Aus dem Bistum

Donnerstag, 09. August 2018

Teamarbeit bleibt ihm weiterhin wichtig

Am 13. August wird Generalvikar Andreas Sturm in Speyer offizell in sein Amt eingeführt

Andreas Sturm freut sich auf seine Tätigkeit als Generalvikar, aber er hat auch großen Respekt vor dem Amt, weiß um die Herausforderungen und Belastungen, die damit verbunden sind. Foto: Landry

Sein Büro im Bischöflichen Ordinariat ist noch nicht komplett eingeräumt, dazu hat der neue Generalvikar noch nicht die Zeit gefunden. An der Wand stehen Umzugskisten mit Büchern, und auch Grünpflanzen suchen noch ihren Platz.  Am Montag (13. August) wird Andreas Sturm (43) offiziell in sein Amt als Generalvikar eingeführt (siehe Beitrag Seite 7). In dieser Funktion ist er  persönlicher Stellvertreter von Bischof Karl-Heinz Wiesemann und Leiter des Bischöflichen Ordinariates, der Verwaltungsbehörde des Bistums. Der Bischof hatte am 21. März dieses Jahres die Ernennung Sturms bekannt gegeben, nachdem der bisherige Generalvikar Franz Jung auf den Würzburger Bischofsstuhl berufen worden war. Andreas Sturm sei „der richtige Mann für das Amt des Generalvikars in dieser Stunde für unser Bistum“, so Bischof Wiesemann. Die Redaktion des „pilger“ hat  mit dem neuen Generalvikar, der auch Herausgeber der Bistumszeitung ist, ein Gespräch geführt.

Andreas Sturm wechselt in diesen Wochen vom saarpfälzischen St. Ingbert  nach Speyer am Rhein. Im Januar 2015 war er zum Pfarrer der damaligen Pfarreiengemeinschaft St. Ingbert mit sieben eigenständigen Pfarreien ernannt worden, ab 2016 leitete er die „neue“ Pfarrei Heiliger Ingobertus in St. Ingbert. Im Juni 2016 war er zudem zum Dekan des Dekanats Saarpfalz gewählt worden. Wenn Generalvikar Sturm erzählt, spürt man, wie gerne er Seelsorger ist und wie sehr er sich den Menschen verbunden fühlt. „Wichtig ist, dass man die Menschen mag und ihre Fragen und Antworten ernst nimmt“, unterstreicht er. Dass er trotz Ernennung zum Generalvikar noch mit den St. Ingberter Ministrantinnen und Ministranten in die Sommerfreizeit am Donnersberg fahren würde, war für ihn keine Frage. „Ein schöner Abschluss meiner St.-Ingberter-Zeit“, stellt er mit einem Lächeln fest.

Für Pfarrei-Erfahrungen dankbar
Andreas Sturm ist für die  „Pfarrei-Erfahrungen“ in St. Ingbert „sehr dankbar“ und schätzt diese „Basis-Perspektive“ auch als wichtig ein für seine Tätigkeit als Generalvikar. Das sagt er besonders mit Hinweis auf die weitere  Umsetzung des seelsorglichen Erneuerungskonzeptes   „Gemeindepastoral 2015“. In St. Ingbert habe er viele Menschen erlebt, die mit großem Engagement versuchen, den notwendigen Wandel zu gestalten. „St. Ingbert ist für mich Ermutigung“, betont Sturm. Das ehrenamtliche Engagement gelte es, auf allen Ebenen zu stärken – was  auch mehr Verantwortungsübernahme bedeute. Ein großes Anliegen ist dem früheren Pfarrer und heutigen Generalvikar, „dass Engagierte in den Räten und Ausschüssen ihr  Mandat wahrnehmen und sich dessen auch bewusst sind. Die Verantwortung zur Gestaltung von Kirche vor Ort liegt viel mehr bei ihnen als bei einem Pfarrer“, ist Sturm überzeugt. Für ihn geht es letztlich um die Frage: Warum sind wir Kirche vor Ort? Wo brauchen uns die Menschen?
Wichtige Fragestellungen sind für den neuen Speyerer Generalvikar auch, wie die Partizipation von Frauen und Männern in der Kirche gelingen kann, und wie mehr Frauen in verantwortliche kirchliche Positionen aufrücken können. „Hier ist noch mehr möglich, und das wäre ein wichtiges Signal nach außen“, sagt er.
Die zurückliegenden diözesanen Foren zur „Gemeindepastoral 2015“ bewertet Andreas Sturm positiv. Hoffnungsvoll blickt er auf die Diözesanversammlung, deren Gründung als synodales Gremium auf Bistumsebene derzeit diskutiert und vorbereitet wird. Er hält bei allen Überlegungen eine „angemessene Geschwindigkeit“ bei den weiteren Schritten des Erneuerungsprozesses für wichtig. „Wir müssen die Menschen mitnehmen und sollten warten, bis möglichst viele aufgeschlossen haben.“

