Wochenkommentar

Mittwoch, 15. Januar 2020

Verbrechen statt Fehler

Staatsspitze hat jede Glaubwürdigkeit verloren

Was ist bemerkenswerter: Dass das Mullah-Regime in Teheran tagelang über den Abschuss des ukrainischen Verkehrsflugzeuges schweigt und ihn  als „technischen Defekt“ beschönigt oder dass es am Ende doch einen „Fehler“ einräumt? Man bedenke: Andere Autokratien wie etwa Russland würden nie im Traum daran denken, die eigene Schuld zuzugeben. Offenbar war aber im aktuellen Fall die Beweislage so erdrückend, dass den Machthabern um Ajatollah Chamenei und den berüchtigten Revolutionsgarden keine andere Wahl blieb. Mal eben „im Vorbeigehen“ willkürlich 176 unschuldige Menschen umzubringen, das muss aber handfeste Konsequenzen haben. Eine ebenso umfassende wie gründliche internationale Untersuchung ist nach einem solchen Verbrechen ein Muss.     
Fest steht: Die Lügner an der iranischen Staatsspitze, Mullahs wie Militärs, haben jede Glaubwürdigkeit verloren. Das Erstaunlichste an der aktuellen Entwicklung ist, dass sich in einem Total-Überwachungs-Staat plötzlich Demonstrationen in mehreren Städten formieren, die offen das Ende der Mullah-Diktatur fordern. Sie tun dies mit einem großen persönlichen Risiko, denn das Regime reagiert großer mit Härte.
Mit lobenswerter Klarheit hat die Deutsche Kommission Justitia et Pax in Gestalt ihres Vorsitzenden, Bischof Heiner Wilmer (Hildesheim), die Eskalationsspirale im Nahen Osten gebrandmarkt und nicht nur den Iran, sondern auch die konzeptionslose, verhängnisvolle Politik der USA angeprangert. Schafft der erratische, unberechenbare Donald Trump es endlich einmal, sich bewusst zurückzuhalten, um den unwahrscheinlichen,  aber nicht völlig unmöglichen Erfolg der Proteste im Iran nicht zu gefährden?

Redakteur:  Gerd Felder

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