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Silbermöwe

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Rückschläge befürchtet

Der Kampf gegen den Welthunger geht zu langsam voran

Eine Herausforderung für die gesamte Menschheit ist der Kampf gegen Unterversorgung und Hungersnöte. (Foto: panitan/AdobeStock.com)

Kriege, Krisen und die Corona-Pandemie bedrohen nach Ansicht von Helfern und Experten die Fortschritte im Kampf gegen den Hunger. Nach Worten der Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlen Thieme, ist die Welt „nicht auf Kurs, um den Hunger bis 2030 zu besiegen“. „Wir müssen unsere Anstrengungen deutlich erhöhen und in zentralen Bereichen wie dem Klimaschutz und der Handelspolitik gegensteuern.“ Dazu gehöre „ein Umdenken, wie wir unsere Nahrung produzieren und exportieren“, sagte sie. Die Überwindung von Hunger ist eines der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele, auf die sich die UN-Mitgliedsstaaten 2015 verständigt haben. Thieme äußerte sich bei der Vorstellung des Welthunger-Index. Der Studie zufolge verbessert sich die Situation in vielen Ländern zu langsam, „in manchen verschlechtert sie sich sogar“. Dabei könne die Untersuchung die Folgen der Corona- Pandemie noch gar nicht abbilden. Mit Blick auf vorhandene Zahlen bleibt der Hunger in mehr als 50 Ländern ein großes Problem. Davon liegen 36 Staaten in Afrika. Schlusslicht beim Welthunger- Index ist in diesem Jahr der Tschad. Hier wird die Situation als sehr ernst bezeichnet. In die gleiche Kategorie stuft der Welthunger-Index die Lage in zehn weiteren Staaten ein: Osttimor, Madagaskar, Zentralafrikanische Republik, Burundi, die Komoren, Kongo, Somalia, Südsudan, Syrien und Jemen. Hohe Sterblichkeitsrate Der Index wird seit 2006 jährlich von der Welthungerhilfe sowie der irischen Organisation Concern Worldwide veröffentlicht. Die auf Basis von Datenmaterial der Vereinten Nationen erstellte Rangliste soll Auskunft geben über den Anteil an Unterernährten, an Auszehrung und Wachstumsverzögerungen bei Kindern unter fünf Jahren sowie über deren Sterblichkeitsrate. Die Experten werteten in diesem Jahr Angaben zu 132 Ländern aus, wobei sie für 107 einen Index-Wert berechnen konnten. Im Vergleich zum Jahr 2000 ging der Index-Mittelwert von 28,2 auf 18,2 zurück. Weiterhin sind jedoch fast 690 Millionen Menschen unterernährt. Im Jahr 2018 starben 5,3 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag an den Folgen von Hunger. Die Autoren der Studie fordern eine Neuausrichtung des Ernährungssystems. Dazu gehörten Investitionen in kleinbäuerliche Betriebe ebenso wie ein besserer Zugang zu sauberem Wasser. Zudem sprechen sich die Experten dafür aus, Handelsungerechtigkeiten abzubauen und Unternehmen in der Nahrungsmittelbranche für die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutz entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette rechtlich haftbar zu machen.

Redakteur:  kna

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