Nachhaltige Prägung
Andreas Sturm – Jahrgang 1974 – stammt aus Gerolsheim, aus der 500 Katholiken umfassenden Gemeinde St. Leodegar, die inzwischen zur Pfarrei Hl. Petrus Bobenheim-Roxheim gehört. Was ihn prägte und auf den Weg zum Priesterberuf brachte? Andreas Sturm erzählt von für ihn wichtigen Lernfeldern und Menschen, von vielen positiven Anstößen: Er nennt sein religiöses Elternhaus („Ich bin auch heute noch ein Familienmensch“) und  die Erfahrungen in der  Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) in Frankenthal, wo er auch die Schule besuchte. Als Neunjähriger kam er zu dem Jugendverband, erlebte hier Gemeinschaft und  demokratische Spielregeln. Prägend waren für Andreas Sturm auch, so betont er, ein „guter Religionslehrer“ und besonders sein Heimatpfarrer Erhard Winter. Bevor dieser Seelsorger im Bistum Speyer wurde, wirkte der Franziskaner  viele Jahre  als Missionar im brasilianischen Mato Grosso. Als der Bruder und die Schwägerin bei einem Autounfall ums Leben kamen, kehrte  der Missionar aus Leidenschaft schweren Herzens nach Deutschland zurück, um die zwei Kinder seines Bruders zu adoptieren und großzuziehen. Dieses sich in die Pflicht nehmen lassen, die begeisternden Predigten und die Fähigkeit, zuhören zu können, beeindruckten Andreas Sturm stark. Mit Pfarrer Winter ist er immer noch freundschaftlich verbunden.

Interreligiöser Dialog
Im Jahr 1994 – gleich nach dem Abitur – begann Andreas Sturm in Mainz sein Theologiestudium. Zwei sogenannte „Freisemester“ absolvierte er in den USA, an der Universität St. Paul im Bundesstaat Minnesota. Diese Zeit „weit weg“ diente ihm auch der Selbstvergewisserung. „Ich wollte sicher sein, dass der Priesterberuf mein Weg ist“, betont er. Nach dem Diplom zog es Sturm nochmals für sechs Monate in die USA: Die klinische Seelsorgeausbildung am jüdischen Beth Israel Medical Center in New York brachte ihm zusätzlich „viele gute Erfahrungen im interreligösen Dialog“.  Gern erinnert er sich an die Zusammenarbeit mit Juden, Buddhisten, Jesuiten-Patres. Lebhaft im Gedächtnis sind ihm noch die „Kirchenvorplatz-Begegnungen“ nach dem Gottesdienst, die in den USA sehr viel ausgeprägter seien als bei uns. Die Kirche in Amerika sei den Menschen „sehr zugewandt“, sagt Sturm, und es klingt durch, dass er unausgesprochen den Vergleich zur Kirche in Deutschland im Blick hat.
Im Jahr 2002 wurde Andreas Sturm zum Priester geweiht. Er wirkte als Kaplan in der Pfarrei St. Maria in Landau und als Jugendseelsorger für das Dekanat Landau. Im Jahr 2004 wechselte er als Referent für die Ministrantenseelsorge nach Speyer und wurde geistlicher Leiter des KJG-Diözesanverbandes.  2010 wurde er zum Diözesanpräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) gewählt und bekam die Leitung des bischöflichen Jugendamtes übertragen. Von 2005 bis 2014 wohnte Andreas Sturm in Burrweiler, half dort in der Seelsorge der Pfarreiengemeinschaft mit und betreute die Wallfahrt auf den Annaberg.

