Kultur

Mittwoch, 20. Mai 2020

Ohne Barrieren pilgern

Pilger-Verlag in Speyer veröffentlicht einmaligen Führer für Menschen mit Einschränkungen

Der reich bebilderte, handliche Pilgerführer ist zu beziehen über den Buchhandel (14,80 Euro, ISBN 978-3-946777-12-0) sowie beim Pilgerverlag (Telefon 06232/3183-0, E-Mail: info@pilgerverlag.de). (Foto: Pilger-Verlag)

Ein Pilger kann seine Reise nie bis ins letzte Detail planen, und das macht mitunter auch den Reiz des Unterwegsseins aus. So ist aber auch leicht vorstellbar, dass noch ein wenig mehr Courage dazu gehört, sich als Rollstuhlfahrer oder Pilger mit Einschränkungen in der Mobilität auf den Weg zu machen.
Als ein neuer Trend hat sich herausgebildet, zumindest kurze Teilstrecken von Pilgerwegen auch barrierefrei zu gestalten. Doch eine längere Strecke – mehr als hundert Kilometer – am Stück wirklich barrierefrei zu pilgern – und vor allem einen dazu gehörenden ausführlichen Pilgerführer gab es bisher in Deutschland noch nicht.
„Pilgern für alle. Barrierefrei unterwegs“, ist der Titel eines solchen, bisher einmaligen Führers, der jetzt im Pilger-Verlag erschienen ist. Er begleitet Pilger über 120 Kilometer auf dem Weg von Worms nach Lauterbourg im Elsass. In einem Grußwort loben die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen, Matthias Rösch, den neuen Pilgerführer, weil er „gleichberechtigte spirituelle Teilhabe“ ermögliche.
Martien van Pinxteren, Theologe und Mitglied der Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland, sowie Stefan Dreeßen, Referent in der Seelsorge für Menschen mit Behinderung des Bistums Speyer, begannen vor acht Jahren mit den Planungen für den Pilgerweg. Mitsch Schreiner, selbst Rollstuhlfahrer, und Klaus-Jürgen Tischendorf, der ihn mit dem Fahrrad begleitete, waren die „Pfadfinder“ zu dem Weg. Sie „testeten“ jede Etappe, füllten viele Seiten mit Informationen und Hinweisen. Die pilgerbegeisterte Beate Steger, Mitarbeiterin beim „pilger“-Magazin, machte sich anhand dieser Informationen nochmals auf den Weg, und daraus entstand der jetzt vorliegende Wegbegleiter „Pilgern für alle“. Für den Verlag begleitete Anja Eisfeld das Projekt.
Stefan Dreeßen, nach einer schweren Erkrankung seit vielen Jahren selbst Rollstuhlfahrer, freut sich über das Erscheinen des Pilgerführers, sieht darin einen „wichtigen Beitrag zur Inklusion“. Besonders freut ihn die breite Unterstützung aus der Jakobusgesellschaft. Dreeßen hofft zudem auf „eine Signalwirkung auch auf andere Regionen“. Er könnte sich zudem eine Kontaktstelle vorstellen, bei der sich Menschen mit Behinderungen melden, die sich nicht zutrauen, den Weg alleine zu gehen. Gleichzeitig könnte hier eine Liste geführt werden mit Menschen, die sich als Begleiter anbieten. „Sich gemeinsam auf den Weg machen, einander zu helfen, das könnte nochmals ein besonderer Aspekt des Weges sein“, so Stefan Dreeßen.
Unterteilt in neun attraktive Etappenvorschläge führt die etwa 120 Kilometer lange „barrierefreie“ Pilgerroute entlang der Jakobswege von Worms bis Lauterbourg an der deutsch-französischen Grenze. Passend zur Zielgruppe bietet „Pilgern für alle – barrierefrei unterwegs“ viele nützliche Zusatz- und Service-Informationen. Ergänzend zu barrierefreien Einkehrmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten wurden beispielsweise auch entsprechende Unterkünfte und Toiletten entlang der Etappen recherchiert.
Der neue Pilgerführer „Pilgern für Alle“ stößt auch auf das Interesse der Medien. So war in diesen Tagen Anke Petermann, Korrespondentin des Deutschlandfunks für Rheinland-Pfalz, mit Machern des Buches auf dem Pilgerweg unterwegs. Die Gruppe traf sich, mit gebührendem Corona-Abstand, in Rülzheim bei der Kirche St. Mauritius, die direkt am barrierefreien Pilgerweg liegt. Von dort aus wanderte man gemeinsam ein Stück entlang des Klingbachs. Die Journalistin hatte viele Fragen zum neuen barrierefreien Pilgerweg, der für Rollstuhlfahrer, Radfahrer, Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen – kurz für Alle – begehbar ist. Für Themen zur Konzeption des Weges, zum Erstellen des Pilgerführers selbst bis zum Testen der gesamten Strecke standen Roland Zick, Präsident der Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz und Saarland, Beate Steger, Autorin des Pilgerführers, und Mitsch Schreiner, Rollstuhlfahrer, der den gesamten Weg buchstäblich unter die Räder genommen hatte, Rede und Antwort.

Hinweis: In der Sommerausgabe des Magazins „der pilger“ erscheint ein umfangreicher Beitrag zum neuen Pilgerführer.

Redakteur:  (rn)

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