofort nach Bekanntwerden mit einem Ombudsmann eine neutrale Anlaufstelle zu bieten, sei ein erster wichtiger Schritt gewesen. Jung betont jedoch: „Das Thema wird nie abgeschlossen sein.“ Die Betroffenen müssten ihren Weg des Umgangs mit den Folgen des Missbrauchs finden, „wir können sie nur begleiten“. Sehr belastend sei auch die Aufgabe des Bistumshauses St. Ludwig in Speyer gewesen. Das Thema sei für viele bis heute mit großen Emotionen verbunden, so Jung, aber die Entscheidung sei mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten des Bistums unabdingbar gewesen. Durch den Ausbau des Priesterseminars habe man eine gute Lösung gefunden.

Klare Positionen
Noch bevor Franz Jung zum Bischof geweiht ist, ist seine Meinung zu  Themen gefragt, die zur Zeit die katholische Kirche in Deutschland und insbesondere die deutsche Bischofskonferenz umtreiben, zum Beispiel die Debatte über den Kreuzerlass der bayerischen Staatsregierung. Der künftige Würzburger Bischof  – er gehört auch zur bayerischen Bischofskonferenz – kritisiert die Position von Ministerpräsident  Markus Söder, das Kreuz vor allem als kulturelles Symbol zu sehen. „Das Kreuz ist ein genuin religiöses Zeichen und darf nicht auf bayerische Folklore und heimatliches Brauchtum reduziert werden“, betont Jung. Wer das Kreuz als christliches Symbol aufhänge, „muss sich in seinem Handeln an seiner Botschaft messen lassen“.
Auch zur Kontroverse in der Bischofskonferenz über den Kommunionempfang für evangelische Ehepartner und die Anfrage von sieben Bischöfen um den Kölner Kardinal Woelki an den Vatikan in dieser Sache findet der scheidende Speyerer Generalvikar klare Worte. Er habe zwar die Diskussion in der Bischofskonferenz nicht miterlebt, „aber ich finde es sehr bedauerlich, dass über diese Frage keine Verständigung gelungen ist“. Jung sieht bei den Bischöfen und der Bischofskonferenz eine „Aufgabe zur Einheit“. Zuerst miteinander zu sprechen und Lösungen zu finden und dann gemeinsam nach außen aufzutreten, das müsse der Weg sein. „Wie man miteinander umgeht, auch das ist Zeugnis und Botschaft“, ist Franz Jung überzeugt. In diesem Sinne wolle er sich als Mitglied der Bischofskonferenz gerne einsetzen. Mit dem jetzigen Vorgehen habe man sich keinen Gefallen getan; der Schaden in der öffentlichen Wahrnehmung der Kirche sei beträchtlich.

Beachtenswert und zukunftsweisend
Franz Jung hat als Speyerer Generalvikar und Herausgeber des „pilger“ die Bistumszeitung und besonders auch das im Frühjahr 2017 erstmals für den deutschsprachigen Raum erschienene Magazin „der pilger“ stark gefördert. Er nennt im Gespräch das neue Magazin, das vier Mal im Jahr mit jeweils 140 Seiten erscheint, ein über das Bistum hinaus „beachtenswertes und zukunftweisendes Projekt“, das mit seinen Inhalten und seiner Gestaltung breite Leserkreise „weit über die klassische kirchliche Klientel hinaus anspricht. Es gelinge dem Magazin eine „breite Anschlussfähigkeit“ auch in kirchenferne Milieus hinein.
„Wir alle sind unterwegs und auf der Suche“, sagt Generalvikar Jung. Das Magazin „der pilger“ greife diese heute besonders deutlich spürbare Grundbefindlichkeit der Menschen auf. Pilgern sei das Lebensprogramm vieler Menschen, die in einer schnelllebigen Zeit auf der Suche nach dem seien, „was sie erfüllt und bleibt, nach Ruhe und Lebenssinn, und letztlich geht es um die zutiefst religiöse Sehnsucht nach Gott“. Das Magazin sei eine niederschwellige und doch niveauvolle Einladung, diesen Fragen nachzuspüren – so Jung und verbindet das mit einem „großen Dank“ an das Team des „pilger“.

Verabschiedung am 14. Mai
Mit Bistum und „pilger“ wird Franz Jung verbunden bleiben, aktuell bereitet er sich auf die Bischofsweihe am 10. Juni in Würzburg vor. Nächster Termin auf dem Weg dorthin ist die Verabschiedung als  Speyerer Generalvikar mit einer Vesper und der Möglichkeit zu Begegnung am Montag, 14. Mai (15 Uhr), im Dom bzw. im Domgarten. Einen Tag später (15. Mai) werden in Würzburg offiziell der bischöfliche Wahlspruch, das Wappen und die bischöflichen Insignien vorgestellt (Stab, Ring, Brustkreuz, Mitra). Der scheidende Generalvikar und zukünftige Bischof mag es dabei eher schlicht. Mehr will er vor dem 15. Mai nicht verraten. Der zukünftige Bischof  wird vor seiner Weihe vor Ministerpräsident Söder noch den Treueid auf Deutschland und Bayern ablegen, wie es nach dem bayerischen Konkordat vorgesehen ist. (Norbert Rönn)        

Redakteur:  Norbert Rönn

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