Mann der Teamarbeit
„Ohne Teamarbeit geht es nicht.“  Dies ist eine zentrale Erfahrung, die Andreas Sturm an allen Stellen gemacht hat, an denen er bisher gearbeitet hat. Teamarbeit werde auch ein zentrales Arbeitsprinzip in seiner Funktion als Generalvikar sein, unterstreicht er. Jugendseelsorger, Leitender Pfarrer, Generalvikar – dem neuerlichen Rollenwechsel sieht Andreas Sturm „sehr gelassen“ entgegen. „Jeder verändert sich, und an den Rollenwechsel werde ich mich gewöhnen, ohne meine Prinzipien im Umgang mit Menschen über Bord zu werfen.“ Da ist er sich ganz sicher.

Geistliche Heimat Taizé
Ein Stück geistliche Heimat ist für Generalvikar Sturm Taizé unddie dortige ökumenische Mönchsgemeinschaft. „Tiefe und bewegende Erlebnisse und Erfahrungen“ verbinde er damit. Begeistert erzählt er von den persönlichen Begegnungen noch mit Frère Roger Schutz (+ 16. August 2005) und den spannenden Gesprächen mit evangelischen Christen über das Gemeinsame und Trennende zwischen den Konfessionen. Seit 1995 besucht Andreas Sturm jedes Jahr – „meistens  im Februar, wenn noch nicht soviel los ist“ – Taizé, den kleinen Ort in Burgund, der für ihn „eine wirkliche Kraftquelle“ geworden ist. „Es ist wichtig, Menschen Orte zur eröffnen – zum Beispiel Klöster –, an denen sie sich geistlich beheimatet fühlen können“, fügt Sturm als Schlussfolgerung hinzu –im Wissen, dass die territorialen seelsorglichen Strukturen nicht mehr so tragen wie in früheren Zeiten. Auch die aufblühende Pilgerbewegung sieht er als Möglichkeit, Menschen anzusprechen.
Andreas Sturm hat „großen Respekt“ vor dem Amt des Generalvikars. Aus seiner Zeit als Jugendseelsorger weiß er zwar, „wie das Bischöfliche Ordinariat tickt“, das erleichtere Manches, aber die Aufgabe bleibe herausfordernd und aufreibend, so die Erfahrung bereits nach wenigen Wochen. Deshalb hält er persönliche Freiräume für wichtig, um sich von einem übervollen Terminkalender nicht überrollen zu lassen. Er liebt kleine Auszeiten, auch einmal in der Mittagspause am Rhein auf einer Bank zu sitzen und die Gedanken schweifen zu lassen. Zum Wandern und Fahrradfahren will er sich auch in Zukunft Zeit nehmen. „Erholsam und entspannend“ empfindet Andreas Sturm auch das Kochen und gemeinsame Essen mit Freunden. „Und ich bin ein Familienmensch“, unterstreicht er. Ab und an springe er auch schon einmal als Babysitter in der Familie seines Bruders ein. (Norbert Rönn)

Stichwort: Generalvikar

Der Generalvikar hat in der katholischen Kirche eine besondere Stellung: Er ist das „alter ego“ und damit wichtigster Mitarbeiter des Diözesanbischofs. Das Generalvikarsamt ist untrennbar mit dem des amtierenden Bischofs verbunden; endet dieses, endet auch das Amt des Generalvikars. Er steht an der Spitze des Bischöflichen Ordinariats und leitet die kirchliche Verwaltung. Das Amt des Generalvikars entwickelte sich im 13. Jahrhundert zuerst in großen Diözesen, heute ist das Amt in allen Bistümern verankert.

Bischof lädt zur Amtseinführung
von Generalvikar Andreas Sturm ein

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann lädt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums sowie alle Gläubigen zur Amtseinführung von Generalvikar Andreas Sturm am Montag, 13. August, nach Speyer ein. Um 10.30 Uhr wird aus diesem Anlass im Speyerer Dom eine Heilige Messe gefeiert. An den Gottesdienst schließt sich ein Umtrunk mit Gelegenheit zu persönlichen Begegnungen und Gesprächen in der Vorhalle des Domes an. Andreas Sturm ist im Amt des Generalvikars Nachfolger von Dr. Franz Jung, der im Juni dieses Jahres zum neuen Bischof von Würzburg geweiht wurde.
Andreas Sturm wird am Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August, dem Patronatsfest des Domes und der Diözese Speyer, im Rahmen der Pontifikalvesper um 16.30 Uhr im Speyerer Dom in das Speyerer Domkapitel aufgenommen und damit zum Domkapitular ernannt. Auch zu diesem Gottesdienst sind alle Gläubigen herzlich eingeladen. (is)

 

 

Redakteur:  Norbert Rönn

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